01. Februar 2021 Aktuelles

Warum die reine Männerkirche eine "amputierte" Kirche ist

Schwester Philippa Rath (links) und kfd-Bundesgeschäftsführerin - beide Delegierte des Synodalen Wegs - bei der Eröffnung der ersten Synodalversammlung im Januar 2020 in Frankfurt. Foto: kfd/Jutta Laege

Benediktinerin Schwester Philippa Rath gibt Frauen, die sich zu Diakonin oder Priesterin berufen fühlen, in ihrem Buch "Weil Gott es so will" eine Stimme.

Schwester Philippa Rath, Benediktinerin und Delegierte des Synodalen Wegs, setzt sich für den Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der katholischen Kirche ein.

Nun hat sie zu diesem Thema ein Buch herausgegeben. "Weil Gott es so will", lautet der Titel. Darin hat sie Lebens- und Berufungszeugnisse von 150 Frauen gesammelt, die sich zur Diakonin oder Priesterin berufen fühlen. Auch Brigitte Vielhaus, kfd-Bundesgeschäftsführerin, kommt in dem Buch zu Wort.

"Ich wollte den Frauen endlich eine Stimme geben und die Möglichkeit, sich öffentlich zu ihrer Berufung zur Priesterin oder Diakonin zu bekennen", erklärt Philippa Rath ihre Motivation. "Viele der Frauen haben mir geschrieben, dass sie in der Kirche noch nie nach ihrer Berufung gefragt worden seien."

"Im gesellschaftlichen Zusammenhang nennt man eine solche Ungleichbehandlung Diskriminierung."

Die Benediktinerin der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen ist überzeugt, dass "unsere katholische Kirche, so wie sie jetzt als 'klerikale Männerkirche' erscheint, eine 'amputierte' Kirche ist, weil sie mehr als die Hälfte aller Gläubigen, nämlich die Frauen, von den Weiheämtern ausschließt. Im gesellschaftlichen Zusammenhang nennt man eine solche Ungleichbehandlung Diskriminierung."

Zu der Aussage von Papst Johannes Paul II., der 1994 in einem lehramtlichen Schreiben festhielt, die katholische Kirche habe "keinerlei Vollmacht", Frauen die Priesterweihe zu spenden, sagt die Ordensfrau: "Ich sehe nicht, dass diese Aussagen ein in Stein gemeißeltes Gesetz Gottes sind, sondern, dass es Spielräume zum Weiterdenken und Weiterargumentieren geben muss."

Es dürfe keine Denkverbote in der Kirche geben, ergänzte Rath: "Basta-Entscheidungen sind nie hilfreich, auch nicht, wenn sie immer wiederholt werden".

"Ich bin überzeugt, dass die Frauenfrage schon heute und künftig noch mehr von existentieller Bedeutung für die Kirche ist ."

Bereits im Frühjahr 2019 hatte Philippa Rath im Interview mit der kfd-Mitgliederzeitschrift über die Krise der Kirche und die Chancen, die sich daraus vor allem für die Frauen ergeben, gesprochen.

"Ich bin überzeugt, dass die Frauenfrage schon heute und künftig noch mehr von existentieller Bedeutung für die Kirche ist und dass es bald sehr einsam werden könnte für die Amtsträger, wenn der Exodus der Frauen oder auch nur die innere Emigration so weiter voranschreiten", sagte sie damals. 

Das Buch "Weil Gott es so will" ist am 1. Februar im Herder Verlag erschienen. Der Kölner kfd-Diözesanverband lädt am 26. Februar zu einer Online-Lesung mit Schwester Philippa Rath ein.

Mit Material von KNA

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Stand: 01.02.2021
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