leidenschaftlich glauben und leben

90 und kein bisschen leise

Am 6. Oktober 2018 hat der kfd-Bundesverband mit einem großen FrauenFestMahl seinen 90. Geburtstag gefeiert. Geladen waren kfd-Frauen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Gäste aus Politik und Kirche.

"leiden­schaftlich glauben und leben" - das galt auch für die große Jubiläumsfeier zum 90. Bestehen des kfd-Bundesverbandes. Auf Einladung des Bundesvorstandes waren rund 600 kfd-Mitglieder aus fast allen Diözesanverbänden und dem Landesverband nach Düsseldorf gekommen, um an einem großen Erntedank-Brotritual teilzunehmen, ihren Glauben in der Gemeinschaft zu leben und Talks zu verbands-, gesellschafts- und kirchenpolitischen Themen zu lauschen.

Bea Nyga mit Band und strahlender Oktober-Sonnenschein sorgten für beste Laune - obwohl es morgens im Festzelt noch herbstlich frisch war.

Bei ihrer Begrüßung blickte kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil zurück auf die vergangenen Jahrzehnte der kfd-Arbeit: "Schon vor 90 Jahren haben unsere Vorgängerinnen mutig gesagt 'Wir brauchen eigene Plätze in der Kirche und wollen nicht nur nebendran stehen, sondern mittendrin'. Heute sind wir sind nicht irgendein Frauenort in der Kirche, wir sind DER Frauenort in der Kirche!"

Viel habe sich seit 1928 für Frauen in Kirche und Gesell­schaft getan, doch hätten sich die Kernthemen - Mitsprache und Gleichstellung - nicht geändert.

Mechthild Heil: "Wir müssen mutiger und prägnanter in unseren Äußerungen werden und dürfen uns nicht von der Amtskirche bremsen lassen. Wir leben in einer Zeit, wo wir als Katholikinnen gefragt sind, Orientierung zu geben. Dafür brauchen wir eine laute Stimme, auch zu den großen gesellschaft­lichen Themen und werteorientierten Debatten."

Die Geschichte der kfd
Die Anfänge der heutigen kfd reichen zurück bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1928 wird der Zentralverband der katholischen Müttervereine gegründet. 1968 verabschiedete der Verband eine neue Satzung und mit ihr den Namen Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Mehr

Nachhaltige Feier mit großem Brotritual

Im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier stand das FrauenFestMahl mit einem großen Brotritual. Dazu wurde vor der Bühne ein vier Meter langer, ovaler Tisch aufgebaut, auf dem das große 90-Jubiläumsbrot lag umringt von Dutzenden regionalspezifischen Broten, die die Gäste aus den Diözesanverbänden und dem Landesverband mitgebracht hatten.

Zusammen ergaben sie ein beeindruckendes Bild: Neben Roggenvollkornbrot und Hefezopf lagen schwarze Baguettes und Körnerlaiber hinter geflochtenen Broten mit Glückwunsch-Mehlschrift und hellen Kränzen.

Unter Leitung der Geistlichen Leiterin im Bundesverband, Ulrike Göken-Huismann, wurde gemeinsam Wortgottesdienst gefeiert. Bei der Segnung des Gabentisches sagte sie:

"Wir sind füreinander Brot vor Ort bis zur Bundesebene. Dafür und für die langen 90 Jahre unseres Bundesverbandes danken wir Dir, Gott. Für das unermüdliche Engagement von Frauen und Männern für die Anliegen von Frauen in Kirche und Gesellschaft. Wir bitten Dich um Deinen Segen für das Brot und die Vielfalt unseres Frauenverbandes."

Nach der Wortgottesfeier verteilten die Bundesvorstandsmitglieder gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle die mitgebrachten Brote an die Gäste. Das feierliche, gemeinschaftliche Brotbrechen war ein zentraler und schöner Moment - um die Gemeinschaft und das bevorstehende Erntedankfest zu feiern. Neben Brot wurden zudem Dinkelbratlinge (nach einem Rezept der Heiligen Hildegard von Bingen) sowie Apfelstreuselkuchen gereicht.

Podiumsgespräche

Drei Podiumsgespräche wurden während des Jubiläumsfestes geführt: Zu verbands-, gesellschafts- und kirchenpolitischen Themen.

Beim ersten verbandlichen Talk sprachen kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil, Magdalena Bogner (kfd-Präsidentin/-Bundesvorsitzende 1997-2008) und Anna-Maria Mette (stv. Bundesvorsitzende 2009-2017) über die Rolle von Verbänden im Allgemeinen und die kfd im Besonderen. Nach Rückschau auf Erreichtes, etwa die Leitlinien '99 oder der Nachweis Ehrenamt blickten die ehemaligen Vorstandsmitglieder in die Zukunft.

Magdalena Bogner: "Hier sind heute 20 Diözesanverbände und ein Landesverband versammelt in aller Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Ich wünsche dem Bundesverband, dass die Verschiedenheit der Diözesanverbände zum Tragen kommt und ein Schatz ist, aus dem er schöpfen kann."

Anna-Maria Mette: "Ich wünsche mir und uns, dass wir es als Verband schaffen, zu überwinden, was in den Medien kritisiert wird: die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Dass wir es schaffen, untereinander Solidarität zu leben, nach außen zu tragen und zu zeigen, dass Solidarität möglich ist und man solidarisch viel bewegen kann. Wir wollen das mit starker Stimme nach außen tragen."

Mechthild Heil reagierte abschließend auf die Wünsche ihrer Vorgängerinnen:

"Die Vielfalt der Verbände ist durch die Mitgliederwerbekampagne 'Frauen.Macht.Zukunft.' deutlich geworden, dass das unser Pfund ist, mit dem wir wuchern können. Ich bin dankbar für die Gemeinschaft. Das ist ein unglaublicher Ansporn für mich, diese Arbeit zu machen."

Frauen in Diensten und Ämtern

Über die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Kirche diskutierten die stv. kfd-Bundesvorsitzende Prof'in Dr. Agnes Wuckelt und der stv. Düsseldorfer Stadtdechan­t Frank Heidkamp.

Die stellv. Bundesvorsitzende Wuckelt sagte: "Wir lassen bei dem Thema Frauen in Diensten und Ämtern nicht nach. Ich wünsche mir, dass wir mutig klare Kante zeigen und uns zum Fenster herauslehnen."

Bei der Frage an Stadtdechant Heidkamp, was er angesichts der Nicht-Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche vorschlage, sagte er:

"Die Bischöfe müssen sich ändern. Und die Haltung in den Köpfen. Wenn Frauen nur für Kaffee und Kuchen gebraucht werden, ist das Mist." Es gebe keinen theologischen Grund, Frauen die sakramentale Diakonatsweihe zu verweigern. Unter tosendem Applaus setzte er hinzu: "Und, das ist aber meine persönliche Meinung: Warum nicht auch mal eine Päpstin?"

Gesellschaftspolitische Bedeutung von Verbänden

An einem weiteren Podiumsgespräch ging es um die gesellschaftspolitische Einflussnahme von Verbänden. Teil nahmen Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (selbst kfd-Mitglied), die stv. Bundestagsfraktions­vorsitzende Bündnis90/Grüne Katja Dörner, die Vorsitzende der Katholi­schen Frauenbewegung Österreichs (kfbö), Veronika Pernsteiner, und die stv. kfd-Bundesvorsit­zende Monika von Palubicki.

Für Anja Karliczek haben Verbände eine wichtige Bildungsfunktion: Bildung bestehe demnach aus vielen kleinen Schritten im Alltag, zu denen Verbände beitragen könnten. "Wir müssen uns stark vernetzen, damit wir das, was unseren Glauben ausmacht, leben können: nur von unten aus der kleinsten Einheit sind wir stark, und der Bund nur so stark wie das kleinste Glied in der Kette."

Für Beifall sorgte Veronika Pernsteiner. Die Vorsitzende der Katholi­schen Frauenbewegung Österreichs berichtete, dass die kfbö kurz nach ihrem Amtsantritt direkt Mitglied im Netzwerk Diakonat der Frau wurde. So werde der Diakonat ein europaweites Anliegen mit noch mehr Nachdruck, betonte Pernsteiner.

Dass Frauen nicht nur in der Kirche, sondern auch bei großen globalen Problemstellungen immer den Kürzeren zögen, betonte Katja Dörner: "Bei Flucht, Migration und Klimawandel sind die ersten Betroffenen immer die Frauen. Da brauchen wir eine Frauenperspektive. Wir müssen endlich machen, was alle sagen, aber niemand tut, nämlich Fluchtursachen bekämpfen. In all den politischen Themen, in denen ich mich in den letzten Jahren bewegt habe, waren es immer die Frauen, mit denen es gelingen kann, an diesen großen Hebeln zu drehen."

Nachhaltiges Fest

Ein nachhaltiges Fest auszurichten, das war dem kfd-Bundesverband kurz nach Ende der Ökumenischen Schöpfungszeit ein wichtiges Anliegen: So gab es Brot, Bratlinge und Kuchen ohne Geschirr und Besteck und die Transportwege waren so kurz wie möglich. Kuchen, Brot und Gemüsebratlinge stammten aus saisonalem Bio-Anbau regionaler Produzenten und wurden auf FSC-zertifizierten Servietten gereicht.

Die Tischdekoration bestand - statt Einweg-Papiertischdecken - aus den neuen roten Bio-Baumwoll-Läufern mit kfd-Logo, die die Gäste gegen eine freiwillige kleine Spende direkt mitnehmen konnten.

Und das Fest hinterließ Eindruck: "Die Frauen sind von dem Gemeinschaftsgefühl unserer Großveranstaltungen immer sehr begeistert", fasste eine Teilnehmerin die Rückmeldungen zusammen. "Sie meinen, das trägt sie wieder für ein paar Monate!"

Erreichtes

  • kfd-Zeitstrahl Gesellschafts- und kirchenpolitische Meilensteine der kfd. 1928 bis heute (Stand: 2018) 520 KB Download
Broschüre

Lebensräume - Gleichheitsträume. Die Geschichte der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands.

Broschüre im Format DIN A4, 40 Seiten

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Stand: 11.10.2018