Frau und Mutter

Madame X

In jeder Ausgabe von "Frau und Mutter" fragt Autorin Cordula Lissner nach rätselhaften Bekannten.

Madame X aus Heft 07.08/2019

"In dieser Familie muss es einen Menschen geben, der nicht schreibt." Madame X verknüpfte ihre Rolle als Mittelpunkt einer Schriftsteller-Familie ausdrücklich nicht mit eigenen Ambitionen.

Dabei hätte sie, Tochter eines Professors und einer Schauspielerin, Enkelin einer Frauenrechtlerin, durchaus eine eigene Karriere anstreben können. Als eine der beiden ersten Frauen wurde sie in München zum Abitur zugelassen und später auch zur Universität.

Mit ihrem Leben war die junge Dame rundherum sehr zufrieden. In der elterlichen Villa gaben sich interessante Gäste die Klinke in die Hand, mit Brüdern und Freundinnen vergnügte sie sich beim Tanzen und im Tennisclub, die Seminare in Physik und Mathematik fielen ihr leicht.

Als ein sieben Jahre älterer Schriftsteller ihr Avancen machte, war sie zunächst nicht begeistert, gab aber schließlich seinem Werben nach.

Einer Romanfigur, der er ihre Züge verliehen hatte, attestierte der Gatte später "ins Weibliche gewendete Klugheit und Tapferkeit". Von ihrer Klugheit und Tapferkeit, die ihm den Rücken freihielten, profitierte seine Karriere zweifellos.

Dem anstrengenden Alltag mit schließlich sechs Kindern wusste sich Madame X nur durch lange Sanatorien-Aufenthalte im Hochgebirge zu entziehen. Die Sprösslinge, deren Vater sich zu Erziehungsaufgaben nicht berufen fühlte, wurden derweil von einer Schar Kindermädchen betreut. Der Alltag änderte sich kaum, als ihrem Ehemann der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde.

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bedrohte die gesamte Familie. Obwohl evangelisch getauft, stammte Madame X aus einer jüdischen Familie.

Ihr Ehemann und mehrere der Kinder waren sofort in Opposition zum neuen Regime gegangen. Madame X organisierte Flucht und Exilalltag, bis schließlich die gesamte Familie in den USA wieder vereint war.

Zwölf Jahre später sollte die Schweiz eine letzte Heimat werden. Auch nach dem Tod des Gatten vereinsamte Madame X nicht im großen Haus am Zürichsee.

Gäste und auch die Kinder, von denen sie drei überleben sollte, waren meistens nicht weit, vier Enkelkinder gingen ein und aus. Madame X erreichte ein hohes Alter, und aus einem langen Interview wurde schließlich doch noch eine Art Autobiographie: "Meine unveröffentlichten Memoiren".

"Madame X" Auflösung

Gesucht war Katia (Katharina Hedwig) Mann, geb. Pringsheim (*24.7.1883 in Feldafing bei München, †25.4.1980 in Kilchberg bei Zürich), Ehefrau des deutschen Schriftstellers Thomas Mann, Mutter von Erika, Klaus, Golo, Monika, Elisabeth und Michael Mann.

Madame X aus Heft 06/2019

Warum kann das kleine Mädchen nicht mit mir spielen? Sie ist doch in meiner Klasse. Sie ist genauso alt wie ich und sieht aus wie Schokolade.

Ganz leise und traurig endet das Lied. Die beiden Mädchen werden keinen Nachmittag miteinander verbringen, und die Zuhörer fühlen, dass Madame X ihre eigene Trauer in den Song mit hineingelegt hat.

Die strikte Trennung in ein weißes und ein schwarzes Amerika gehörte zu ihrer Kindheit als etwas Unabänderliches hinzu. Ihre Familie war arm und schwarz.

Aber Madame X hatte einen Traum. Sie wollte Konzertpianistin werden. In der methodistischen Kirche, in der ihre Mutter sonntags predigte, gab es eine Orgel. Mit vier Jahren kam die kleine Madame X so gerade an die Pedale.

Mit zehn durfte sie musikalisch durch den Gottesdienst leiten. Inzwischen bekam sie Klavierunterricht, ermöglicht von einer vorurteilslosen Unterstützerin, für die ihre Mutter das Haus putzte.

Tag für Tag übte das Mädchen, liebte die Fugen und Präludien von Johann Sebastian Bach genauso wie Beethovens Klavierkonzerte. Dass sie am Endeihrer privaten Ausbildung nicht zum Studium an einem renommierten Musikinstitut zugelassen wurde, war eine bittere Enttäuschung.

Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, bewarb sich die junge Pianistin in Bars und Varietés, sang und spielte nun Blues und Jazz. Madame X gab sich einen Künstlernamen, der an die von ihr bewunderte Schauspielerin Simone Signoret erinnern sollte.

Ihr erstes Album erschien in New York, nachdem sie das Publikum in der Town Hall mit ihrer Stimme und ihrem neuartigen Stilmix aus Klassik, Soul und Jazz zu Ovationen hingerissen hatte.

In New York war es auch, dass Madame X mit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in Berührung kam. Nach einem Attentat auf Schwarze in einer Kirche in Alabama schrieb sich Madame X ihren Zorn und ihre Verzweiflung mit einem anklagenden Song von der Seele.

Mehr und mehr wurde sie mit ihrer Musik zu einer Botschafterin gegen den Rassismus. Ihre Lieder rüttelten auf und ermutigten ihre Weggefährten.

So aufsehenerregend ihre Karriere verlief, so wechselvoll blieb ihr Privatleben. In ihren letzten zehn Lebensjahren war die Provence ihr ein Zuhause. Die einstige "Hohepriesterin des Soul" erlebte es noch, dass ihre Songs wiederentdeckt und von jüngeren Musikern und Musikerinnen neu interpretiert wurden.

Madame X"-Auflösung

Die Gesuchte war die US-amerikanische Jazz- und Soulsängerin, Pianistin, Songschreiberin und Bürgerrechtsaktivistin Nina Simone, eigentlich Eunice Kathleen Waymon (geboren 21.02.1933 in Tryon, North Carolina, USA, gestorben 21. April 2003 in Carry-le-Rouet, Frankreich).

Madame X aus Heft 05/2019

Mit einer Opernsängerin als Mutter und einem Sänger als Vater gehörten Bühnenbretter zum Kinderzimmer von Madame X. Die Familie war von Kiel nach Dortmund gezogen, und die kleine Tochter lernte den Ruhrpottdialekt auf der Straße. Gutmütig war sie schon als Kind und fand schnell Freunde.

Nach dem Abitur nahm Madame X Schauspielunterricht, lernte andere Städte und ihre Theater kennen. Aber schließlich kam sie zurück ins Ruhrgebiet und ließ sich von keinem Burgtheater dort weglocken.

Das Bochumer Schauspielhaus wurde ihr Lebensmittelpunkt, auch wenn der Schrebergarten in Herne ebenfalls eine gewisse Aufmerksamkeit beanspruchte und sie wurde das Herz des Ensembles.

Ihr trockener Humor prädestinierte Madame X für komische Rollen, aber wechselnde Regisseure erkannten auch ihre Begabung, "jeden Tschechow zu spielen" und Hauptrollen in einer Tragödie zu übernehmen.

So trat sie auf in Stücken von Brecht und Shakespeare, von Garcia Lorca und natürlich Helge Schneider, brachte das Publikum zum Lachen und zum Weinen.

Singen konnte die "Ruhrgebiets-Duse" oder "Perle aus dem Pott", wie sie von Journalisten getauft worden war, natürlich auch. Und weil im Ruhrgebiet andere Gesetze gelten als in Hollywood, wurde sie mit zunehmendem Alter immer bekannter.

Dazu trugen nicht nur ihre Soloprogramme und ihre Rollen in Kinofilmen bei - viele davon mit einem Ruhrpottschwerpunkt -, sondern auch ihre Auftritte in Fernsehserien wie dem "Tatort". Nicht ganz zufällig erschienen ihre Lebenserinnerungen unter dem Titel "Jeden Morgen dasselbe Theater".

Privatleben und Bühne waren bei Madame X nie weit voneinander entfernt. In ihrer von Andenken übersäten Garderobe stand für die Gäste stets ein Piccolöchen bereit, und wer von ihr einmal in den Arm genommen worden war ("Komma bei mich bei"), blieb ihr lebenslang verbunden.

Madame X gehörte zum alten Ruhrgebiet mit seinen Zechen und Strahlöfen, mit seinem rauen Charme und dem Arbeitermilieu. Der Herzlichkeit dieses Reviers gab sie ein Gesicht und eine Stimme. Ein Denkmal, das die Bochumer ihr errichtet haben, erinnert dort heute noch sichtbar an Madame X.

 

"Madame X"-Auflösung

Gesucht war die Schauspielerin Tana Schanzara, eigentlich Konstanze Schwanzara, geb. am 19.12.1925 in Kiel, gest. am 19.12.2008 in Bochum. Neben ihrem fünf Jahrzehnte umfassenden Engagement am Schauspielhaus Bochum wirkte sie auch in Kinofilmen und Fernsehserien mit.

Madame X aus Heft 04/2019

Es war einmal ein kleines Mädchen. Es hieß Friederike und hatte komische Haare. Einige waren so rot wie Tomaten. Die Haare über der Stirn hatten die Farbe von Möhren."

So beginnt das Bilderbuch, mit dem Madame X als ausgebildete Grafikerin zum ersten Mal an die Öffentlichkeit trat. Die Geschichte von der rothaarigen Friederike, die sie zu ihren Zeichnungen dazugeschrieben hatte, zog kleine wie große Leser und Leserinnen sofort in ihren Bann.

Dann werde ich eben Schriftstellerin, beschloss Madame X, die in der eigenen Jugend charakterlich einige Ähnlichkeiten mit ihrer ersten Buchheldin aufgewiesen hatte.

Zu Friederike gesellte sich in den nächsten Jahren eine ganze Schar von Mädchen und Jungen, darunter auch ein kleiner Franz mit Ringellocken und Piepsstimme, der viel an sich auszusetzen hatte.

Alle Kinderbücher, die Madame X in ihrem Leben schrieb, und das waren schließlich weit mehr als hundert, hatten etwas gemeinsam: Die Helden und Heldinnen waren ganz normale Kinder, die es nicht leicht im Leben hatten. Sie waren nicht immer brav, hatten nicht nur komische Haare, sondern auch ihren eigenen Willen, und in der Welt um sie herum ging es manchmal böse und ungerecht zu.

Gegen Ungerechtigkeit und Bosheit kann man sich aber zu wehren versuchen, das vermitteln die Bücher der Madame X, und oft hilft einem dabei auch jemand oder spendet zumindest ein bisschen Trost.

Sie halte es mit Tucholsky, erklärte Madame X. Mit zehn Fingern auf der Schreibmaschine könne man zwar nicht die Welt verändern, aber flankierende Maßnahmen ergreifen.

Obwohl es also mitunter regnet und stürmt in der Kinderwelt der
Madame X, sind ihre Geschichten doch sehr lustig. Kinder und Erwachsene lachen zwar nicht an den gleichen Stellen, aber sie lachen, freute sich die Verlegerin.

Humor und hintergründige Ironie lassen sich bei Madame X fast immer finden. Das gilt für ihr "Köchelverzeichnis für Männer" - die Autorin selbst kochte einfach himmlisch, sagen ihre Gäste - wie für ihre klugen Zeitungsartikel, die Gedichte im Wiener Dialekt, ihre Hörfunkserien und Fernsehspiele. Beide Töchter traten als Illustratorinnen in ihre Fußstapfen.

 

"Madame X"-Auflösung

Gesucht ist die österreichische Schriftstellerin Christine Nöstlinger, geb. Draxler (*13.10.1936 in Wien, †28.10.2018 ebd.), bis heute eine der wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen von Kinder- und Jugendbüchern. "Die feuerrote Friederike"(1970) war ihr erstes Kinderbuch, die "Geschichten vom Franz"  erschienen bis 2011.

Madame X aus Heft 03/2019

Ihre Mutter hatte in der Band von Elvis Presley gesungen und ermunterte die Tochter zu eigenen Ausflügen in die populäre Musik. Nicht nur eine außergewöhnliche Stimme, auch besondere Schönheit waren Madame X in die Wiege gelegt worden.

Mit 14 sang die Schülerin das erste Mal ein Lied im Tonstudio. "Life's a Party" hieß der Song, für den sie eindeutig ein bisschen zu jung war. Auch eine Modelkarriere begann Madame X noch als Teenager. Ihr Porträt war das erste Foto einer jungen schwarzen Amerikanerin auf der Titelseite der Zeitschrift "Seventeen" (Siebzehn).

Ihr erstes eigenes Album, von einer ambitionierten Plattenfirma mit bekannten Liebesliedern bestückt, wurde 13 Millionen Mal verkauft. Mit Mitte zwanzig war Madame X bereits eine der erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten. Zu den 24. Olympischen Spielen lieferte die junge Frau eine regelrechte Hymne.

Drei Jahre später sang sie beim Super Bowl - in den USA das Sportereignis des Jahres - im Football-Stadion die amerikanische Nationalhymne. Madame X war zu einer Pop-Ikone geworden. Mit ihren Auszeichnungen konnte sie Wände tapezieren.

In ihrem Privatleben lief nicht alles so reibungslos wie im Beruf. Sie heiratete einen Rapper, der sie schlug, mit dem sie aber eine Tochter bekam. In einem Interview mit der Talkmasterin Oprah Winfrey berichtete Madame X später von ihrer Drogensucht und ihrer unglücklichen Ehe. Auf einer letzten Welttournee konnte die Sängerin nicht an ihre früheren Erfolge anknüpfen.

Und obwohl die Plattenfirma keine Mühen für das Comeback-Album ihres größten Zugpferdes gescheut hatte, fanden viele Rezensenten es langweilig. Zu einer großartigen Stimme, die noch immer mühelos drei Oktaven umfasste, müsse doch einmal ein bisschen mehr Persönlichkeit hinzukommen, befand eine enttäuschte Musikkritikerin. Madame X war es nicht vergönnt, in Würde zu altern.

"Wann kann ich endlich ich sein?", soll sie ihren Plattenproduzenten schon bei den Aufnahmen zu ihrem zweiten Album gefragt haben. Nach ihrem frühen und tragischen Tod erschien der fünfte Film der Ausnahmekünstlerin, die auch als Schauspielerin ein weltweites Publikum verzaubert hatte.

 

"Madame X" Auflösung

Gesucht ist die US-amerikanische Pop- und Souldiva Whitney Elizabeth Houston (*9.8.1963 in Newark, New Jersey; †11.2.2012 in Beverly Hills, Kalifornien). Die weibliche Hauptrolle im Film "Bodyguard" (1992) und weitere Filme brachten der weltweit erfolgreichen Sängerin zusätzliche Popularität.

Madame X aus Heft 02/2019

In der Mitte ihres Lebens wurde Madame X eine berühmte Komödiantin. Dabei war ihre Kindheit von Tragödien überschattet. Ein gewalttätiger Vater in psychiatrischer Obhut, eine Mutter, die sich das Leben genommen hatte, die Rückkehr der Dreijährigen aus Indien nach London - all das erfuhr Madame X im Alter von zwölf Jahren durch einen Zufall.

Eine liebevolle Tante, bei der das Mädchen aufwuchs, hatte sie vor dieser Entdeckung behüten wollen. Madame X brauchte lange, um die Geschichte zu verarbeiten. Länger als ein Jahr konnte sie nicht zur Schule gehen. In einem Internat mit dem düsteren Namen "Raven's Croft" gewann sie neuen Lebensmut, lernte Klavierspielen und das Rezitieren von Texten.

Nach dem Schulabschluss pflegte Madame X die erkrankte Tante, arbeitete als Klavierlehrerin und Sprecherzieherin. Ein kleines Erbe ermöglichte es ihr schließlich, Schauspielunterricht zu nehmen.

Bei ihrem ersten Auftritt in London war sie, inzwischen 33 Jahre alt, keine typische Debütantin. Aber wie sie später in einem Interview bekundete: Es ist niemals zu spät, um nach einer langen, dunklen Phase doch noch glücklich zu werden. Nachdem sie einmal auf der Theaterbühne gestanden hatte, ließ sich Madame X nicht mehr entmutigen.

Nach einer langen Reihe kleiner Rollen kam der Erfolg. Ohne dass sie je eine Prinzessin hätte sein dürfen, wurde Madame X als unerschrockene, etwas schrullige ältere Dame zu einem Publikumsliebling. In ihren Filmrollen beherrschte sie nicht nur das Golfspielen, sondern konnte auch von gewonnenen Meisterschaften im Fechten und Pistolenschießen berichten.

Die Verbrecherjagd bereitete ihr großes Vergnügen, und mit ihrem trockenen britischen Humor gewann sie den schwierigsten Situationen eine komische Seite ab. Im wirklichen Leben gewann sie auch einen exzentrischen Ehemann und einen Oscar als beste Nebendarstellerin. Queen Elizabeth fügte einen Orden des Britischen Empire hinzu. Die kleine traurige Madame X war endgültig zu einer glücklichen älteren Dame im Ritterstand geworden.

"Mein Erfolg kam spät", erklärte sie mit ihrem verschmitzten Lächeln, "aber - wenn ich so sagen darf - in recht sensationeller Art."

 

"Madame X" Auflösung

Gesucht ist die britische Film- und Theaterschauspielerin Dame Margaret Rutherford (*11.5. 1892 in London, †11.5.1972 in Chalfont St. Peter, Buckinghamshire), dem deutschen Publikum vor allem als "Miss Marple" bekannt. In vier Agatha-Christie-Verfilmungen spielte Margaret Rutherford die Amateurdetektivin, an ihrer Seite Ehemann Stringer Davis als Bibliothekar "Mr. Stringer".

Madame X aus Heft 01/2019

"Respect" - selten hat ein Lied so viele Menschen zutiefst berührt. Es hat die Welt vielleicht ein bisschen besser gemacht. Madame X legte ihre ganze Seele hinein. Und Soul, das Musikgenre, in dem sie ihre größten Erfolge feierte, bedeutet ohnehin "Seele".

Sie war das vierte Kind einer sehr religiösen und außerordentlich musikalischen Familie. Ihr Vater stand als Prediger einer Baptistengemeinde in den amerikanischen Südstaaten vor.

Die Mutter, eine Gospelsängerin und Pianistin, trennte sich von der Familie, als Madame X sechs Jahre alt war. Mit zwölf sang das begabte Mädchen ihr erstes Solo in der Kirche ihres Vaters. Im selben Jahr bekam sie ein Kind.

Auch bei der Geburt ihres zweiten Sohns war sie noch nicht erwachsen. Mit 18 verließ die junge Frau Detroit und ging nach New York, um ihr Glück zu suchen. Die beiden Kinder ließ sie in der Obhut einer liebevollen Großmutter zurück.

Zehn Alben nahm Madame X auf, bevor etwas Entscheidendes passierte: 1967 interpretierte die 25-jährige Sängerin ein Lied des Soul-Stars Otis Redding: Respect. Erst durch ihre Interpretation wurde eine Liebesklage zu einer politischen Forderung, zur Selbstermächtigung einer Frau, zum Protestsong einer schwarzen Frau - und zu einem weltweiten Hit.

Immer wieder unterstützte sie in den folgenden Jahren die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA mit ihrer Stimme. Zur Amtseinführung des ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama, sang sie 2009 vor zwei Millionen Menschen.

Privat war Madame X oft traurig, in sich zurückgezogen. Zwei Ehen scheiterten. Aber auf der Bühne, so beschrieb es ein Kritiker, verwandelte sie den Schmerz des Lebens in Schönheit. Wenn sie sang, war sie stark, sicher und frei. Wer ihre Musik hörte und selbst bedrückt war, schöpfte wieder Hoffnung.

Bis zu ihrem Tod blieb Madame X die Sängerin mit den weltweit meisten Auszeichnungen. 75 Millionen Tonträger mit ihrer Musik wurden weltweit verkauft. Im Genre der Soulmusik konnte Madame X Zeit ihres Lebens niemand das Wasser reichen. Sängerinnen, die ihre Töchter sein könnten, wie Adele und Beyoncé, wissen um die Messlatten, die Madame X so hoch gelegt hat. Eine bösartige Krankheit ließ sie nur 76 Jahre alt werden. Ihre Stimme und ihre Musik werden die Welt so schnell nicht verlassen.

 

"Madame X" Auflösung

Gesucht ist die US-amerikanische Soul-Sängerin, Songwriterin und Pianistin Aretha Louise Franklin (*25.03.1942 in Memphis, Tennessee, †16.08. 2018 in Detroit, Michigan). Ihr Hit "Respect" wurde zur Hymne der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und der amerikanischen Frauenbewegung.

 

 

 

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Stand: 02.07.2019