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Junia

Mme X & Ms Y

"Madame X", die bewährte alte Dame, die auf den Spuren verstorbener großer Frauen war, bekommt Zuwachs. Im neuen Junia-Magazin wird sie um eine lebende Person erweitert. Ab sofort heißt es: Mme X & Ms Y.  Beide können übrigens durchaus eine Gemeinsamkeit haben. 

Mme X & Ms Y aus Magazin 3/2024

Zu zeigen, wie Naturschutz ganz praktisch und umsetzbar wird, war für Mme X das Ziel ihres Wirkens. Heute überlegt Ms Y, wie aus Forderungen und Ideen für den Klimaschutz ganz praktisch nachhaltige Entwicklung werden kann. 

Mme X: Mit der Eule für Naturschutz

Mme X wurde am 12. November 1912 in Bollinken bei Stettin geboren. Die Tochter einer Köchin und eines Landwirts war zunächst Kindererzieherin und heiratete ein erstes Mal. Die Ehe brachte zwar zwei Kinder hervor, hielt aber nicht lange, sodass sie 1941 ein zweites Mal heiratete. Mit diesem Ehemann setzte sie sich bis zum Lebensende mit aller Kraft für den Naturschutz ein. Während sich Mme X zwischen 1946 und 1952 besonders im Kreisrat von Bad Freienwalde und bis 1962 im Kulturbund für den Naturschutz einsetzte, gründete ihr Mann die Zentrale Lehrstätte für Naturschutz. Bei ihr liefen jedoch die Fäden zusammen, denn sie führte in dem Zentrum nicht nur Schulungen durch, sondern kümmerte sich auch um die Korrespondenz ihres Mannes und redigierte und schrieb seine Veröffentlichungen. Sie veröffentlichte auch selbst und initiierte die ersten Windschutzbepflanzungen in Brandenburg nach dem Krieg. Im Zentrum ihres Schaffens stand aber zu jeder Zeit das sogenannte „Haus der Naturpflege“. Zunächst nur als selbstgebautes Heim für sich und die Kinder gedacht, wurde aus der Blockhütte in Bad Freienwalde im Laufe der Zeit ein Lernort für Naturschutz mit einem großen Nutz- und Schaugarten, Gästehäusern und Schulungen. Als die Aufmerksamkeit für das „Haus der Naturpflege“ wuchs, gab sie ihren Beruf auf und kümmerte sie sich ab 1968 zusammen mit ihrem Mann vollzeitlich um das gemeinsame Projekt. Das „Haus der Naturpflege“ war Anstoß für ein breites Netzwerk von Naturschützer*innen innerhalb und auch außerhalb der DDR, denn Mme X und ihr Mann glaubten, dass Naturschutz über Grenzen hinweg relevant und notwendig sei. Womit sich Mme X und ihr Mann bis heute auch über den Osten Deutschlands hinweg einen Namen machen, ist das Naturschutz-Zeichen. Um auf schützenswerte Naturdenkmäler hinzuweisen, bemalten sie Schilder mit einer Eule und verteilten sie. 1971 wurden diese Schilder gesetzlich zum Naturschutz-Schild der DDR ernannt. Nach der Wiedervereinigung wurde das Schild auch in großen Teilen Westdeutschlands übernommen. 1982 übertrug das Ehepaar aus Altersgründen das „Haus der Naturpflege“ der Stadt, wo es bis heute steht. 1993 erhielt Mme X den Europäischen Umweltpreis für „ihr diplomatisches Geschick, ihr kritisches Begleiten der Zeit, ihre Uneigennützigkeit“, wie es in der Laudatio hieß, und 1998 die Goldene Ehrennadel des NABU. Sie verstarb im Januar 2001 in Bad Freienwalde. (hali)

Ms Y: Für eine bessere Zukunft

„Ich kann mich bedrohlichen Situationen stellen, oder ich kann mir einreden, dass sie irgendwie weggehen werden, weil sich jemand darum kümmert“, sagte Ms Y im September 2022 über die Bedrohung durch den Klimawandel. Die am 27. Juni 1976 in Bielefeld geborene Transformationsforscherin, Politökonomin und Expertin für Nachhaltigkeitspolitik wuchs in einer ökologischen Hausgemeinschaft auf. Sie studierte zunächst Medienbetriebswirtschaft in Siegen und promovierte sechs Jahre später. Nachhaltige Entwicklung wurde bald zu einem zentralen Thema ihrer Arbeit. Heute ist sie an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft tätig, um diese Entwicklung zu fördern. 2019 war sie Mitbegründerin der Scientists For Future und wurde Professorin in Lüneburg. In den letzten Jahren setzt die zweifache Mutter außerdem auf Wissenschaftskommunikation, hat zweimal publiziert und erklärt, wie systemischer und politischer Klima- und Naturschutz aussehen könnte. Ihre Erfahrungen aus Karriere und ihrem Alltag fließen dabei in ihre Forschung mit ein. Nachdem Ms Y einige Zeit im World Future Council für eine gerechtere und nachhaltigere Welt gearbeitet hat, sagt sie: „Mit der Mutterrolle war diese global vernetzte Arbeit nicht sehr gut vereinbar, so dass ich diese Erfahrungen als Leiterin des Berlin Büros des Wuppertal Instituts in die Transformationsforschung eingebracht habe.“ Für das Einbringen solcher weiblichen Perspektiven in die Zukunftsforschung, aber auch ihre Arbeit für den Natur- und Klimaschutz wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Unter vielen anderen Preisen gewann sie 2021 den Theodor Heuss Preis und wurde 2022 zur Frauenringsfrau des Deutschen Frauenrings ernannt. (hali) 

Lösungen aus Ausgabe 2/2024

Mme X

Gesucht war Elisabeth von Österreich (* 24. Dezember 1837 in München; † 10. September 1898 in Genf). Kaiserin Elisabeth war eine ausgezeichnete und waghalsige Reiterin. Während einiger Aufenthalte in Ungarn entdeckte „Sisi“ den Geländeritt für sich und nahm 1874 in England an ihrer ersten Fuchsjagd teil. Von da an machte sich die Monarchin einen Namen bei Paforcejagden – sehr untypisch für eine Frau ihrer Zeit.

Ms Y

Die Gesuchte ist Isabell Werth (* 21. Juli 1969 in Issum). Die deutsche Dressurreiterin ist siebenfache Olympiasiegerin, neunfache Weltmeisterin, einundzwanzigfache Europameisterin sowie vierzehnfache Deutsche Meisterin. Sie ist damit weltweit die erfolgreichste Reiterin und Dressurreiterin. In Rheinberg (NRW) führt sie ihren eigenen Reitstall und bildet dort ihre Turnierpferde aus.

Mme X & Ms Y aus Magazin 2/2024

Wie das ganz persönliche Glück aussieht, bleibt jedem Menschen selbst überlassen. Der Spruch „Alles Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“ könnte aber sowohl für Mme X als auch Ms Y ein zutreffendes Lebensmotto sein. Beide sind in ihren Disziplinen die unangefochtene Nummer Eins ihrer Zeit, und sie verbindet die Liebe zum Reitsport.

Mme X: „Königin hinter der Meute“

 Nur ihre gehobene Stellung als eine der bedeutendsten Monarchinnen des 19. Jahrhunderts ermöglichte es ihr, dem Reitsport in einem solchen Umfang nachzugehen. Mme X wurde an Heiligabend 1837 in München geboren und wuchs im bayrischen Herzogenhaus mit vielen Geschwistern auf. Relativ spät, erst mit fünfzehn Jahren und in dem Jahr der Verlobung, die ihr Leben veränderte, nahm sie ihre ersten Reitstunden. Von Anfang an begeisterte sie der Sport. Diese Leidenschaft wird in einem Brief deutlich, den sie kurz nach ihrer dritten Reitstunde im April 1853 verfasste: „Obwohl ich erst drei Stunden gehabt habe, bin ich doch schon auf drei Pferde gekommen und darf von nun an auf der ,Lady’ reiten!“ Die Liebe zu den Pferden war auch die größte Gemeinsamkeit, die sie mit ihrem Ehemann teilte. Zur Verlobung sollen sie sich gegenseitig ein Portrait von sich zu Pferd geschenkt haben. Das Gemälde, das sie zeigt, wurde von zwei Künstlern gemalt, die mit der Familie befreundet waren. Ihr Ehemann hatte es Zeit seines Lebens in seinem Schlafzimmer hängen. Trotzdem war es lange unbekannt, bis es 2017 für 1,5 Millionen Euro versteigert wurde. Nach der Hochzeit trainierte Mme X zunächst an der Spanischen Hofreitschule, bis sie einige Jahre später während längerer Aufenthalte in Ungarn den Geländeritt für sich entdeckte. Auf einer Reise nach England ritt sie 1874 schließlich bei ihrer ersten englischen Fuchsjagd mit. Von nun an machte sich die Monarchin europaweit einen Namen bei sogenannten Parforcejagden in England, Irland und Ungarn. Dieser besonders gefährliche Reitsport war für Frauen sehr untypisch, aber Mme X ließ sich davon nicht beirren und ritt stets an vorderster Front. Ihr Begleiter bei allen Parforcejagden war Bay Middleton, der damals als erfolgreichster Jagdreiter bekannt war. Als er aufhörte zu reiten und bei Mme X gesundheitliche Probleme auftraten, stellte sie den Reitsport von einem auf den anderen Tag ein und verkaufte alle ihre Pferde. Stattdessen ging sie vermehrt Wandern und lernte Fechten. Die viele Bewegung an der frischen Luft – sei es der Reitsport oder das Wandern – ermöglichte es Mme X,aus der höfischen Realität zu fliehen, die ihr widerstrebte, und gab ihr ein Stück Freiheit zurück. Mme X starb am 10. September 1898 durch ein Attentat in Genf. (hali)

Ms Y: Auf dem Treppchen ganz oben

Ms Y ist eine Frau der Rekorde: Keine Frau hat jemals so viele Medaillen im Reitsport gewonnen wie sie. Die Bedingungen für diesen Erfolg sind optimal. Ms Y, die am 21. Juli 1969 am Niederrhein zur Welt kam, wuchs landwirtschaftlich auf und lernte in diesem Kontext früh reiten. Nach ihrem Jurastudium arbeitete sie ein paar Jahre als Rechtsanwältin, ließ aber dabei das Reiten nie aus den Augen. 1989 wurde sie in der Mannschaft das erste Mal Europameisterin, 1992 das erste Mal Olympia-Siegerin im Team. Ab diesem Punkt ging es für Ms Y nur noch nach oben. Bis heute ist sie siebenfache Olympiasiegerin, neunfache Weltmeisterin, 21-fache Europameisterin und 14-fache Deutsche Meisterin. Nachdem sie die ersten Jahre ihrer Karriere für fremde Ställe geritten ist, führt sie seit 2004 ihren eigenen Reitstall in Rheinberg und bildet dort ihre Turnierpferde selbst aus. Die Beziehung, die sie dadurch zu den Tieren aufbaut, ist ihr Ansporn für den Sport und die Wettkämpfe. „Das Pferd macht es aus. Das ist das, was mich jeden Tag in den Stall treibt, was meine Passion ist, was mein Spaß ist, was auch letztlich meine Faszination ist: Das ist das Pferd und die Beziehung zum Pferd“, sagt sie über das Reiten. Wenn Ms Y nicht selbst auf dem Pferd sitzt, trainiert sie junge Talente in der Nachwuchsförderung oder vertreibt als Unternehmerin ihre eigene Reitsport-Kollektion. Für den Erfolg zahlt Ms Y aber auch ihren Preis. „Ich hätte gern mehr Kinder und ein paar Medaillen weniger“, sagt sie rückblickend. Ihr Sohn, der 2009 geboren wurde, begleitet sie regelmäßig zu Turnieren. Allerdings gibt Ms Y auch zu: „In der Kindererziehung bin ich nicht so gut wie in der Pferdeerziehung.“ (hali)

 

Lösung aus Magazin 1/2024 

Mme X

Gesucht war Marianne Dirks (* 26. August 1913 in Freiburg im Breisgau; † 15. Oktober 1993 in Wittnau). Sie war von 1951 bis 1972 die erste Präsidentin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Während des Zweiten vatikanischen Konzils reiste sie immer wieder nach Rom, um die Forderungen katholischer Frauen einzubringen. Für ihr Engagement – auch im ZdK – erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Ms Y

Die Gesuchte ist Dorothea Sattler (* 9. Januar 1961 in Koblenz), katholische Theologin und Professorin für Dogmatik und Ökumenische Theologie. Deutschlandweit bekannt wurde sie als Leiterin des Synodalformums „Frauen in Diensten und Ämtern“ im Synodalen Weg und gilt als Expertin für die Frauenfrage in der Katholischen Kirche. 

Mme X und Ms Y aus Magazin 1/2024

Wenn es darum geht, kirchliche Reformen voranzutreiben, sind diese beiden Frauen zur Stelle. Sie verbindet ihr unermüdlicher Kampf für den ökumenischen Dialog und die Rolle der Frau in der katholischen Kirche. Dass Mme X und Ms Y als Frauen dabei häufig in der Unterzahl sind, kann sie nicht einschüchtern.

Mme X: Weibliche Stimme zwischen Bischöfen

Mme X vertrat die Stimme der Frau schon, als die Frauen- und Ämterfrage in der katholischen Kirche noch in Kinderschuhen steckte, und trieb dadurch weitere Forschung und Entwicklung an. Eigentlich war die am 26. August 1913 in Freiburg geborene Mme X Musiklehrerin, aber ehrenamtlich steckte sie viel Zeit in die religiöse Bildung von Frauen in ihrer Pfarrei. Sie war überzeugt davon, dass Bildungsarbeit die wichtigste Aufgabe von Frauengemeinschaften sei, weil Frauen eine geistige Eigenständigkeit und Verantwortung für den Heilsauftrag der Kirche hätten. Besonders hervorzuheben ist ihre Rolle im Zweiten Vatikanischen Konzil. Immer wieder reiste sie nach Rom, um mit direkten und indirekten Konzilsteilnehmern zu sprechen und die Forderungen katholischer Frauen einzubringen. Während sie zu Beginn des Konzils noch nicht mal die Konzilsmesse besuchen durfte, nahm sie 1965 als „Eingeladene“ an Generalkongregationen und den Schlussabstimmungen des Konzils teil. Von ihren Beobachtungen und Eindrücken in der Zeit berichtete sie in der Verbandszeitschrift des Zentralverbands der katholischen Frauen- und Müttergemeinschaften, dem sie seit 1951 vorsaß. Die Verbandsmitglieder antworteten in Leserbriefen, aus denen Mme X schließlich eine Eingabe formulierte und diese dem Berliner Kardinal Döpfner übergab. Er brachte auf diesem Weg die Forderungen der Frauen in die Beratungen des Zweiten Vatikanums ein. Als die Reformen des Konzils auf der Würzburger Synode in die Tat umgesetzt werden sollten, durfte Mme X natürlich nicht fehlen, sodass sie auch hier als eine der wenigen Frauen in den theologischen Diskussionen mitmischte. Besonders wichtig war ihr der Dialog zwischen traditionellen und kritisch denkenden Katholik*innen und zwischen Klerikern und Laien. Darüber hinaus kämpfte sie für die Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zu Sakramenten und die Ökumene. Rückblickend sagt sie über ihre Zeit als Präsidentin des größten katholischen Frauenverbandes in Deutschland: „Um den Aufbruch zu Wachheit und Müdigkeit in breiten Schichten von Frauen […] ging es mir in den über 20 Jahren meiner Tätigkeit.“ Diese Tätigkeit wurde 1973 mit dem Bundesverdienstkreuz honoriert. Nach ihrer Amtszeit als Vizepräsidentin des ZdK von 1968 bis 1972 und mehreren Veröffentlichungen unter anderem mit Karl Rahner zusammen, verstarb sie am 15. Oktober 1993 in Wittnau. (hali)

Ms Y: Für Frauen mit Ausdauer und Expertise

Bischof Kohlgraf sagte in einem gemeinsamen Interview mit „Christ & Welt“ über Ms Y, dass er sie sich als Bischöfin „ganz hervorragend vorstellen“ könnte. Ob sie ein solches Amt tatsächlich ausführen würde, bleibt offen, aber die theologische Kompetenz hätte die Professorin für Dogmatik und Ökumene allemal. 1961 in Koblenz geboren, studierte sie zunächst Katholische Theologie und Romanistik in Freiburg und Mainz. 1992 wurde sie zum Thema Buße im ökumenischen Gespräch in Mainz promoviert und vier Jahre später im Bereich der Erlösungslehre habilitiert. Es folgten Professuren an unterschiedlichen Standorten, bis Ms Y schließlich an der Universität Münster blieb. Es gibt kaum ein Gremium, in dem Ms Y kein Mitglied ist. Mit Ausdauer, Geduld und Expertise bewährt sie sich dort immer wieder in den häufig sehr männerdominierten Versammlungen wie etwa der Ökumene-Kommission der Bischofskonferenz, in der sie lange Mitglied war. Deutschlandweit bekannt wurde sie als Leiterin des Synodalforums „Frauen in Diensten und Ämtern“ im Synodalen Weg. Als Expertin für die Frauenfrage in der katholischen Kirche schrieb sie dort an den Handlungstexten mit und zeichnete sich durch kluge und konstruktive Beiträge aus, immer darauf bedacht, die Gegenseite verstehen zu wollen. Gleichzeitig scheut sie aber nicht deutliche Worte. So erklärte sie 2018 nach einer Verlautbarung des Präfekten der Glaubenskongregation zum Thema Frauenpriestertum in einem Interview: „In früheren lehramtlichen Schreiben war die Argumentation durchaus differenzierter.“ Und weiter: „Aus meiner theologischen Sicht orientiert sich die göttliche Verfassung der Kirche jedoch nicht an dem Geschlecht ihrer Amtsträger.“ (hali)

Mme X & Ms Y

Heft 06 | 2023

Mme X

Gesucht war Luise Hensel (* 30. März 1798 in Linum, Mark Brandenburg; † 18. Dezember 1876 in Paderborn). Sie schrieb das Gedicht „Müde bin ich, geh zur Ruh“. Die evangelische Pfarrerstochter konvertierte zum Katholizismus und machte das karikative Engagement zu ihrer Lebensaufgabe. Sie arbeitete als Lehrerin und ehrenamtlich als Krankenschwester. So bildete sie das Zentrum der aufkeimenden Caritasbewegung.

Ms Y

Die Gesuchte ist Julia Engelmann
(* 13. Mai 1992 in Elmshorn), Poetry-Slammerin, Dichterin und Sängerin. Sie trifft mit ihren Texten über Freundschaft, Verletzlichkeit und Achtsamkeit den Nerv der Zeit. Ihre Gedichtbände sind Bestseller. Auch als Schauspielerin steht Julia Engelmann inzwischen vor der Kamera, außerdem setzt sie sich für mentale Gesundheit ein.

Mme X und Ms Y aus Magazin 6/2023

Gedichte als Ausdrucksform für Gefühle und Gedanken berühren Menschen seit Hunderten von Jahren und tun es bis heute. Mme X und Ms Y haben für diese Textform schon als junge Frauen ein ganz besonderes Gefühl. Doch sie verbindet nicht nur die Dichtung, sondern auch ihr Einsatz für die Hilfsbedürftigen der Gesellschaft.

Mme X: Die vergessene Dichterin

„Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu“ – im Gegensatz zu seiner Dichterin ist dieses Kindergebet den meisten wohl bekannt. Dabei hat Mme X einiges vorzuweisen: 1798 als evangelische Pfarrerstochter in Brandenburg geboren, wuchs sie behütet auf und genoss nach dem frühen Tod ihres Vaters im Jahr 1809 eine für damalige Verhältnisse umfangreiche Schulausbildung in Berlin. So wie auch ihr berühmtes „Abendlied“, entstanden die meisten ihrer Gedichte in ihrer Jugendzeit, in der sie auch bedeutende Dichter wie Clemens Brentano kennenlernte. Er unterstützte Mme X später bei der Veröffentlichung ihrer Gedichte. Für eine Frau im 19. Jahrhundert führte sie ein ungewöhnliches Leben: 1818 konvertierte sie zum Katholizismus und empfing zwei Jahre später die Jungfrauenweihe mit dem eigentlichen Ziel, in einen Orden einzutreten. Aus diesem Traum wurde aber nichts, da Mme X immer wieder Familienmitglieder pflegte. Sie arbeitete als Gesellschafterin, Lehrerin und Erzieherin in unterschiedlichen Städten und schlug sich auf diese Weise als alleinstehende Frau durch. Von diesem Punkt an stand nicht mehr das Dichten im Fokus ihrer Interessen, sondern weitreichendes karitatives Engagement. „Wenn ich irgendeinem Menschen dienen kann, so versteht sich’s ja, dass ich es gern tue, denn dem Herrn und meinem Nächsten gehören ja meine geringen Kräfte“, soll sie gesagt haben. Als Lehrerin beeindruckte und inspirierte sie viele Schülerinnen mit ihrer tiefen Religiosität und karitativen Arbeit. So arbeitete sie zum Beispiel ehrenamtlich als Krankenschwester in einem Bürgerhospital und bereitete es zusammen mit zwei Freundinnen für die Übernahme durch die Barmherzigen Schwestern im darauffolgenden Jahr vor. Klaus Hohmann schreibt in seiner Biographie über Mme X, dass sie in diesem Prozess eine wichtige initiatorische Rolle bei der Entwicklung der modernen Krankenpflege eingenommen und aus der heruntergekommenen Einrichtung ein fachgerechtes Krankenhaus gemacht habe. Dadurch bildete sie schnell das Zentrum des aufkeimenden katholischen Vereinswesens und der Caritasbewegung. Nach vielen Jahren des Wechsels lebte sie schließlich 20 Jahre im münsterländischen Wiedenbrück, bevor sie sich mit 73 Jahren gichtgeplagt und mit einer kaputten Hüfte in die Pflege von ihrer guten Freundin Pauline von Mallinckrodt nach Paderborn begab und dort am 18. Dezember 1876 verstarb. (hali)

Ms Y: Multitalent

Als ihr Text eines Poetry-Slams, einem Dichterwettstreit, auf YouTube 2014 über Nacht berühmt wurde, änderte sich im Leben der damals 22-jährigen Psychologiestudentin alles. Bis heute wurde das Video vom fünften Hörsaal-Slam der Universität Bielefeld über 14,5 Millionen Mal angeklickt. Seitdem ist die junge Dichterin von der Bühne nicht mehr wegzudenken. Die 1992 in Elmshorn geborene Ms Y trifft mit ihren Texten über Freundschaft, Verletzlichkeit und Achtsamkeit den Nerv der Zeit. Ihre sechs Gedichtbände wurden innerhalb weniger Tage zu Spiegel-Bestsellern, und ihre kurzen, in Handschrift abgebildeten Verse werden auf Instagram tausendfach geteilt. Dabei folgt Ms Y immer der inneren Haltung, „nicht partout sofort alle Antworten finden zu wollen, sondern die Fragen zu leben. Dann lebt man eines Tages von ganz allein in die Antworten hinein“. Kurz nach ihrem kometenhaften Aufstieg veröffentlichte sie mit „Poesiealbum“ ihr erstes Musikalbum, das sich ebenfalls durch ausdrucksstarke Texte auszeichnet. Wenn sie nicht gerade auf Tour ist, als Schauspielerin vor der Kamera steht, Podcasts und Hörbücher aufnimmt oder Texte schreibt, setzt sie sich für mentale Gesundheit ein. „Mentales Wohlbefinden hat aus meiner Erfahrung einen riesigen Einfluss darauf, wie ich mein ganzes Leben, meinen Alltag, mich selbst wahrnehme“, sagte sie im Sommer in einem Interview. Um andere Menschen darin zu unterstützen, dieses Wohlbefinden wieder herstellen zu können, gibt sie Schreib-Workshops in der Bremer Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Für mich heißt schreiben nie, sofort ein Gedicht zu schreiben. Es geht vielmehr darum, sich den Raum zu geben, um einmal zu schauen, was so in einem herumschwirrt.“ (hali)

Mme X & Ms Y aus Heft 05 | 2023

Mme X

Gesucht war Elisabet Boehm (* 27. September 1859 in Rastenburg als Elisabet Steppuhn; † 30. Mai 1943 in Halle (Saale). Sie gilt als Begründerin der deutschen Landfrauenbewegung. Sie gründete 1898 den ersten „Landwirtschaftlichen Hausfrauenverein“ der Welt, um Frauen auf ihre Verantwortung in Haushalt und Landwirtschaft vorzubereiten. Ihre Idee existiert in Form des Deutschen Landfrauenverbandes bis heute fort.

Ms Y

Die Gesuchte ist die Moderatorin und Autorin Judith Rakers (* 6. Januar 1976 in Paderborn). Als Sprecherin der 20-Uhr-Tagesschau ist sie bundesweit bekannt. Sie lebt fernab der Großstadt auf dem Land und versorgt sich dort weitestgehend selbst. Wie das funktionieren kann, berichtet Rakers in ihren Büchern und auf ihrem Instagram-Kanal.

Mme X & Ms Y aus Magazin 5/2023

Mme X und Ms Y Mme X und Ms haben die Liebe für das Landleben gemeinsam. Mme X ist es zu verdanken, dass Generationen von jungen Frauen besser auf das Leben als Landfrau vorbereitet wurden. Und Ms Y zeigt uns heute, wie Selbstversorgung funktionieren kann.

Mme X: Starke Stimme der Frauen

Zwar war Mme X selbst als Kind eines Gutpächters in Ostpreußen aufgewachsen (geboren wurde sie 1859) – doch als sie mit 21 Jahren heiratete und Gutsherrin auf einem heruntergekommenen Betrieb wurde, den ihr Mann mühsam zum Erfolg führte, erkannte sie: Ihre bürgerliche Allgemeinbildung reichte nicht für all die Aufgaben, die sie als Chefin einer Landwirtschaft zu bewältigen hatte. Verarbeitung, Veredlung und Vermarktung der eigenen Produkte – das war rund um die Jahrhundertwende ein Wirtschaftsfeld, das oft den Gutsfrauen oblag. Viel Verantwortung, ohne richtig darauf vorbereitet worden zu sein – schnell suchte Mme X nach Frauen in ähnlicher Lage, um sich auszutauschen. Das war die Initialzündung für den ersten „Landwirtschaftlichen Hausfrauenverein“ der Welt, der sich um Mme X am 2. Februar 1898 in Rastenburg gründete. Gemeinsam wurde sich in kleinen Runden fortgebildet; der Verein machte es sich zur Aufgabe, auf dem Land tätige Frauen zu bilden und zu fördern, Verkaufsstellen in den Städten einzurichten, in denen die von den Frauen produzierten Lebensmittel wie Früchte, Gemüse oder Eier angeboten wurden. Die Verkaufserlöse bedeuteten ein wichtiges Zusatzeinkommen. Die gute Idee fand schnell Nachahmerinnen: In ganz Deutschland wurden Landwirtschaftliche Hausfrauenvereine gegründet. Im Ersten Weltkrieg fanden sich die Vereine zum „Reichsverband L.H.V.“ unter dem Vorsitz von Mme X zusammen. Die Landfrauenorganisation förderte die Ausbildung junger Frauen als Vorbereitung auf ihre Aufgaben als Verantwortliche für Haushalt und Hauswirtschaft, sie beriet Frauen auf dem Land, setzte sich für die Verbreitung der Imkerei, des Gartenbaus, der Geflügelzucht ein. Es wurden Schulen für Landfrauen gegründet, mit denen ein systematischer Aufbau des ländlich-hauswirtschaftlichen Ausbildungswesens verbunden war. Mme X ist es zu verdanken, dass die Landfrauen Wahlrecht in den Landwirtschaftskammern erhielten und dass dort Abteilungen für ländliche Hauswirtschaft unter weiblicher Leitung eingerichtet wurden, ebenso wie ein Frauenreferat im Landwirtschaftsministerium. Mme X sah ihre Verbandsarbeit immer als Teil der damaligen Frauenbewegung. Sie starb am 30. Mai 1943. Ihre Idee existiert in Form des Deutschen Landfrauenverbandes bis heute fort. Auf ihrem Grabstein befindet sich die Inschrift: „Ihr Leben waren Arbeit und Liebe, Erfolg und Glück.“ (debo)

Ms Y: Vom Fernsehen aufs Land

„Guten Abend, meine Damen und Herren.“ Pünktlich um 20 Uhr ist Ms Y für die Zuschauer da. Als Sprecherin der Tagesschau ist sie bundesweit bekannt. Doch nach vielen Jahren im schillernden Medien-Universum mit roten Teppichen und großen Events – so moderierte Ms Y auch den Eurovision Songcontest 2011 aus Düsseldorf – entschied sie: Das kann nicht alles sein! Schon immer habe sie es genossen, Zeit in der Natur zu verbringen. Jedoch habe sie „inmitten von Beton und Häuserfronten, mit Autolärm, vielen Menschen, Stress und Hektik“ gelebt. Irgendwann habe sie sich die Frage gestellt, ob sie das richtige Leben lebe. „Und die Antwort war Nein“, so Ms Y. Und so krempelte die passionierte Reiterin ihr Leben um, zog um aufs Land, versorgt sich dort weitestgehend selbst. Ms Y, die am 6. Januar 1976 geboren wurde und bei ihrem Vater in Bad Lippspringe (NRW) aufwuchs, lebt deshalb heute vor den Toren Hamburgs, „weit ab vom Schuss“, ihr Wasser kommt aus dem Brunnen, sie züchtet Gemüse im Garten, hält Hühner. Auf ihrem Instagram-Kanal nimmt sie ihre Follower*innen mit aufs Land und hat Bücher zum Thema Homefarming geschrieben, um anderen Menschen auf dem Weg zur Selbstversorgung mit Tipps und Tricks zur Seite zu stehen. Das Landleben, Tiere, morgens im Pyjama zum Pferd gehen – das sei ihr Lebenstraum gewesen, so Ms Y. Diesen habe sie „konsequent und allein durchgezogen“. In ihrem Leben hätten ihr viele Menschen von diesem Schritt abgeraten. Sie habe viel gelesen, ausprobiert und sich durchgekämpft. Zum Landleben von Ms Y zählen Katzen, ein Maulwurf, eine ganze Hühnerschar, ihr Pferd Sazou, ein Gewächshaus, ein Komposthaufen. Ihr neues Leben sei ihr heute „lieber als ein roter Teppich“. (debo)

Mme X & Ms Y Heft 04 | 2023

Mme X: Gesucht war Ruth Bader Ginsburg
(* 15. März 1933 in Brooklyn, New York City; † 18. September 2020 in Washington, D.C.). 1956 begann RBG, wie viele sie heute nennen, ihr Jurastudium an der Eliteuniversität Harvard. Sie wurde eine der ersten Jura-Professorinnen in den USA. 1993 ernannte Präsident Bill Clinton sie zur Richterin am Supreme Court, die zweite Frau überhaupt am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten.

Ms Y: Die Gesuchte ist Schauspielerin Emma Watson
(* 15. April 1990 in Paris). Durch ihre Rolle der Hermine Granger in den Harry-Potter-Filmen wurde sie weltberühmt. Ihre Popularität setzt sie für Mädchen- und Frauenrechte weltweit ein, seit 2014 ist sie UN-Sonderbotschafterin für Mädchen- und Frauenrechte. Einer ihrer Schwerpunkte: gleiche Bildungschancen für Mädchen und Jungen.

Mme X & Ms Y aus Ausgabe 4/2023

Mme X und Ms Y waren und sind starke Frauen – die in ihren ganz unterschiedlichen Berufen und Berufungen für starke Mädchen und Frauen sowie ihre Rechte kämpf(t)en.

Mme X: Starke Stimme der Frauen

Mme X gilt als eine der wichtigsten US-Frauenrechtlerinnen und war eine Ikone im Kampf um Gleichberechtigung – dabei schien es als 1933 geborene Frau eigentlich undenkbar, dass sie einmal die dienstälteste Richterin am amerikanischen Supreme Court sein würde. Aufgewachsen in ärmeren Verhältnissen als Tochter einer jüdischen Einwandererfamilie, strebte sie eine juristische Karriere an. Wie selten das für eine Frau in dieser Zeit war, zeigt ihr Jahrgang an der Harvard Law School: Mme X war eine von nur neun Frauen, die restlichen über 500 Kommilitonen waren allesamt männlich. Während des Studiums kümmerte sie sich um ihre kleine Tochter und ihren an Krebs erkrankten Mann, war der Frauenfeindlichkeit ihrer Professoren und Kommilitonen ausgesetzt und stach dennoch mit Bestnoten hervor. Doch trotz dieser herausragenden Leistungen wollte keine renommierte Anwaltskanzlei Mme X einstellen. „Eine Jüdin, eine Frau und eine Mutter – das war ein bisschen zu viel“, so Mme X über diese Zeit. 1959 bekam sie eine Stelle bei einem US-Bezirksgericht in New York, es folgten Professuren – etwa als erste Inhaberin eines Lehrstuhls an der Columbia Universität – und die Beschäftigung mit dem Problemfeld der Geschlechterdiskriminierung. Mme X hatte einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Gleichstellung. Dafür kämpfte sie in ihrer persönlichen Laufbahn, später als Anwältin stellvertretend für alle Frauen. Es machte sie zu einer feministischen Ikone.

Sie begann die Bürgerrechtsbewegung ACLU rechtlich zu vertreten, die für diskriminierte Minderheiten eintrat, und führte mehrere Fälle bis vor den Supreme Court – 1993 wurde sie selbst Richterin auf Lebenszeit an diesem obersten Gericht der USA. Dort wurde sie zur Hoffnungsträgerin für Frauen, Eingewanderte, Minderheiten und die LGBTQ-Community. Zeitweilig war Mme X die einzige Frau am neunköpfigen Supreme Court und kämpfte umso verbissener gegen Ungleichbehandlung. Als im Jahr 2007 die Klage einer Frau wegen Diskriminierung am Arbeitsplatz aus Formgründen abgewiesen wurde, war ihr Widerspruch so immens, dass daraufhin die Gleichbezahlung von Frauen und Männern im Gesetz verankert wurde. Mme X erkrankte mehrfach schwer an Krebs. Im Jahr 2020, mit 87 Jahren, starb sie. Ihr Spitzname übrigens war „Notorious RBG“, also „berüchtigte RBG“. (debo)

Ms Y: Zauberhafter Kinderstar

Natürlich denkt man zuerst an die superschlaue Hexe, wenn man ihren Namen hört: Schließlich wurde Ms Y als Darstellerin der besten Freundin des wohl bekanntesten Zauberlehrlings aller Zeiten weltberühmt. 2001 war das, und dass Ms Y für diese Rolle besetzt wurde, verdankt sie auch im wahren Leben ihrem Ehrgeiz: Geboren wurde die Britin am 15. April 1990 in Paris, später zog sie mit ihrer Mutter zurück nach Oxford. Wie auch ihre berühmteste Rolle überzeugte sie in der Schule mit hervorragenden Leistungen. Bereits mit sechs Jahren soll sie den Berufswunsch Schauspielerin geäußert und daraufhin mit Schauspiel-, Gesangs- und Tanzunterricht begonnen haben.

Seit 2014 ist Ms Y auch UN-Sonderbotschafterin für Mädchen- und Frauenrechte. „Wenn nicht ich, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann?“, fragte sie in ihrer UN-Rede das Auditorium. Einer ihrer Schwerpunkte: gleiche Bildungschancen für Mädchen und Jungen. Ein anderer: gleiche Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer. Feminismus, so die Schauspielerin, bedeute Freiheit für alle. Um das zu erreichen gründete sie gemeinsam mit der UN-Organisation „UN Women“ das Projekt „HeForShe“. Wie der Name schon verrät, geht es darum, dass auch Männer sich für Feminismus stark machen. Die Gleichberechtigung der Geschlechter sei eines der wichtigsten Themen der Zeit – wenn nicht sogar das wichtigste. „Wir haben alle feminine und männliche Energien in uns, um ehrlich zu sein“, so Ms Y. Beide Kräfte müssten gleich zur Geltung kommen und respektiert werden. „Wir müssen zusammenarbeiten, um die Welt weiter am Laufen zu halten.“

Mittlerweile setzt Ms Y sich auch für Arbeitsschutz und fairen Handel vor allem in der Bekleidungsindustrie ein. Vor einem Fotoshooting für die „Vogue“ checkte sie beispielsweise den ökologischen Fußabdruck aller verwendeten Kleidungsstücke. (debo)

Mme X & Ms Y Heft 03 | 2023

Mme X

Gesucht war Barbara Rütting (* 21. November 1927 als Waltraut Irmgard Goltz in Berlin; † 28. März 2020 in Marktheidenfeld). Die Schauspielerin startete nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Karriere in Berlin und feierte schnell Erfolge in Filmen wie auf der Bühne, unter anderem in dem Heimatfilm „Die Geierwally“. In den 80er-Jahren engagierte sie sich zunehmend klimapolitisch und pazifistisch.

Ms Y

Christine Neubauer (* 24. Juni 1962 in München) ist eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen unserer Zeit. Sie wollte die Rolle der Geierwally trotz unzähliger Erfolge in Film- und Fernsehen unbedingt einmal verkörpern, so dass sie 2005 eine Neuverfilmung vorschlug. Heute lebt Christine Neubauer auf Mallorca und kommt vor allem für Theaterengagements zurück in die Heimat.

Mme X & Ms Y aus Ausgabe 3/2023

Sie waren vor allem nach Kriegsende in den 50er-Jahren erfolgreich: Heimatfilme. Unberührte und idyllische Landschaften wie Almwiesen, Täler und Berghänge dienten vielen Menschen nach dem Krieg als Projektions- und Imaginationsfläche. Mme X und Ms Y spielten beide die Titelrolle in einem der deutschen Heimatfilm-Klassiker schlechthin: die eine im Jahr 1956, die andere im Jahr 2005.

Mme X: Von der Bühne in die Politik

Eigentlich wollte sie Ärztin werden – doch dann kam alles ganz anders für Mme X. Am 21. November 1927 wurde sie in Wietstock in der Mark Brandenburg als ältestes von fünf Kindern einer Lehrerfamilie geboren. Sie besuchte ein Lyzeum in Berlin und Luckenwalde. Doch kurz vor Kriegsende flüchtete sie nach Dänemark, wo sie sich als Dienstmädchen durchschlug. Ohne Abitur war jedoch ihr Traum, Ärztin zu werden, geplatzt. 1951 kehrte Mme X – nun mit neuem Vornamen, der alte, Waltraud, klang ihr zu germanisch – in die Heimat zurück, genauer: nach Berlin. Dort begann sie, als Schauspielerin zu arbeiten und feierte schnell Erfolge. So erhielt sie für den Trümmerfilm „Die Spur führt nach Berlin“ den Bundesfilmpreis für die beste schauspielerische Leistung des Jahres. 1956 spielte Mme X die Titelrolle in einem der Heimatfilme der 1950er-Jahre, benannt nach einem großen Greifvogel. Ihre Vielseitigkeit beweist sie, indem sie ab 1956 auch auf den deutschen Theaterbühnen spielt: Marie in Georg Büchners „Woyzeck“, Henrik Ibsens „Hedda Gabler“ und August Strindbergs „Fräulein Julie“ sowie Martha in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ von Edward Albee. Bei der Berliner CCC-Filmgesellschaft unter Vertrag, stand sie neben Ruth Leuwerik und Maria Schell in den Fünfzigerjahren für ein Rollenbild der Frau, die sich behutsam in Richtung weiblicher Selbstbehauptung zu wandeln begann. Seit den 1970er-Jahren trat Mme X auch immer wieder als Autorin in Erscheinung. Sie schrieb einerseits Romane, aber auch Kochbücher, Ratgeber und autobiografische Bücher. Nach unzähligen Film-, Fernseh- und Theater-Rollen beendete Mme X im Jahr 1984 ihre Schauspielkarriere und konzentrierte sich auf ihre anderen Leidenschaften: ein ökobewusstes Leben und die Friedensbewegung. Als überzeugte Pazifistin demonstrierte sie gegen die Stationierung von Pershing-2-Raketen, machte sich gegen Tierversuche stark, ließ sich in Naturheilkunde ausbilden und entwickelte sogar ein eigenes Vollwertbrot mit ihrem Namen. Sie galt als eine der Wegbereiterinnen der ve-getarischen Ernährung in Deutschland. Mme X wurde außerdem Mitglied bei den Grünen; noch im Alter von 75 Jahren zog sie 2003 in den Bayerischen Landtag ein und wurde Alterspräsidentin. Auf ihr großes Engagement angesprochen antwortete sie stets: „Weil es getan werden muss.“ Mme X starb am 28. März 2020 im Alter von 92 Jahren in Marktheidenfeld in Bayern. (debo)

Ms Y: Traumrolle im Heimatfilm

Es war eine Rolle, die sie trotz unzähliger Erfolge als Film- und Fernsehschauspielerin unbedingt einmal verkörpern wollte: die Titelrolle in der Verfilmung des Romans von Wilhelmine von Hillern, so wie es auch schon Mme X vor ihr getan hatte. Und so war die erneute Verfilmung auch die Idee von Ms Y: „Das ist eine Frauenfigur, die mich schon als Kind in der Verfilmung mit Heidemarie Hatheyer von 1940 fasziniert und seitdem nie mehr ganz losgelassen hat“, sagte sie über den Film. „Und wenn man dann selbst Schauspielerin wird, hat man manche Figuren, die immer wieder den eigenen Weg kreuzen. Und nachdem ich mich von meinen Anfängen beim Heimatfilm über die Jahre hinweg sehr weit entfernt habe, bin ich sehr gerne wieder dorthin zurückgekehrt.“ Tatsächlich sammelte Ms Y, die am 24. Juni 1962 als Tochter eines Buchdruckerehepaars in München geboren wurde, erste schau-spielerische Erfahrungen am Münchner Volkstheater, ihr Durchbruch gelang ihr 1987 mit der Münchner Fernsehserie „Löwengrube“. 1992 erhielt sie für ihre Verkörperung der Traudl Grandauer in dieser Serie den Adolf-Grimme-Preis. In der Folge spielte Ms Y in diversen Serien mit, etwa in „Ein Bayer auf Rügen“, München 7 oder von 2005 bis 2013 die Landärztin Johanna Lohmann in der gleichnamigen ARD-Fernsehreihe. Mit Filmen wie „Moppel-Ich“, „Krambambuli“, „Die Holzbaronin“, „Hannas Entscheidung“ oder „Helden –  Wenn Dein Land Dich braucht“ wurde sie zu einer der bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands, deren Privatleben infolgedessen auch gerne in diversen Klatschzeitschriften erörtert wurde. Heute lebt Ms Y auf Mallorca, malt und kommt vor allem für Theaterengagements zurück nach Deutschland. (debo)

Lösung Ausgabe 2/2023

Mme X
Gesucht war Agnes Karll (* 25. März1868 in Embsen; † 12. Februar 1927 in Berlin). Sie ist die Gründerin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) und gilt als die „deutsche Florence Nightingale“. Sie verfolgte vehement ihr großes Ziel, die Pflege zu einem professionellen Beruf weiterzuentwickeln und so den Status der Krankenschwestern zu verbessern.

Ms Y
Carola Holzner (* 20. Juli 1982 in Mülheim an der Ruhr) ist aus dem Fernsehen und den Sozialen Medien vor allem als „Doc Caro“ bekannt. Sie ist Fachärztin für Anästhesie, Intensivmedizin und Akut- und Notfallmedizin, aber vor allem passionierte Notärztin – ob in der Notaufnahme, im Rettungsdienst am Boden oder in der Luft.

Mme X & Ms Y aus Ausgabe 1/2023

Mme X & Ms Y

Jetzt wird’s jeck: Mme X und Ms Y stammen aus den Karnevalshochburgen Köln und Mainz und haben dort jahrzehntelang für musikalische Unterhaltung auf den Sitzungs-Bühnen gesorgt. 

Mme X: Kein Jahr ohne Mottolied

Sie heißen „Karneval in Colonia“, „Fastelovend un d’r Dom“ oder „Mir all sin Kölle“ – ganz klar, aus welcher Stadt Mme X stammt: 1938 wurde sie in Köln-Nippes geboren, und Musik spielte schon in ihrer Kindheit eine große Rolle. „Mit sechs Jahren war ich im Kinderchor. Ich konnte besser singen als lesen und schreiben. Da-mals haben wir so selbstverständlich gesungen wie die Kinder heute Computer spielen. Es gab ja nichts anderes nach dem Krieg. Wir mussten sogar Briketts zur Chorprobe mitbringen, um nicht zu frieren.“ Mit dem Kinderchor betrat sie auch zum ersten Mal die Karnevalsbühne: Als 13-Jährige sang Mme X den heutigen Evergreen “M’r fiere Fastelovend”. Auch trat sie als Rednerin der Bütt auf. „Die dichterische Ader habe ich von meinem Vater.“ Doch professionell widmete sich Mme X dem Gesang erst nach 1968. Sie machte zu-nächst eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau, heiratete und bekam eine Tochter. 1968 erschien dann ihre erste Single „Däumer doch de Naache“. Mme X textete, komponierte und sang in den folgenden Jahrzehnten über 160 Karnevalslieder. Kultstatus erlangte Mme X – deren knallrote Haare immer ihr Markenzeichen waren – in Köln vor allem dadurch, dass sie seit 1977 jedes Jahr einen Song zum jeweiligen Sessionsmotto schrieb, das Mottolied. Durch einen Trick gelang es ihr, sich über Jahrzehnte gegen andere Musiker durchzusetzen: In dem Moment, in dem das Motto verkündet wurde, begann sie zu texten und zu komponieren. Schon am nächsten Tag reichte sie das Lied ein und sang es der Presse (am Telefon!) vor. So wurde sie zur unangefochtenen kölschen „Motto Queen“, war außerdem über Jahre eine der wenigen Frauen in der Männerdomäne Karneval. Ihr eigener Mann dagegen überließ ihr die Bühne, agierte als ihre „rechte Hand“ und Manager. Mme X war außerdem eine der ersten Künstlerinnen und Künstler Kölns, die sich zur Schwulen-Szene bekannten und dort regelmäßig auftrat. Für viele damals noch reaktionäre Karnevalisten ein Skandal. Außerdem engagierte sich Mme X auch ehrenamtlich. Sie war im Beirat der Aidshilfe, sammelte für den Förderverein für Demenzkranke und für krebskranke Kinder. Nach einem Hirnschlag im Jahr 2013 beendete Mme X ihre Karriere. Ihre letzten Jahre verbrachte die Künstlerin in einer Seniorenresidenz. Ausgerechnet an Karneval starb Mme X mit 81 Jahren im Jahr 2020. (debo)

Ms Y: Am Rosenmontag geboren – fast

Einige Kilometer weiter südlich von Köln findet sich eine andere deutsche Karnevalshochburg – Mainz, in der Fastnacht gefeiert wird. Und auch auf den Bühnen der hessischen Landeshauptstadt gab es über Jahre nur eine Frau, die zwischen all den Männern Erfolge feiern konnte. Mit dem Song „Am Rosenmontag bin ich geboren“ wurde sie bundesweit berühmt – auch wenn das streng-genommen nicht stimmt. Denn als Ms Y am 7. Februar 1943 in Frankfurt am Main geboren wurde, fiel der Rosenmontag auf den 8. März. Als 16-Jäh-rige trat Ms Y, die Akkordeon- und Klavierspielen lernte und außerdem eine Gesangsausbildung er-hielt, erstmals in der Mainzer Fastnacht auf, 1964 stand sie zum ersten Mal auf der großen Bühne von „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ und wurde so einem großen Publikum bekannt. Ms Ys Auftritte in den 1960er-Jahren brachen zu-gleich mit einer Männerdomäne in der Mainzer Fastnacht, denn sie war die erste Solistin auf der Bühne. 2010 wurde sie außerdem Sitzungspräsidentin, auch das bis dahin eher ein Job für Männer im Karneval. Ms Y ist auch als Schauspielerin bekannt und war immer wieder auf Theaterbühnen zu sehen. So trat sie zum Beispiel in volkstümlichen Stücken am Volkstheater Frankfurt auf und spielte auch die Miss Sophie in der Fernseh-aufzeichnung der hessischen Version von Dinner for One. Ms Y wurde für ihre Verdienste um die Fastnacht und ihr ehrenamtliches Engagement – sie trat regelmäßig in Krankenhäusern und Seniorenheimen auf – mit dem Bundesverdienst-kreuz geehrt. Seit ihrem 75. Geburtstag im Jahr 2018 ist sie zudem Ehrenbürgerin von Mainz. Im Februar 2020 gab Ms Y bekannt, dass sie nicht mehr als aktive Fastnachterin auftreten wird. Sie gilt heute als „lebende Mainzer Legende“, ist für alle Mainzer Narren eine Art Familienmitglied und wird liebevoll „es Margittsche“ genannt. 

Mme X & Ms Y 

Heft 06 | 2022

Mme X

Gesucht war Cosima Wagner (*24. Dezember 1837 in Bellagio am Comer See; † 1. April 1930 in Bayreuth). Gemeinsam mit ihrem Mann Richard Wagner entwickelte sie die Bayreuther Festspiele und leitete diese von 1883 bis 1908 allein. Cosima Wagner agierte auf dem Grünen Hügel als mächtige Gralshüterin, nichts durfte an den Inszenierungen ihres Mannes verändert werden.

Ms Y

Die Gesuchte ist Katharina Wagner (*21. Mai 1978 in Bayreuth), Leiterin der Bayreuther Festspiele. Sie ist die Urenkelin von Richard und Cosima Wagner. Sie hat Theaterwissenschaften studiert und ab 2001 in der Festspielleitung assistiert. Seit 2015 leitet sie die Festspiele allein.

Mme X & Ms Y aus Magazin 6/2022

Mme X & Ms Y

Die eine führt weiter, was die andere begonnen hat: Mme X und Ms Y gehören beide zu einer Familie mit einem großen Namen. Und beide zeigen: Ohne die Frauen wären die Familie und ihr musikalisches Erbe nicht dort, wo sie heute sind.

Mme X: Von der Geliebten zur mächtigen Gralshüterin

Mme X ist ein Christkind: Am 24. Dezember 1837 wird sie am Comer See als uneheliche Tochter eines berühmten Komponisten und einer Gräfin geboren. Zunächst wird Mme X von der Großmutter erzogen, dann aber schicken die Eltern sie zur Erziehung nach Paris, anschließend ins Haus einer Freifrau nach Berlin. Dort lernt Mme X den Sohn des Hauses kennen, der einer der begabtesten Schüler ihres Vaters ist und als Pianist wie als Dirigent arbeitet. Auch Mme X ist musikalisch hochbegabt, dazu redegewandt. „Sie ist ein geniales Mädchen, ganz ähnlich ihrem Vater. In ihr ist sowohl Güte als auch Größe“, sagt ihre Mutter über sie. Im Jahr 1857 heiratet Mme X besagten Schüler ihres Vaters und bekommt mit ihm zwei Töchter. Schon als junges Mädchen – und später immer wieder gemeinsam mit ihrem Mann – trifft sie einen 24 Jahre älteren Komponisten, der sie mehr und mehr fasziniert. Im Sommer 1864 schließlich ist die Liebe so groß, dass die beiden ein Verhältnis beginnen. Mme X wird schwanger von ihrem Geliebten. 1867 schließlich verlässt sie ihren Mann, zieht zum Geliebten, bekommt mit ihm noch zwei weitere Kinder, später heiraten sie. In den folgenden Jahren er-schaffen die beiden die bis heute berühmtesten deutschen Festspiele, die 1876 auf dem „Grünen Hügel“ in Bayreuth Premiere feiern. Mme X gibt zudem wichtige musikalische Impulse zu den Werken ihres Mannes. Als dieser 1883 stirbt, übernimmt Mme X mit 46 Jahren die Leitung der Festspiele. Sie führt ein harsches Regiment, agiert als mächtige Gralshüterin: Nichts darf an den Inszenierungen des Meisters verändert werden, kein Ton, kein Ausdruck. Kritikern begegnet Mme X mit Antisemitismus. Sie seien unfähig, minderwertig und „vom jüdischen Kunstgeist“ verdorben. Insgesamt beginnt sie in Bayreuth eine antijüdische Politik durchzusetzen.

Auch innerhalb der Familie ist Mme X eisern: Als ihre erste Tochter mit dem berühmten Komponisten um Anerken-nung als dessen Kind ringt, bleibt die Mutter hart: Sie sei in der Ehe mit ihrem ersten Mann geboren. Eine außereheliche Affäre? Habe es nie gegeben! Nichts bleibt der Tochter vom ansehnlichen Erbe, vom Ruhm des leiblichen Vaters. 1908 übergibt Mme X die Leitung der Festspiele, die sie zu einer international anerkannten Marke etablieren konnte, an ihren Sohn Siegfried. Herrin über den Grünen Hügel bleibt sie bis zu ihrem Tod am 1. April 1930. (debo)

Ms Y: Ständiger Kampf um Anerkennung 

Es ist nicht leicht mit diesem Namen, die „Tochter von“ zu sein. Beziehungsweise: „die Urenkelin von“. Ganz besonders, wenn man sich beruflich – wie irgendwie alle aus dieser Familie – in der Welt der klassischen Musik, der Festspiele bewegt. Ms Y wurde am 21. Mai 1978 in – natürlich – Bayreuth geboren. Sie ist die Urenkelin der Festspielgründer, Urenkelin von Mme X. Ms Y wächst als Einzelkind auf, bei ihrer Geburt ist ihr Vater bereits 58 Jahre alt, ihre Halbschwester 33 Jahre älter als sie selbst. Vor anderen Kindern hält sie möglichst geheim, aus welcher Familie sie stammt: „Wenn mich andere früher fragten, was mein Vater beruflich macht, sagte ich immer: Er leitet einen Betrieb. Das stimmte auch, aber es war kein normaler Betrieb“, so Ms Y in einem Interview. Sie wächst mit den Opern ihres Urgroßvaters auf, steht manchmal selbst als Kinder-Statistin auf der Bühne oder sitzt im Zuschauerraum. „Mein Vater hat mich aber nie gezwungen, bis zum Schluss zu bleiben. Ihm war es wichtig, dass ich die Opern meiner Vorfahren kennenlerne.“ Ms Y studiert Theaterwissenschaft in Berlin und arbeitet als Regieassistentin an der Berliner Staatsoper sowie bei den Bayreuther Festspielen. Ab 2001 assistiert sie ihrem Vater auch im Bereich der Festspielleitung, sucht und verpflichtet neue Regisseure wie etwa Christoph Schlingensief. Unter alldem schwelt die Debatte um die Nachfolge ihres Vaters. Schließlich erklärt sich dieser bereit, zugunsten seiner beiden Töchter – Ms Y und ihrer Halbschwester – zurückzutreten. Daraufhin reichen beide Frauen, die sich zuvor noch nie begegnet waren, im Jahr 2008 eine gemeinsame Be-werbung ein, die auch angenommen wird. Seit 2015 leitet Ms Y die Festspiele allein. (debo)

Mme X & Ms Y Heft 05/2022

Mme X

Gesucht war die Tierfilmerin und Naturschützerin Joan Root (*25. März 1936 in Nairobi; † 14. Januar 2006 in Naivasha, Kenia). Gemeinsam mit ihrem Mann drehte sie spektakuläre Aufnahmen in Afrika, kümmerte sich um kranke Tiere und engagierte sich für Naturschutzprojekte. Im Jahr 2006 wurde sie unter ungeklär-ten Umständen auf ihrem Anwesen in Kenia ermordet.

Ms Y

Die Gesuchte ist Stefanie Lang, Direktorin des Legacy Landscapes Fund. Stefanie Lang engagiert sich seit 25 Jahren an verschiedenen Stellen für den internationalen Naturschutz und gegen das Artensterben. Der Legacy Landscapes Fund finanziert Schutzgebiete dort, wo die Artenvielfalt groß und die Mittel begrenzt sind.

Mme X & Ms Y aus Magazin 5/2022

Mme X & Ms Y

Von der Tierfilmerin zur Artenschützerin: Mme X musste schon in den 80er-Jahren miterleben, wie wichtige Naturreservate mutwillig zerstört wurden. Ms Y kämpft heute für die Artenvielfalt, die sich massiv verschlechtert: Im Schnitt stirbt alle elf Minuten eine Art aus, mehr als 100 am Tag. 

Mme X: Legendäre Filme aus Afrika

Ihr Leben widmete sie dem Tierfilm und dem Naturschutz – und es war so faszinierend und tragisch, dass es bald selbst in Hollywood verfilmt werden soll. Mme X, am 18. Januar 1936 in Nairobi als Tochter britischer Einwanderer geboren, fühlte sich eigentlich nur an einem Ort der Welt wirklich zu Hause: im afrikanischen Busch. Mit ihrem Mann teilte sie nicht nur die Leidenschaft für die dortige Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch die fürs Filmemachen. Gemeinsam drehten sie mehr als 40 Filme über Afrikas Tierwelt, viele davon preisgekrönt. Auf der Suche nach spektakulären Bildern durchquerten Mme X und ihr Mann weite Teile Afrikas mit ihrer einmotorigen Cessna oder einem Amphibienfahrzeug und flogen als erste im Heißluftballon über den Kilimandscharo. Für ihre Filme ließen sich die beiden auch gerne mal stechen, beißen oder mit Gift bespucken – wenn es gute Bilder versprach. Mme X und ihr Mann waren es auch, die die US-Zoologin Dian Fossey 1963 durch die Virungaberge zu den Gorillas führten. Mme X‘ Glück zerbrach, als sich ihr Mann in eine andere Frau verliebte und sie verließ. Mme X, die Zeit ihres Lebens extrem schüchtern und introvertiert war, blieb auf dem großzügigen Anwesen am Naivasha-See in Kenia, wo sie Dutzende kranke Tiere um sich sammelte. Nach der Trennung engagierte sie sich für Naturschutzprojekte rund um den See: Dort waren riesige Export-Rosenplantagen entstanden, für diese wurde Wasser aus dem See gepumpt, gleichzeitig die Natur mit Pestiziden vergiftet. Auch fischten die Arbeiter der Rosenplantagen den See nahezu leer, um das eigene Überleben zu sichern. Mme X versuchte, den See und die Arten, die in ihm und von ihm lebten, zu retten – bis sie am 13. Januar 2006, kurz vor ihrem 70. Geburtstag, nachts in ihrem Haus überfallen und erschossen wurde. Es gab viele Verdächtige und Motive, denn Mme X‘ Naturschutz-Engagement war vielen am See ein Dorn im Auge. Doch bis heute ist der Mord an ihr nicht aufgeklärt. „Man kann entweder Verantwortung übernehmen oder sich als Opfer der Welt fühlen. Diese Entscheidung bestimmt, wessen Macht anwächst – deine oder die von jemand anderem“, schrieb Mme X in ihr Notizbuch. Ihr Ex-Mann kehrte am Tag ihres Todes nach Naivasha zurück. Er begrub ihre Asche an einer Stelle mit Blick auf den See und pflanzte auf das Grab einen Feigenbaum.
(debo)

Ms Y: Kampf  gegen das Artensterben

Seit 25 Jahren engagiert sich Ms Y international im Naturschutz. Dabei hat sie Station in Ländern wie Jordanien, Äthiopien, Tansania, Laos, Myanmar, aber auch in Lettland, Russland und Belgien gemacht. Mehrere Jahre war sie Leiterin Naturschutz Asien beim WWF Deutschland. Durch ihre lange internationale Erfahrung hat Ms Y oft vor Ort gesehen, dass der Schwund an Biodiversität dramatische Ausmaße angenommen hat und die Lage sehr ernst ist. „Wir verlieren Arten in atemberaubender Geschwindigkeit, so schnell und so dramatisch wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte“, sagte Ms Y in einem Interview. „Im Schnitt stirbt alle elf Minuten eine Art aus, mehr als 100 am Tag.“ Dies seien nicht nur große Säugetiere wie Eisbären, Tiger oder Primaten, sondern auch Moose, Baumarten, Vögel und Insekten. Die beiden letztgenannten seien wichtige Bestäuber und damit für die Welternährung unerlässlich. „Der Erhalt der Artenvielfalt ist also zu einer Überlebensfrage der Menschheit geworden. Deshalb müssen wir eine Trendwende einleiten.“ Dafür kämpft Ms Y, die an der Uni Köln in den 90er-Jahren Sozialanthropologie studiert hat, seit 2021 als Direktorin des Legacy Landscapes Fund (LLF). Dieser Naturerbe-Fonds finanziert Schutzgebiete dort, wo die Artenvielfalt groß und die Mittel begrenzt sind, und kann dadurch wertvolle Biodiversität erhalten. Heißt: Der Fonds unterstützt Schutzgebiete finanziell auf lange Zeit, damit sie ihrer Aufgabe gerecht werden können, den dramatischen Verlust an Biodiversität zu stoppen. „Es steht mittlerweile außer Zweifel, dass wir als Menschheit nur eine Zukunft haben, wenn wir aufhören, auf Kosten der Natur zu wirtschaften“, sagt Ms Y.
(debo) 

Mme X & Ms Y  Heft 04 | 2022

Mme X

Gesucht war Eleanor Roosevelt (*11. Oktober 1884 in New York City; † 7. November 1962 ebenda). Sie war die Ehefrau des 32. US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und vom 4. März 1933 bis zum 12. April 1945 die First Lady der Vereinigten Staaten. Sie gehörte zu den Verfasserinnen und Verfassern der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Jahr 1948 und war UN-Botschafterin der USA.

Ms Y

Die Gesuchte ist die Menschenrechtsanwältin Amal Clooney, geborene Alamuddin (3. Februar 1978 in Beirut, Libanon). Die Juristin ist als Beraterin für die Vereinten Nationen tätig und setzt sich gegen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen weltweit ein. Seit 2014 ist sie mit dem Schauspieler George Clooney verheiratet.

Mme X & Ms Y aus Magazin 4/2022

Zwei starke Frauen, die man nicht als „Ehefrau von“ abstempeln sollte: Mme X gehörte zu den Verfassern der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, Ms Y streitet heute für deren Einhaltung.

Mme X: First Lady der Menschenrechte

Nicht hübsch genug, zu wenig anmutig: Weil sie dem Schönheitsideal ihrer Mutter nicht entsprach, bekam Mme X, die 1884 in New York geboren wurde, nur wenig Liebe geschenkt. Der Vater war alkoholabhängig, mit zehn Jahren war Mme X Vollwaise. Nun war es die strenge Großmutter, die sich ihrer Erziehung annahm und die sie auch in die Gesellschaft einführte. Dort lernte Mme X einen entfernten Cousin kennen, den sie nach einigen familiären Streitigkeiten im Jahr 1905 heiratete. In den kommenden zehn Jahren gebar Mme X sechs Kinder und musste sich der dominanten Schwiegermutter unterordnen, während ihr Mann politische Karriere machte. Als er sie mit seiner Sekretärin betrog, bot sie ihm die Scheidung an. Mit Rücksicht auf die Kinder und seine Ambitionen auf das US-Präsidentenamt entschieden beide aber, freundschaftlich verbunden zu bleiben. Mme X nahm ihr Leben nun erstmals selbst in die Hand und profilierte sich zur führenden Frauenfigur der Demokratischen Partei im Staat New York. Als ihr Mann an Kinderlähmung erkrankte, wurde sie zu seinen Beinen, Ohren und Augen. Im Jahr 1933 war es schließlich so weit: Mme X wurde First Lady. Eine ihrer ersten Amtshandlungen: Sie führte eine wöchentliche Pressekonferenz ein, zu der nur Reporterinnen zugelassen waren. So waren die Zeitungen gezwungen, Frauen einzustellen. Mme X kämpfte für die Rechte der Schwarzen und der Frauen ebenso wie für die Aufnahme der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland. Als ihr Mann kurz vor Kriegsende, am 12. April 1945, starb, sagte Mme X: „Die Geschichte ist vorbei“. Doch das war keineswegs der Fall: Denn Mme X wurde Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen und gehörte zu den Verfassern der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Als diese am 10. Dezember 1948 angenommen wurde, verkündete Mme X um drei Uhr früh, dass die Menschenrechtserklärung „für Millionen von Menschen Hilfe, Wegweiser und Inspiration sein würde.“ Mme X starb am 7. November 1962 im Alter von 78 Jahren. (debo)

Ms Y: Kämpferin für die Menschlichkeit 

„Die Ukraine ist ein Schlachthaus im Herzen Europas“ – mit diesen eindringlichen Worten wandte sich Ms Y kürzlich an die Vereinten Nationen. Die Menschenrechtsanwältin klagte an, dass noch immer Kriegsverbrechen in der Welt ignoriert würden. „Meine Befürchtung ist, dass Sie sich abwenden werden“, sagte sie an die Adresse der internationalen Vertreter, und „dass die Ukraine am Ende allein die Urheber dieser Gräueltaten verfolgen wird“. Der Kampf für diejenigen, denen Unrecht widerfährt, ist, was Ms Y antreibt. So vertrat sie auch Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad, eine Jesidin, die vom IS verschleppt und vergewaltigt und deren Familie ermordet wurde. Das Fachgebiet der Juristin für Internationales Recht: Die Verteidigung von Individuen gegenüber Staaten. Ms Y gilt als eine der angesehensten Juristinnen weltweit, arbeitete am Internationalen Gerichtshof in Den Haag, im Büro des Chefanklägers beim Sondertribunal für den Libanon und beim Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. Ms Y ist heute sowohl für eine Londoner Kanzlei sowie als Beraterin für Regierungen und die Vereinten Nationen tätig. Ms Y wurde 1978 in Beirut geboren, verließ aber mit ihrer Familie während des libanesischen Bürgerkrieges das Land und zog nach London. Sie studierte unter anderem in Oxford und New York und spricht fließend Arabisch, Englisch und Französisch. Zu internationaler Bekanntheit abseits der Gerichtssäle gelangte sie im Jahr 2014 durch die Hochzeit mit einem der bis dahin begehrtesten Junggesellen der Welt, einem amerikanischen Schauspieler, dessen Nachnamen sie auch annahm. Im Juni 2017 bekam das Paar Zwillinge. Seitdem wird Ms Y als Stil-Ikone gefeiert und ist regelmäßig auch auf dem Roten Teppich zu sehen. (debo)

Mme X & Ms Y aus Magazin 3/2022

Im 19. Jahrhundert quer über die Kontinente: Mme X war ganz schön reiselustig. Über ihre Reisen schrieb sie Bücher und machte unzählige Fotos. Auch Ms Y liefert heute beeindruckende Bilder von vielen Orten der Erde – jedoch über den Fernseher.

Mme X: Im Rock um die ganze Welt

Es war im Jahr 1836, als Mme X, im Alter von 39 Jahren, das erste Mal das Meer sah. Und wie sie so in Triest am Ufer stand und auf das türkisblaue Wasser schaute, löste dies in ihr „eine kaum zu bewältigende Reiselust“ aus, wie sie selbst diesen Moment beschrieb. Und dieser Lust gab Mme X in vollen Zügen nach: 1842 reiste sie zunächst nach Palästina, Syrien und Ägypten. 1845 folgten Skandinavien und Island. Dann ging es auf Weltreise: 1846 startete sie aus ihrer österreichischen Heimat über Rio ums Kap Horn nach Chile, Tahiti, Hongkong, Ceylon, Persien, Athen. Drei Jahre später führten ihre Reisen Mme X nach London, Südafrika, Borneo, Kalifornien, Ecuador, New York. Durchaus ungewöhnlich für eine Frau zu dieser Zeit, reiste Mme X allein und oft auch zu Fuß, gekleidet in einen knöchellangen Rock. Sie hatte nur so viel Gepäck dabei, wie sie selbst tragen konnte, und scheute keine Strapazen, keine Gefahr. Besonderes Aufsehen erregte ihr eineinhalbjähriger Aufenthalt auf den indonesischen Inseln, wo sie viele Gebiete als erste Europäerin betrat. Die Freiheit, allein auf Reisen zu gehen, hatte 
Mme X, die 1797 in Wien geboren wurde, weil sie nach einer unglücklichen arrangierten Ehe von ihrem Mann getrennt lebte und aufgrund einer Erbschaft. Sie lernte für ihre Reisen Englisch und Fotografie und schrieb 13 Bücher, die in sieben Sprachen übersetzt wurden. Die Erlöse gaben ihr die Freiheit, immer neue Reisen zu planen. Kritisch blickte Mme X auf die europäischen Kolonien, sie teilte gern das einfache Leben der Einheimischen. Schließlich fehlte Mme X nur noch ein Kontinent: Australien. Auf der Reise dorthin gelangte sie nach Madagaskar, wo sie in politische Tumulte verwickelt wurde und schwer erkrankte. Sie musste umkehren („Ich brachte nichts mit mir zurück als eine gänzlich zerstörte Gesundheit“) und starb 1858 in ihrer Heimatstadt Wien. Ihren letzten Reisebericht gab posthum ihr Sohn Oscar heraus. (debo)

Ms Y: Vom Schwarzwald in die Südsee

Sie ist auf Vulkane geklettert, auf Kamelen geritten, war im Dschungel genauso wie an der Mecklenburgischen Seenplatte: Ms Y reist – und nimmt dabei Millionen Menschen vor dem Fernseher mit. In 70 Ländern auf der ganzen Welt war Ms Y schon für den WDR, als „Traumberuf“ bezeichnet sie ihren Job: „Ich liebe es, mich auf Neues einzulassen. In Welten einzutauchen, die ich vorher nicht kannte.“ Und dafür springt Ms Y auch schon mal von Brücken oder aus Flugzeugen. Sie wandert, klettert, taucht, fährt Fahrrad – in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und der Welt. 

Geboren wurde Ms Y 1974 in Freiburg, bis heute lebt sie mit Mann und ihren beiden Kindern im Schwarzwald. „Am Reisen mag ich das Ankommen genauso wie das Aufbrechen. Nach Hause kommen, dahin, wo die Familie ist, die Freunde, das Vertraute – das ist das Schönste.“ Eigentlich studierte Ms Y Anglistik und Geschichte, um Lehrerin zu werden. Auch während des Studiums zog es sie schon in die Welt: Ms Y war Gaststudentin in den USA, in der Ukraine und in Indien. 1995 gelang Ms Y der Einstieg ins Fernsehen, seit 2004 reist sie für den WDR um die Welt. Ihre schönsten Reisegeschichten kann man übrigens auch nachlesen, jüngst erschien ihr neues Buch „Und dann kommt das Meer in Sicht“. Gefragt nach ihrem Lieblingsreiseziel sagte Ms Y übrigens einmal, dass sie vor allem Südtirol sehr fasziniere, „weil es meiner eigenen Heimat mit den Bergen in Kombination mit dem mediterranen Flair sehr nahe kommt“. (debo)

Mme X & Ms Y aus Magazin 2/2022

Am 27. März werden in diesem Jahr in Los Angeles die wichtigsten Filmpreise der Welt verliehen: die Oscars. Erstmals wurden sie im Jahr 1929 vergeben. Die verstorbene Mme X und die quicklebendige Ms Y gehören zu den erfolgreichsten Preisträgerinnen aller Zeiten.

Mme X: Keine Hollywood-Diva
Sie kümmerte sich nicht um Mode, lief – lange bevor es für Frauen üblich war – in Hosen und Pullis herum – und benahm sich auch sonst nicht so, wie man es von einem Star der klassischen Hollywood-Ära erwartete: Mme X ließ sich nie in Rollenmuster zwängen, hielt ihre Meinung nicht zurück und wurde gefeiert für ihr Talent, unkonventionelle Frauenfiguren darzustellen. Dieses Talent brachte ihr zwischen 1933 und 1981 vier Oscars als beste Hauptdarstellerin ein – damit hält sie einen Rekord, den bisher keine andere Schauspielerin brechen konnte. Mme X wurde am 12. Mai 1907 als Tochter einer Frauenrechtlerin und eines Arztes in Connecticut geboren. Nach einer Zeit am Theater und am Broadway in den 1920er-Jahren wechselte sie nach Hollywood: Für „Morgenrot des Ruhms“ erhielt sie 1933 ihren ersten Oscar. Dass ihre Karriere sich über 60 Jahre hinziehen sollte, damals nicht klar: Nach dem anfänglichen Erfolg floppten die Filme von Mme X. Bald schon galt sie als „Kassengift“. Im Jahr 1940 gelang Mme X ein selbst initiiertes fulminantes Comeback: Sie hatte sich die Rechte an dem Broadway-Stück „Die Nacht vor der Hochzeit“ gesichert und ließ es 1940 fürs Kino umsetzen – mit sich selbst in der Hauptrolle. 1942 verliebte sich Mme X bei Dreharbeiten in einen verheirateten Kollegen, er wurde die Liebe ihres Lebens. Sie heirateten nie, weil er sich nicht scheiden lassen wollte, neun Filme drehten sie zusammen. Ihren letzten gemeinsamen Film, „Rat mal, wer zum Essen kommt“, für den Mme X 1967 den zweiten Oscar bekam, sah sie sich nie wieder an.

Ein Jahr später direkt die nächste Auszeichnung, der dritte Oscar für „Der Löwe im Winter“. 1981 folgt schließlich der vierte Goldjunge für das Familiendrama „Am goldenen See“. Mit ihrer Vielseitigkeit, mit Witz und ungebremster Vitalität war Mme X auch im höheren Alter eine der profiliertesten Darstellerinnen Hollywoods. Der Dramatiker Tennessee Williams sagte über sie: „Mme X lässt einen Dialog besser klingen, als er ist.“ Als Mme X am 29. Juni 2003 im Alter von 96 Jahren starb, gingen am Broadway für einige Minuten die Lichter aus. (debo)

Ms Y: Nicht Filmstar, sondern Schauspielerin
Sie ist Mme X dicht auf den Fersen, was die Oscars angeht: Schon drei der goldenen Trophäen konnte Ms Y als beste Hauptdarstellerin gewinnen, einen vierten gewann sie als Produzentin für den besten Film. Auch sonst sind sich die beiden Frauen ähnlich: Wie Mme X begann Ms Y ihre Karriere am Theater. Und auch Ms Y ist trotz ihres großen Erfolges bodenständig und unprätentiös geblieben: „Ich bin eine Charakterschauspielerin, ganz einfach. Filmstars haben Karrieren, Schauspieler arbeiten.“ Geboren wurde Ms Y am 23. Juni 1957 in Chicago. Sie wuchs als Adoptivkind auf, studierte Schauspiel in Yale. Anschließend lebte sie in einer Wohngemeinschaft, die ihr Leben und ihre Karriere entscheidend prägte: Denn dort lebte sie mit den Coen-Brüdern Joel und Ethan, die später Regie-Legenden werden sollten. Mit Joel Coen ist Ms Y seit 1984 verheiratet. Und es war der erste Film der Coen-Brüder, der auch für Ms Y den Durchbruch bedeutete. Auch ihren ersten Oscar erhielt sie 1997 für die Rolle in einem Coen-Film: „Fargo“. Nach zahlreichen weiteren Nominierungen und Auszeichnungen bekam Ms Y ihren zweiten Oscar 2018 für „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Bei der Preisverleihung im vergangen Jahr wurde sie zum dritten Mal ausgezeichnet, für ihre Rolle und als Produzentin für „Nomadland“.

Ms Y und Joel Coen leben heute in New York City. Als Adoptivkind hat Ms Y auch selbst ein Kind adoptiert, 1994 nahmen sie und ihr Mann einen Jungen aus Paraguay bei sich auf. (debo)

Auflösung Ausgabe 1/2022: Mme X: Katherine Hepburn, Ms Y: Frances McDormand

Mme X & Ms Y aus Magazin 01/2022

Ms Y folgt Mme X in ein Amt, in dem es erst drei Frauen gab. Doch während Mme X 
längst keine Unbekannte auf dem politischen Parkett war, muss Ms Y erst in der breiten Öffentlichkeit bekannt werden.

Mme X: Populärste Frau des Landes
„Ich habe mich in der Fraktion selber vorgeschlagen. Glauben Sie, man hätte mich sonst genommen?“ So beschrieb Mme X selbstbewusst ihren Weg ins zweithöchste Amt der deutschen Demokratie. Denn: Sie war die erste Frau in dieser Position, von 1972 bis 1976. Und das gefiel zunächst nicht jedem: Im Bundestag war ihr Aufstieg umstritten. Auch Volk und Medien mussten sich an die Frau im Amt erst gewöhnen. Die Frankfurter Allgemeine kommentierte 1972 noch ziemlich machohaft: „Mme X hat den unschätzbaren Vorteil, dass sie gut aussieht. Aber eine Kapazität, was das Geschäft der Repräsentanz des Parlaments und der Handhabe der Geschäftsordnung angeht, kann Mme X kaum sein.“ Ein Irrtum. Mit großem politischen Geschick leitete sie die Geschäfte und genoss höchstes Ansehen, laut Umfragen war sie die populärste Frau des Landes. 

Mme X wurde am 7. Oktober 1919 als fünftes Kind ihrer Eltern in Leipzig in eine sozialdemokratisch geprägte Familie hineingeboren. Das führte im Dritten Reich zu Problemen, der Vater kam in Haft, sie selbst durfte nicht weiter das Lyzeum besuchen, machte eine Lehre im Verlagswesen. Im Krieg verlor sie ihren Mann, mit dem sie gerade sechs Jahre verheiratet war und einen kleinen Sohn hatte. Nach dem Krieg begeisterte Mme X der Gedanke, die Demokratie neu aufzubauen: Sie war so angetan von den Worten des SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher, dass sie mal wieder die Sache selbst in die Hand nahm und ihm ihre Mitarbeit andiente. Sie wurde seine engste Vertraute, Büroleiterin und Haushälterin. Nach Schumachers Tod zog Mme X 1953 als SPD-Abgeordnete in den Bundestag ein. Bis 1990 wird sie ihm ununterbrochen angehören – 37 Jahre lang. In zahlreichen Organisationen setzte sie sich für die Gleichbehandlung von Mann und Frau und für die Lösung des Nahostkonflikts ein. Am 3. März 2008 starb Mme X im Alter von 88 Jahren. (debo)

Ms Y: Ruhrpottkind an der Spitze
Vielen war ihr Name bis vor Kurzem nicht bekannt. Nach Mme X und der CDU-Politikerin Rita Süssmuth ist Ms Y erst die dritte Frau im zweithöchsten Amt der Bundesrepublik. Dabei liegen zwischen ihrer Wahl im Oktober 2021 und dem Amtsantritt von Mme X immerhin fast 50 Jahre! „Die Verantwortung ist lange noch nicht gerecht auf alle Schultern verteilt“, sagte Ms Y dann auch nach ihrer Wahl.

Von unten an die Spitze – dieser Weg ist Ms Y gut bekannt: Sie wurde am 3. Mai 1968 in Duisburg geboren, sie hat fünf Geschwister. Gemeinsam spielten sie am liebsten Fußball. Nach dem Abschluss der Hauptschule fand Ms Y keinen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf: Technische Zeichnerin. Stattdessen lernte sie Schweißen an einer technischen Berufsfachschule. Als auf 80 Bewerbungen weiterhin nur Absagen kamen, schwenkte sie um: Bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft arbeitete sie sich von der Bürogehilfin und Sachbearbeiterin über Aus- und Fortbildungen einschließlich Fachstudium zur Sozialversicherungsangestellten, Krankenkassenbetriebswirtin und Personalmanagerin hoch, bis Ms Y zuletzt Abteilungsleiterin einer Betriebskrankenkasse war. 

Und auch das politische Engagement lernte Ms Y an der Basis, als Kommunalpolitikerin. Schon in der Ausbildung sprach sie für die Azubis, mit 20 Jahren trat sie in die SPD ein und schloss sich den Jusos an. Ihr politisches Herzensthema: Gesundheitspolitik, insbesondere die Pflege. Seit 2009 sitzt Ms Y im Bundestag. (debo)

Auflösung Mme X und Ms Y Ausgabe 06/2021: Mme X: Annemarie Renger, Ms Y: Bärbel Bas 


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