Junia

Mme X & Mrs. Y

"Madame X", die bewährte alte Dame, die auf den Spuren verstorbener großer Frauen war, bekommt Zuwachs. Im neuen Junia-Magazin wird sie um eine lebende Person erweitert. Ab sofort heißt es: Mme X & Mrs. Y.  Beide können übrigens durchaus eine Gemeinsamkeit haben. 

Mme X & Mrs. Y aus Magazin 3/2021

Beiden liegt die Gesundheit der Menschen am Herzen, und beide haben sich in einem männerdominierten Umfeld durchgesetzt. Während aber für Mrs. Y der Zugang zu ihrem Beruf selbstverständlich war, musste Mme X lange kämpfen - und gar Friedrich den Großen um Erlaubnis bitten.

Mme X: Vorreiterin für Akademikerinnen

Sie war ein zartes Kind, kränklich - doch dass in ihr ein starker Geist steckte, entdeckte ihr Vater früh und förderte seine Tochter. Der Arzt und Stadtphysikus von Quedlinburg unterrichtete Mme X, die im Jahr 1715 geboren wurde, in Naturwissenschaften, theoretischer und auch praktischer Medizin, sie erhielt Lateinunterricht. Ab ihrem 16. Lebensjahr begleitete sie den Vater zu seinen Patienten.

Mme X' größter Wunsch war ein Studium - doch das konnte sie in der damaligen Zeit nur in Begleitung ihres Bruders absolvieren. Als dieser zum Militär einberufen wurde, blieb ihr der Zutritt zur Universität versperrt. Doch Mme X gab nicht auf: Sie schrieb mit ihrem Vater einen Brief an den König, an Friedrich den Großen höchstselbst. Und sie veröffentlichte eine Schrift, in der es hieß: "Die Verachtung der Gelehrsamkeit zeigt sich besonders darin, dass das weibliche Geschlecht vom Studieren abgehalten wird."

Tatsächlich wies der König im Jahr 1741 die Universität Halle an, Mme X zur Promotion zuzulassen. Doch da diese in der Zwischenzeit einen verwitweten Diakon mit fünf Kinder geheiratet hatte, nahm sie das königliche Privileg - vorerst - nicht wahr.

Das änderte sich im Jahr 1753. Mme X war inzwischen 39, hatte selbst vier Kinder bekommen - und die väterliche Praxis übernommen. Weil sie von männlichen Kollegen wegen der fehlenden universitären Ausbildung nicht länger als Dilettantin abgestempelt werden wollte, reichte sie ihre Dissertation ein, und am 12. Juni 1754 wurde sie feierlich zum "Doktor der Arzeneygelahrtheit" erklärt.

Mme X starb im Jahr 1762 als hoch angesehene Bürgerin Quedlinburgs. Erst im Jahr 1899 werden Frauen im Deutschen Reich offiziell zu den Staatsprüfungen der Medizin zugelassen.

 

Mrs. Y: Erste an der Spitze

Für Mrs. Y, die 1965 geboren wurde, war der Zugang zum Medizinstudium mit sehr viel weniger Hürden gepflastert als für Mme X. Ein hervorragendes Abitur an einem Duisburger Gymnasium - aber weder brüderliche Begleitung noch königliche Erlaubnis waren 1984 vonnöten, um an der Universität Münster Medizin zu studieren.

Nach ihrer Approbation 1991 arbeitete sie in verschiedenen Abteilungen der Kliniken Osnabrück und erhielt 1999 die Anerkennung als Fachärztin für Innere Medizin. Die Hygiene in Krankenhäusern machte Mrs. Y, die zwei Kinder hat und mit einem Mediziner verheiratet ist, zu ihrem Thema: Nach einer entsprechenden Weiterbildung leitet sie heute als Oberärztin für Krankenhaushygiene das Hygieneteam des St. Josefs-Hospitals Rheingau in Rüdesheim.

Doch nicht nur die Hygiene, auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Ärztinnen und Ärzten und die verbesserte Versorgung der Patienten lagen Mrs. Y am Herzen, und sie beschloss, sich berufspolitisch zu engagieren.

Seit November 2019 ist sie die erste weibliche Vorsitzende des Marburger Bundes, des Verbandes der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands. Dabei rückt Mrs. Y das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient in den Mittelpunkt ihrer Arbeit, das sie durch den zunehmenden Kostendruck in der Medizin gefährdet sieht. Mrs. Y ist zudem im Vorstand der Bundesärztekammer.

 

Auflösung:

Bei Mme X handelt es sich Dorothea Christiane Erxleben, bei Mrs. Y um Susanne Johna.

Mme X & Mrs. Y aus Magazin 2/2021

Madame X & Mrs. Y gelangten durch ihre Ehemänner ins Licht der Öffentlichkeit. Und doch waren und sind beide so viel mehr als nur "die Frau von". Ohne sie wären ihre Männer nicht dort angekommen, wo sie waren und sind. Und beide hatten und haben ein Herzensthema, dem sie sich mit ganzer Kraft widmen.

Mme X: Im Einsatz für die Natur

Mindestens fünf verschiedene Pflanzen sind nach Mme X benannt - dabei platzte ihr Traum vom Biologie-Studium: Zu hoch waren in den Kriegsjahren die Studiengebühren. Stattdessen wurde die Hamburgerin, die am 3. März 1919 geboren wurde, Lehrerin. Über 30 Jahre lang arbeitete sie ab 1940 voller Engagement in diesem Beruf, finanzierte so auch das Studium ihres Mannes. 68 Jahre waren die beiden verheiratet, traten stets als starkes Duo auf.

Dabei musste Mme X einiges verkraften: Ihr erstes Kind, ein Sohn, starb im ersten Lebensjahr, vor und nach der Geburt ihrer Tochter (1947) erlitt sie mehrere Fehlgeburten. Ihrem Mann wurden zudem zahlreiche Affären nachgesagt. Seine politische Karriere und ihre damit verbundene Bekanntheit nutzte Mme X, um sich für ihr Herzensthema einzusetzen: den Schutz bedrohter Pflanzen.

Sie beteiligte sich etwa an Forschungsreisen von Wissenschaftlern. Dabei entdeckte sie im Jahr 1983 in Mexiko ein bis dahin unbekanntes Ananasgewächs. Zu ihrem 80. Geburtstag erhielt sie von der Hamburger Universität für ihre Verdienste im Bereich der Botanik die Ehrenprofessur. Noch heute kürt eine nach ihr benannte Stiftung die "Blume des Jahres". Im Oktober 2010 starb Mme X im Alter von 91 Jahren. Tausende Menschen kamen in den Hamburger Michel, um sich von ihr zu verabschieden. Übrigens: Ihren Spitznamen, unter dem sie ihr Leben lang bekannt war, gab sie sich als kleines Mädchen selbst. 

 

Mrs. Y: Im Einsatz für die Bildung

"Ich bin der Mann von ..." - so stellt sich der Gatte von Mrs. Y gerne vor. Dabei kennt ihn seit einigen Wochen die ganze Welt. Schon einmal stand Mrs. Y, die im Juni 70 Jahre alt wird, an der Seite ihres Mannes im Rampenlicht. Nach ganz oben ging es damals aber nicht. Das haben sie erst jetzt geschafft, gemeinsam.

Dabei ist für Mrs. Y klar: Als Englischlehrerin möchte sie die neu gewonnene Macht dazu nutzen, sich für die Bildung in ihrem Land einzusetzen. Und dass sie ihre Arbeit an einem Community-College aufgeben wird, nur um demnächst in Kameras zu winken, kann sich bei der als herzlich, eloquent und energiegeladen beschriebenen Mrs. Y niemand so recht vorstellen. Dass Mrs. Y eine Kämpferin ist, zeigt nicht nur, dass sie mit 55 Jahren noch eine Doktorarbeit schrieb. Sie wehrte auch zwei Aktivistinnen ab, die ihrem Mann bei einer Veranstaltung zu nahe kamen - schneller als seine Personenschützer.

Vor allem aber hat Mrs. Y für ihr Glück gekämpft. Denn dass sie mit ihrem Mann, den sie 1977 heiratete, heute ein unzertrennliches Duo bildet, war keineswegs selbstverständlich. Sie war noch Studentin in Pennsylvania, als sie den acht Jahre älteren Senator bei einem Blind Date kennenlernte. Er war ein gebrochener Mann: Bei einem Autounfall starben seine erste Frau und seine Tochter. Mrs. Y nahm die Aufgabe an, die das Leben ihr stellte: Sie zog mit ihrem Mann dessen Söhne groß, gemeinsam bekamen sie eine Tochter. Rückblickend sagt Mrs. Y: "Wie bringt man eine gebrochene Familie wieder zusammen? Genauso, wie man eine Nation zusammenbringt: mit Liebe und Verständnis und kleinen Gesten der Güte, mit Mut, mit unerschütterlichem Glauben." 

 

Auflösung:

Bei Mme X handelt es sich um Loki Schmidt. Mrs. Y ist Jill Biden. 

Mme X & Mrs. Y aus Magazin 1/2021

Mme X: Sternensucherin

Wenn es nach Mme X' Mutter gegangen wäre, dann wäre heute kein Komet nach Mme X benannt - und auch kein Mondkrater. Denn weil Mme X, die 1750 in Hannover geboren wurde, durch mehrere Krankheiten im Kindesalter kleinwüchsig und schmächtig blieb, hatte ihre Mutter für sie die Rolle der Haushaltshilfe für die Familie vorgesehen.

Doch dem Nähen, Sticken, Putzen und Kochen entkam Mme X im Alter von 22 Jahren, als sie mit ihrem Lieblingsbruder Friedrich Wilhelm nach England ging. Dort verfolgten beide zunächst eine musikalische Karriere, bevor sie sich der Astronomie widmeten.

Mme X - die dank ihres Vaters eine umfassende Schulbildung erhalten hatte - half ihrem Bruder dabei, seine Beobachtungen des Nachthimmels aufzuzeichnen, gemeinsam bauten sie Teleskope. Dann die Sensation: Der Bruder entdeckte im Jahr 1781 Uranus, einen neuen Planeten, wurde Königlicher Hofastronom. Und Mme X, als Teil seines Forschungsteams, erhielt ein jährliches Gehalt von 50 Pfund von König Georg III. Damit war sie die erste Frau, die als Astronomin tätig war und für ihre wissenschaftliche Tätigkeit ein Gehalt erhielt.

Und Mme X entdeckte auch eigene Himmelskörper: zwischen 1786 und 1797 acht Kometen, außerdem kartierte sie Sternhaufen und Nebelflecke, die heute Deep-Sky-Objekte genannt werden. Als erste Frau wurde sie 1828 mit der goldenen Medaille der Royal Astronomical Society sowie der goldenen Medaille der preußischen Akademie der Wissenschaften geehrt (1846). Am 9. Januar 1848 starb Mme X im Alter von 97 Jahren. Heute sind ein Komet, der alle 155 Jahre wiederkehrt, und ein Mondkrater nach ihr benannt. 

 

Mrs. Y: Sternendeuterin

Sie gehörte zwischen den Jahren 2000 und 2006 zum Frühstücksfernsehen dazu wie kaum eine zweite: Mit Mrs. Y startete man vor allem deshalb bestens gelaunt in den Tag, weil sie für die Zuschauer in die Sterne schaute.

Anders als Mme X suchte sie dort aber nicht nach Himmelskörpern - vielmehr war es die Sternenkonstellation, die die Astrologin des Senders RTL interessierte. Und so bekam man von Mrs. Y jeden Morgen ein Horoskop für den Tag, das natürlich je nach Sternzeichen variierte.

Mrs. Y ist übrigens - ebenso wie Mme X - in Hannover geboren worden, allerdings 212 Jahre später, am 14. Januar 1962. Sie wuchs in Kairo und Kassel auf, machte Abitur und studierte Freie Kunst. Das Studium brach sie aber zugunsten einer Karriere als Radio- und Fernsehmoderatorin ab.

In den 80er-Jahren moderierte Mrs. Y verschiedene Musiksendungen, etwa die "Disconight" auf WDR 1. 1994 wurde sie zunächst Wetterfee bei RTL, begann parallel eine Ausbildung bei einer Astrologin, wurde Mitglied des Deutschen Astrologenverbands. Ab dem Jahr 2000 arbeitete Mrs. Y dann als Astrologin im Frühstücksfernsehen, auf Astro TV und auf ihrem YouTube-Kanal. 

 

Auflösung

Mme X: Die Gesuchte ist die deutsche Astronomin Caroline Herschel (*16. März 1750 in Hannover; † 9. Januar 1848 ebenda). Zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere unterstützte sie ihren Bruder Wilhelm Herschel bei seinen Forschungen, entdeckte dann aber selbstständig eigene Himmelskörper, darunter acht Kometen, Sternenhaufen und Nebel. Heute ist ein Komet nach ihr benannt, der 35P/Herschel-Rigollet.

Mrs. Y: Die Gesuchte ist die deutsche Moderatorin und Astrologin Antonia Langsdorf (*14.1.1962 in Hannover). Einem breiten Publikum wurde sie als Astrologin beim RTL-Frühstücksfernsehen bekannt. In den 80er-Jahren moderierte Langsdorf verschiedene Musiksendungen im Radio, von der Wetterfee wurde sie dann zur Astrologin.


Im Shop bestellen
Madame X - Rätselhafte Bekannte

 

Wir schauen zurück: In jeder Ausgabe von "Frau und Mutter" fragte Autorin Cordula Lissner nach rätselhaften Bekannten.

Madame X - Rätsel von 2020

Madame X aus Heft 12/2020

Schon als Kind fühlte sich Madame X zu einem künstlerischen Beruf hingezogen und wurde von ihren liberal denkenden Eltern dazu ermutigt. Da an Studieren für eine Frau noch nicht zu denken war, besuchte sie eine Schule für Künstlerinnen in Berlin und später in München.

Sie liebte es, in den Ateliers und auf den rauschenden Festen in der Großstadt Menschen kennenzulernen und sich immer wieder neu zu verlieben - in Männer wie in Frauen. In Menschen verliebt zu sein, so erklärte sie viel später, war eine nie versiegende Quelle für ihre schöpferische Arbeit.

Zurück in Berlin heiratete Madame X einen Arzt, der sich auch politisch auf Seiten der Sozialdemokratie für seine aus den Arbeiterbezirken stammenden Patienten einsetzte, und wurde Mutter zweier Söhne.

Auch Madame X verstand sich als Sozialistin, stellte in ihren Werken soziales Elend dar, aber auch die Würde von Männern und immer wieder Frauen des Proletariats. Max Liebermann war so beeindruckt von ihren sozialkritischen Lithografien, dass er Kaiser Wilhelm II. vorschlug, der jungen Frau eine kleine Goldmedaille zu verleihen. Seine Majestät lehnte entrüstet ab. Sozialkritischer Realismus?

Und, fast noch schlimmer: ein Orden für eine Frau? Ihr jüngerer Sohn fiel im Ersten Weltkrieg. Daran erinnert bis heute eine Skulptur, die herzzerreißende Trauer ausdrückt. Nie wieder Krieg, dieses Motto durchzog ab diesem Zeitpunkt viele ihrer Werkzyklen.

Ein Jahr lang arbeitete sie auch für die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit. Die nationalsozialistischen Machthaber schlossen Madame X aus der Preußischen Akademie der Künste aus, wo sie als erste Frau überhaupt zur Professorin ernannt und zehn Jahre später, ebenfalls als erste weibliche Kunstschaffende, mit dem Orden "Pour le Mérite" für Wissenschaften und Künste ausgezeichnet worden war.

Berufsverbot erteilte man ihr aber nicht. Madame X konnte in ihrer Berliner Ateliergemeinschaft weiter arbeiten und sogar noch einige große Skulpturen fertigstellen. Sie starb nur zwei Wochen vor dem Kriegsende und der Befreiung vom NS-Terror. Mehrere Museen, das wichtigste davon in Köln, sind heute ihr und ihrem Werk gewidmet.

 

"Madame X"-Auflösung:

Die Gesuchte ist die deutsche Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz, geb. Schmidt (*8.7.1867 in Königsberg, †22.4.1945 in Moritzburg bei Dresden).
Bereits zu ihren Lebzeiten war Käthe Kollwitz die bekannteste deutsche Künstlerin; Ausstellungen in Paris, Moskau und New York wurden ihr gewidmet. Viele ihrer Litographien, Holzschnitte und Skulpturen klagen den Krieg an und zeigen eindrücklich die Trauer um die Toten.

Madame X aus Heft 11/2020

In ihrem Elternhaus in Dortmund ging es oft lebhaft zu, waren doch Vater und Mutter beruflich, politisch und sozial in der Ruhrgebietsstadt stark engagiert. Arzt von Beruf, übernahm der Vater auch den Vorsitz der Ärztekammer in Westfalen und des Aufsichtsrats einer Bergbau-AG; zudem war er Stadtverordneter und in der Freizeit leidenschaftlicher Käfersammler.

Die Mutter erteilte bis zur Geburt des dritten Kindes als Hauslehrerin Französisch-Unterricht; ehrenamtlich leitete sie mehrere Vereine für katholische Frauen, für Wöchnerinnen und für Kleinkindererziehung. Schien Madame X also ein soziales Engagement in die Wiege gelegt, so entschloss sie sich zunächst, ein Musikstudium in Berlin zu beginnen.

Die Heirat mit einem Juristen führte sie zurück ins Ruhrgebiet. Als drei Kinder nicht mehr all ihre Zeit in Anspruch nahmen, begann Madame X mit viel Elan den Aufbau eines Vereins, der Mädchen und junge Frauen von der Straße holen wollte.

In ganz Westfalen folgten Vereinsgründungen nach ihrem Vorbild, so dass schon bald ein Dachverband gegründet werden konnte. Das sozialpolitische Engagement ließ Madame X nun nicht mehr los. Im Laufe der Jahre wurden die Aufgaben immer größer, und Madame X übernahm Führungspositionen in mehreren katholischen Fürsorge-Verbänden und im Katholischen Deutschen Frauenbund.

Auf die Einrichtung von Zufluchtshäusern für Mädchen und Frauen folgte die Gründung einer Fachschule zur Ausbildung von Wohlfahrtspflegerinnen in Dortmund. Die moderne Frauenbewegung, so erklärte Madame X, verlange vom weiblichen Geschlecht "mehr Wissen, mehr Verantwortlichkeitsgefühl, mehr Gelegenheit, die Kräfte zu regen, mehr Lebensinhalt".

Für die zu betreuenden Frauen gelte der Leitsatz: "Es gibt keine hoffnungslosen Fälle." Als Mitglied des Zentrums wurde Madame X 1919 in die Verfassunggebende Nationalversammlung gewählt und ein Jahr später als Abgeordnete in den Reichstag.

Ihre Themen blieben die Mädchen- und Jugendfürsorge genauso wie das Engagement für uneheliche Mütter und deren Kinder. Im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs, 90 Jahre alt, starb Madame X. Der von ihr begründete Verein ist noch heute ein großer und bedeutender katholischer Sozialverband.

 

"Madame X"-Auflösung:

Gesucht ist die deutsche Sozialpolitikerin Agnes Neuhaus, geb. Morsbach (*24.03.1854 in Dortmund, †20.11.1944 in Soest). 1899 gründete sie den "Verein vom Guten Hirten", die Vorläuferorganisation des heutigen "Sozialdienst katholischer Frauen".

Neuhaus war von 1920 bis 1930 Abgeordnete des Zentrums im Reichstag (zuvor 1919 Mitglied der Verfassunggebenden Nationalversammlung) und gestaltete das 1924 verabschiedete Reichsjugendwohlfahrtsgesetz entscheidend mit.

Madame X aus Heft 10/2020

Fünf Jahre lang war sie nicht nur auf dem Papier die Geliebte eines Königs. In Frankreich war das zu dieser Zeit nicht anstößig, und Madame X, obwohl bürgerlicher Herkunft und verheiratet, wie natürlich auch der Herrscher selbst, musste bei offiziellen Anlässen nicht versteckt werden. Ganz im Gegenteil.

Sie lebte im königlichen Schloss, mischte sich, nicht immer glücklich, in politische Angelegenheiten ein, bildete oft gar den Mittelpunkt einer ihr nicht nur wohlgesonnenen Hofgesellschaft.

Aber nach fünf Jahren führten der Beziehung abträgliche Entwicklungen, in denen möglicherweise auch der katholische Klerus eine gewisse Rolle spielte, dazu, dass Monsieur den Durchgang zu ihren Gemächern zumauern ließ.

Madame X dufte trotzdem bleiben und ihrer Rolle, nun als wichtigste Freundin und Ratgeberin an der Seite des Königs, in der Öffentlichkeit eine neue Schattierung geben.

Ihre Bewunderer schrieben Madame X eine hohe Intelligenz und ein gutes Herz zu. Ihre Stellung am Hof suchte sie zu nutzen, um ihre Familie zu unterstützen, aber sie war Zeit ihres Lebens auch eine geschickte Selbstdarstellerin.

Den Fisch, den sie in ihrem Geburtsnamen trug, machte sie zum Signet, zum Logo würden wir heute sagen. Die königliche Porzellanmanufaktur, die sie begründet hatte, um die sächsischen Konkurrenten auszustechen, kreierte ein eigenes Service mit filigranen Fischzeichnungen.

Madame X gründete jedoch keineswegs nur Kunstgewerbefabriken, sondern auch eine Militärakademie. Sie förderte Künstler und Literaten wie Rousseau und Diderot, führte ein Stück von Molière mit ihrem eigenen kleinen Theater auf.

Dass ihre beiden Kinder früh starben, sie selbst von schwacher Gesundheit war und zudem mehrere Fehlgeburten erlitten hatte, darüber verlor sie in der Öffentlichkeit nicht viele Worte.

Erinnert wird Madame X heute als eine Protagonistin des "Ancien Régime" und einer höfischen Welt, die mit der Revolution von 1789 ein abruptes Ende gefunden hat. Eine bemerkenswerte Reihe von Porträts, von denen Beispiele im Louvre genauso wie in der Münchner Pinakothek zu finden sind, lassen die Schönheit der königlichen Mätresse erahnen.

Aber wir können sie auch als Bilder einer Frau betrachten, die in ihrem Leben nicht sich selbst, sondern vor allem eine Rolle verkörperte.

 

"Madame X"-Auflösung:

Die Gesuchte ist die Markgräfin (frz. Marquise) und Herzogin Madame de Pompadour, geborene Jeanne-Antoinette Poisson (*29.12.1721 in Paris; †15.4.1764 in Versailles), die als Mätresse des Königs Ludwig (Louis) XV. an den französischen Hof kam. Sie wurde zu einer wichtigen Ratgeberin mit großem Einfluss vor allem auf außenpolitische und kulturpolitische Entscheidungen.

Madame X aus Heft 9/2020

Mit einer Spielzeugpistole und einigen Topfdeckeln bewaffnet stand Madame X das erste Mal auf einer Bühne. 30 Jahre war die ausgebildete Kunsthandwerkerin da alt. In diesem Jahr schuf sie auch ein Kunstwerk mit einem sehr langen Namen, in dem die Worte "Schnitt mit dem Küchenmesser" und "Weimarer Bierbauchkulturepoche" enthalten waren und das heute in der Neuen Nationalgalerie in Berlin seinen Platz gefunden hat.

Dada, so nannte sich die während der Wirren des ersten Weltkriegs in Zürich begründete Kunstrichtung, der sich Madame X angeschlossen hatte. Dada verstand sich als Revolte gegen Konventionen und ein als bürgerlich-spießig wahrgenommenes Kunstverständnis.

Durch eine komplizierte Liebesbeziehung war Madame X zu den Dadaisten gekommen. Ihre nächste große Liebe war weiblich und stammte aus den Niederlanden. Neun Jahre lang lebten und arbeiteten die Künstlerin und die Schriftstellerin zusammen; sie veröffentlichten gemeinsame Bücher, deren Titel ( "Von Hollands Blumenfeldern" oder "Scheingehacktes") noch heute neugierig machen.

Das nationalsozialistische Deutschland ließ unangepassten Künstlerinnen und Künstlern keine Luft zum Atmen. Madame X, die in den Jahren zuvor viel gereist war und ihre Werke unter anderem in der Sowjetunion und in den USA hatte ausstellen können, entschied sich gegen das Exil und für den Rückzug in eine dörfliche Gegend von Berlin.

Zu ihrem kleinen Haus gehörte ein großer Garten, in dem Madame X nun Kartoffeln und Gemüse anbaute. In ihrem Domizil behütete sie Kunstwerke ihrer Freunde und Freundinnen. Sie selbst malte, zeichnete und verdiente ihren Lebensunterhalt mit dem Entwerfen von Schutzumschlägen für einen Zeitschriftenverlag.

Nach 1945 engagierte sich Madame X im Wiederaufbau des kulturellen Lebens. In Vorträgen über "Frauen und Kunst" reflektierte sie auch ihre eigene Biographie. 1965 wurde sie in die Akademie der Künste Berlin berufen.

Bis zu ihrem Tod gab es fast jährlich eine Ausstellung im In- und Ausland, in der Werke von Madame X zu sehen waren. Noch heute wird vor allem die kurze Phase des Dadaismus mit ihr verbunden, aber das künstlerische Werk von Madame X reicht weit darüber hinaus.

 

"Madame X"-Auflösung

Gesucht war die deutsche Malerin und Grafikerin Hannah (Anna Therese Johanne) Höch (*1.11.1889 in Gotha; †31.5.1978 in Berlin-Heiligensee). Hannah Höch wurde als eine der wenigen Frauen im Dadaismus aber später auch als vielseitige Künstlerin bekannt. Ihr Werk umfasst unterschiedliche Techniken und Stilrichtungen neben den berühmten Foto-Collagen.

Madame X aus Heft 7 und 8/2020

Ein Porträt von Madame X ziert vielleicht Ihre Wand, wenn Sie den Retro-Charme der 1950er-Jahre und diese blonden Helm-Frisuren mögen. Auch das Lied, das die Schauspielerin in einem Hitchcock-Krimi schmettert, um ihren Sohn aus den Klauen von bösen Schurken zu befreien, werden Sie vermutlich kennen.

Aber als "role model" scheint uns Madame X heute doch eher wenig geeignet, verkörperte sie doch in fast allen ihren Filmen ein braves und adrettes amerikanisches Mädchen aus der Provinz, das über wenig Tiefgang verfügt.

Dabei hatte die reale Madame X gar nicht das sorglose Leben, für das sie auf der Leinwand geschaffen zu sein schien. Die Tochter eines Musiklehrers und seiner Frau, deren deutsche Vorfahren einst in das Land der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten eingewandert waren, träumte als Kind von einer Karriere als Tänzerin. Aber nach einem schweren Autounfall, bei dem ihr rechtes Bein zertrümmert wurde, musste sich das junge Mädchen von diesem Traum verabschieden.

Dann vielleicht ein treuer Ehemann und ein Häuschen auf dem Land? Ihre ersten beiden Ehen wurden sehr schnell geschieden. Von großen Wünschen wollte Madame X sich aber nicht verabschieden, und weil sie hart im Nehmen war, gelang ihr eine richtige Hollywood-Karriere.

Als Sängerin und als Schauspielerin feierte die junge Dame bald große Erfolge. Vor allem Liebeskomödien mit hohem Musikanteil schienen das richtige Genre für sie zu sein. Die Filmrolle allerdings, die sie selbst später als ihre liebste erklärte, war gar nicht das eine berufliche Karriere anstrebende Blondchen, das sich nach einigen Umwegen den passenden Ehepartner angelt, sondern eine burschikose Westernheldin, die auch mit einem schweren Colt umzugehen weiß.

Am Ende ihrer Zeit als Kinostar wechselte Madame X zum Fernsehen, wo sie noch einmal fünf Jahre lang für ihre eigene Show gefeiert wurde.

In einer weiteren Show stand ihr Engagement für herrenlose Hunde und andere Tiere im Mittelpunkt. Ihr letztes großes Comeback feierte Madame X im Alter von 89 Jahren mit einem neuen Album, das es in die britischen Top Ten schaffte.

In ihrem Haus auf dem Land konnte sie kurz vor ihrem Tod noch ihren 97. Geburtstag feiern.

 

"Madame X"-Auflösung

Gesucht ist die US-amerikanische Schauspielerin und Sängerin Doris Day, geb. Doris Mary Ann Kappelhoff (*3.4.1922 in Cincinatti, Ohio, †13.5.2019 in Carmel Valley Village, Kalifornien). In den 1950er und 1960er Jahren erlangte Doris Day Berühmtheit vor allem durch ihre Rollen in Hollywood-Komödien, oft an der Seite ihres Filmpartners Rock Hudson. Im Hitchcock-Krimi "Der Mann, der zuviel wusste" führt sie in einer entscheidenden Szene mit dem Lied "Que sera, sera" das Happyend herbei.

Madame X aus Heft 6/2020

Aus der Karibik waren ihre Eltern nach New York immigriert. Im "schwarzen" Stadtteil Harlem besuchte das hochbegabte kleine Mädchen eine katholische Schule und schrieb ihr erstes Gedicht.

Nach dem Studium arbeitete Madame X zunächst als Bibliothekarin; 1968 erschien ihr erster Lyrikband. Sie bekam zwei Kinder mit einem Rechtsanwalt; nach der Scheidung lebte sie von da an mit einer Partnerin zusammen.

Madame X engagierte sich in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und in der Antikriegsbewegung, sie stritt für die Rechte von Lesben und Schwulen und immer wieder für Frauenrechte und eine Solidarität, die an keiner Grenze haltmachen sollte.

Ihre Identität, ihr Engagement, ihre Berufung fasste sie in ein selbstbewusstes Statement: "Ich bin schwarz, lesbisch, Feministin, Mutter, Kriegerin, Dichterin." Eine Gastprofessur an der Freien Universität führte die inzwischen sehr prominente Madame X nach Berlin, wo sie zwischen 1984 und 1992 zeitweise lebte und sich auch dort politisch engagierte.

So kritisierte sie in einem offenen Brief an den Bundeskanzler den nach dem Mauerfall neu entflammten Rassismus, der sich 1992 im Pogrom von Rostock-Lichtenhagen entlud.

Eine mutige und starke Mentorin für schwarze Frauen in Deutschland, war Madame X für Aktivistinnen der Frauen- und Lesbenbewegung aller Hautfarben eine Lehrerin und Wegbereiterin, die kritische Fragen stellte.

Madame X verwies auf die Ungleichheit, die auch zwischen Frauen existierte, eine Ungleichheit, mit der Migrantinnen, jüdische Frauen, schwarze Frauen innerhalb der Frauenbewegung zu kämpfen hatten.

Verschieden, aber gemeinsam, wie es Madame X auf den Punkt brachte, sich ihrer Unterschiede bewusst, aber in Solidarität sollten Frauen vorwärtsgehen - viele noch heute aktuelle Diskussionen nahmen hier einen Anfang.

Trotz ihrer schweren Krankheit, mit der Madame X viele Jahre lang kämpfte, behielt sie ihren Humor und ihr Charisma, blieb eine Kraftquelle für ihre Weggefährtinnen. In einem Filmporträt und einem virtuellen Stadtrundgang zu den Berliner Stationen im Leben der Madame X ist ihre warme Stimme zu hören und ihre ansteckende Lebensfreude zu spüren.

 

"Madame X"-Auflösung

Die Gesuchte ist die US-amerikanische Aktivistin, Frauenrechtlerin, Literaturwissenschaftlerin und Dichterin Prof. Audre Geraldine Lorde (*18.2.1934 in New York, gest. 17.11.1992 in Christiansted, St. Croix, U.S. Virgin Islands). Audre Lorde war eine der bedeutendsten Theoretikerinnen der neuen Frauenbewegung in den USA aber auch in der Bundesrepublik.

Madame X aus Heft 5/2020

Die Eltern waren auf der Suche nach dem Glück aus Großbritannien nach Kanada gekommen, aber zu Wohlstand hatten sie es in der Neuen Welt nicht gebracht. Ihrer kleinen Tochter gaben sie einen in der alten Heimat berühmten Namen: Florence Nightingale. Und tatsächlich versuchte sich Madame X, nachdem sie die Schule früh hatte verlassen müssen, im Beruf der Krankenschwester.

Ein wenig nützlich sollte ihr diese Erfahrung für ihren späteren Lebensweg auch tatsächlich werden. In der großen Stadt New York nahm Madame X eine Stelle in einem Schönheitssalon an. Sie war eine lernbegierige junge Dame, und weil sie außerdem auch über eine gehörige Portion unternehmerischen Muts verfügte, gründete sie zwei Jahre später an keiner geringeren Adresse als der Fifth Avenue einen eigenen kleinen Salon.

Das Startkapital lieh sie von ihrem Bruder und konnte es schon nach einem Jahr zurückzahlen. Bisher waren Schönheitswässerchen so ziemlich das Einzige gewesen, was die Damen der Gesellschaft an ihre Haut ließen. Aber das sollte sich ändern.

Madame X verkaufte sehr erfolgreich eigens kreierte Cremes. Bald verfolgte sie zielstrebig ein neues Konzept der allumfassenden Schönheit einer Frau, für die unzählige Tinkturen auf Haut und Haar appliziert werden mussten. Ihr Geschäft wuchs schnell, und Madame X, die sich mittlerweile auch einen eleganten neuen Namen zugelegt hatte, konnte ihre erste Filiale in Paris eröffnen. Auf dem Weg zum eigenen Kosmetikimperium hatte sie eine erbitterte Rivalin, die sich wie sie aus einfachsten Verhältnissen an die Spitze eines großen Unternehmens vorgekämpft hatte.

Aber die Konkurrenz schadete dem Geschäft nicht. Und eigentlich waren die Beziehungen, die Madame X zu ihr nahestehenden Frauen unterhielt, weit inniger als die eher geschäftsmäßigen zu ihren Ehemännern.

Auch ihr exklusives Hobby, Pferderennen, betrieb Madame X, mit eigenem Rennstall und Creme-Massagen für die kostbaren Rösser, als erfolgreiches Geschäft. Wo so viel Geld verdient wurde, ließen die Ehrungen nicht ewig auf sich warten. Und wer heute ein edles Kosmetikprodukt sucht, begegnet schnell dem Namen, mit dem Madame X einst reich und berühmt geworden war.

 

"Madame X"-Auflösung

Die Gesuchte ist Elizabeth Arden, geb. Florence Nightingale Graham (*31.12.1878 in Woodbridge, Kanada; †18.10.1966 in New York, USA), Begründerin eines der größten Kosmetikunternehmen weltweit. Mit Helena Rubinstein lieferte sie sich einen harten Konkurrenzkampf, bei dem es aber letztlich keine Verliererin gab.

Madame X aus Heft 4/2020

Auf den Almwiesen spielte die kleine Madame X, Tochter eines Dichters und einer Schauspielerin, genauso gerne wie in der großen Wiener Stadtwohnung.

Aber nach dem so genannten "Anschluss" der Alpenrepublik an das nationalsozialistische Deutschland entschieden die Eltern, in die Schweizer Heimat des Vaters überzusiedeln. Hier teilten sie das Schicksal vieler Migranten, denen die Mittel fehlten, die Familie zu ernähren.

Drei der vier Kinder mussten zunächst in ein Kinderheim gegeben werden, während die zwölfjährige Madame X nach Colmar auf eine Klosterschule geschickt wurde.

Als sie ein Jahr später in den Ferien die Eltern besuchte, sprach sie perfekt Französisch. Der Kriegsbeginn verhinderte ihre Rückkehr ins Elsass. Madame X absolvierte eine kaufmännische Lehre und durfte zum ersten Mal gemeinsam mit ihrer Mama in einem Film auftreten.

Nachdem die junge Frau Unterricht genommen und den Beruf der Schauspielerin auf Schweizer Theaterbühnen erprobt hatte, erwies sich doch bald, dass ihr ganz besonderes, oft tränenumflortes Lächeln seine größte Wirkung auf einer Kinoleinwand erzielen konnte.

Dass niemand so schnell und so schön vor der Kamera weinen konnte wie sie, war Madame X bewusst, aber den Beinamen "Seelchen" mochte sie nicht, weil er ihr Potenzial als Schauspielerin doch zu sehr auf Emotionalität und Niedlichkeit beschränkte.

Für ihre Darstellung einer tapferen Lazarett-Ärztin, die deutsche Wehrmachtssoldaten, aber schließlich auch jugoslawische Partisanen aufopferungsvoll pflegte, erhielt sie in Cannes ihre erste Auszeichnung, der viele weitere folgen sollten.

Die lange Liste ihrer Filmpartner umfasst nationale wie internationale Stars von Dieter Borsche über O.W. Fischer bis hin zu Gary Cooper, Yul Brunner und Glenn Ford; Sie drehte mit Meister-Regisseuren wie Visconti und Chabrol.

Jenseits von Leinwand und Bühne litt Madame X mit zunehmendem Alter unter seelischen und gesundheitlichen Problemen. Die letzten Jahre verbrachte sie zurückgezogen auf der Alm in Kärnten, wo sie als Kind glücklich gewesen war. Festgehalten hat diese Zeit der Vergänglichkeit ihr Bruder Maximilian, ebenfalls Schauspieler.

 

"Madame X"-Auflösung

Die Gesuchte ist die Schauspielerin Maria Margarete Anna Schell (*15.1.1926 in Wien; † 26.4.2005 in Preitenegg, Kärnten), die heute vor allem als Kinostar der 1950er und 1960er Jahre erinnert wird (z.B." Die letzte Brücke" unter der Regie von Helmut Käutner). Maria Schell war aber auch eine international bekannte Theaterschauspielerin. Ab den 1970er Jahren trat sie vor allem in Fernsehfilmen und -serien auf. Ihr Bruder Maximilian Schell drehte 2002 den Dokumentarfilm "Meine Schwester Maria", für den beide Geschwister einen
"Bambi" erhielten.

Madame X aus Heft 3/2020

Eine Atmosphäre von liebevoller Wertschätzung prägte ihre Kindheit. Einem Sohn und vier Töchtern wurde insbesondere durch den Vater der Wert kultureller Bildung vermittelt; ein gewisser Wohlstand gab Sicherheit. Aber dann starben beide Eltern, als Madame X, die Jüngste, gerade 16 Jahre alt war.

Die junge Frau fand Trost im Schreiben, doch die ersten Werke, die sie publizierte, stießen mit ihren deutlich sozialkritischen Tönen auf heftige Empörung konservativer Zeitgenossen. Madame X ließ sich nicht beirren. Erschienen zunächst Gedichte und Romane über die elenden Lebensverhältnisse von Arbeiterfamilien im Gefolge der Industrialisierung, so forderte die Schriftstellerin bald mit Vehemenz Verbesserungen für die Lage der Frauen.

Im Chor der Stimmen des später so genannten Vormärz, der Zeit, die der deutschen Revolution von 1848 vorausging, erschien Madame X als "Lerche des Vorfrühlings", auch wenn der Gesang dieser Lerche nicht von allen gehört werden wollte. Ein neuer Roman wurde von der Zensur sofort verboten und nur mit erheblichen Kürzungen wieder freigegeben. Sie konterte mit einer Reihe von Artikeln, in denen sie nachdrücklich die Teilnahme von Frauen am politischen Leben forderte.

1849 begründete Madame X eine Frauenzeitschrift mit dem programmatischen Titel "Dem Reich der Freiheit werb' ich Bürgerinnen". An der "großen Welt-Erlösung", so schrieb sie, wollten die Frauen als die Hälfte der Menschheit nun teilhaben.

Aber das Patriarchat schlief nicht, und das Reich der Freiheit sollte den Bürgerinnen noch eine ganze Weile verwehrt bleiben. Die sächsische Regierung erließ ein Gesetz, mit dem Frauen die Herausgabe von Zeitschriften verboten wurde. Madame X verlegte die Redaktion nach Thüringen, schrieb Romane und Artikel zu kulturellen Themen, besuchte ihren Verlobten, der in den Revolutionswirren verhaftet worden war, und bereitete sich auf bessere Zeiten vor.

Einige glückliche Jahre blieben ihr mit dem geliebten Mann, den sie nach der Haftentlassung geheiratet hatte. Und auch in ihrem Kampf um Frauenrechte gab es schließlich neue Chancen. Ein von Madame X mitbegründeter Frauenbildungsverein berief die erste deutsche Frauenkonferenz ein; die Gründung einer neuen großen Vereinigung für Frauenrechte folgte. 1870 hatte sie, unter dem Vorsitz von Madame X, bereits 10.000 Mitglieder.

 

"Madame X"-Auflösung

Gesucht ist Louise Otto-Peters (*26.3.1819 in Meißen, †13.3.1895 in Leipzig), prominenteste Frauenrechtlerin des 19. Jahrhunderts, sozialkritische Schriftstellerin und Journalistin. Louise Otto heiratete 1858 den Schriftsteller August Peters, der 1864 verstarb. 1865 war sie (Mit-)Begründerin und drei Jahrzehnte Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, der ersten großen Organisation der deutschen Frauenbewegung.

Madame X aus Heft 2/2020

Mehr als 50 Jahre lang lagen viele ihrer wichtigsten Arbeiten in einem Pappkoffer, der einst vor dem Zugriff der deutschen Besatzer aus Frankreich herausgeschmuggelt worden war.

Auf verschlungenen Wegen war er schließlich in den Besitz eines mexikanischen Diplomaten gelangt. Dessen Erben entdeckten den Koffer auf dem Dachboden. Sein Inhalt: 4.500 Negative. Schritt für Schritt konnte die Geschichte der Fotos recherchiert werden, die nun restauriert und in großen Ausstellungen gezeigt wurden. Die Bilder dokumentieren den Spanischen Bürgerkrieg, der 1936 begonnen hatte. Ein großer Teil dieser Fotos, so stellte sich heraus, stammten von Madame X, der ersten Frau, die den Krieg fotografierte.

Geboren in Stuttgart als Tochter einer aus Osteuropa stammenden jüdischen Familie, begeisterte sich Madame X schon als junges Mädchen für Kunst und Kultur. Einen prägenden Eindruck hinterließ die internationale Werkbundausstellung für Film und Foto.

Nach dem Umzug der Familie nach Leipzig schloss sich Madame X sozialistischen Gruppen an. Wegen ihrer Beteiligung an Flugblattaktionen 1933 verhaftet, flüchtete die junge Frau nach ihrer Freilassung ins französische Exil. In Paris verliebte sie sich in einen ungarischen Fotografen, von dem sie den professionellen Umgang mit der Kamera lernte.

Nach dem Putsch der Militärs unter General Franco strömten Freiwillige aus aller Welt zur Verteidigung der Demokratie nach Spanien. Auch Madame X und ihr Freund brachen nach Barcelona auf. Mit ihren Kameras wollten sie für die spanische Republik kämpfen.

Ein Jahr lang dokumentierte das Paar an vorderster Front den Bürgerkrieg. Sie waren sehr jung, sehr mutig, ein eingeschworenes Team. Für ihre Fotos gaben sie bei den Agenturen nur einen gemeinsamen Namen an. Es ging um die Aufgabe, nicht um die Autorenschaft.

Kurz vor ihrem 27. Geburtstag geschah ein schreckliches Unglück: Madame X wurde von einem Panzer überrollt und starb im Lazarett. Ihre Beerdigung wurde zu einer machtvollen Demonstration gegen den Faschismus. Künstler und Schriftsteller hielten die Trauerreden und schufen ein würdiges Grabmal für Madame X. Dann wurde sie vergessen. Auch ihr Freund sollte siebzehn Jahre später in einem Krieg zu Tode kommen.

 

"Madame X"-Auflösung

Die Gesuchte war die Fotoreporterin Gerda Taro, eigentlich Gerta Pohorylle (geb. 1.8.1910 in Stuttgart, gest. 26.7.1937 in El Escorial, Spanien). Gemeinsam mit ihrem Partner Robert Capa (eigentlich André Friedman) fotografierte sie im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner. Gerda Taro starb an der Front und wurde in Paris auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt. Erst 60 Jahre nach ihrem Tod wurde, vor allem durch die Recherchen ihrer Biographin Imre Schaber, erkannt, dass viele bisher Robert Capa zugeschriebene Fotos von Gerda Taro stammten.

Madame X aus Heft 1/2020

"Die Menge jubelt, die Roboter tänzeln, und die Prinzessin gewährt ein huldvolles Lächeln." Dieser Satz entstammt einem Zeitungsbericht über den ersten wirklich großen Auftritt von Madame X.

Gleichsam über Nacht wurde aus einer unbekannten jungen Schauspielerin eine weltweit bekannte Sternenprinzessin. Hollywood mit seinem Glanz, aber auch mit seinen Schattenseiten, hatte Madame X schon in ihrer Kindheit kennengelernt.

Auch ihre Mutter war Schauspielerin, der Vater ein Schlagersänger, der die Familie bald verließ. Mit 19 erhielt Madame X ihre erste Filmrolle in einer Komödie, und dass sie komödiantisches Talent hatte, sollte sie später noch oft beweisen. Ihre Prinzessin von einem fremden Stern verkörperte Madame X nicht nur mit Grazie, sondern auch mit Selbstbewusstsein und einer Prise von trockenem Humor.

Von den üblichen blondgelockten Märchenkönigstöchtern hob sich die von Madame X verkörperte junge Dame dabei schon allein optisch ab. Ihre langen dunklen Zöpfe waren zu merkwürdigen, archaisch anmutenden Knoten über den Ohren gebunden.

Selbstverständlich konnte sie einen Raumgleiter steuern und mit Waffen wie Lichtschwertern oder Blaster-Pistolen souverän umgehen. Madame X war nicht nur eine Prinzessin, sondern auch Anführerin einer Rebellenarmee. Für eine Generation von weiblichen Teenagern wurde sie zur Identifikationsfigur und für die gleichaltrigen Jungs das Mädchen ihrer Träume.

Auch die erwachsenen Kinobesucher liebten diese Prinzessin, die laut Filmvorspann in einer längst vergangenen Zeit und in einer weit entfernten Galaxie gelebt hatte.

Im letzten Film zu ihren Lebzeiten war eine Generalin aus ihr geworden, die einen verzweifelten Kampf zur Rettung des Guten im Weltall führt. Ihre Fähigkeit zur Selbstironie ist auch in ihren Büchern zu erkennen.

In den letzten ihrer nur 60 Lebensjahre schritt Madame X mitunter in Strickjacke statt in Abendgarderobe über rote Teppiche, und in mehreren Fernsehfilmen trat sie als ihre eigene Karikatur auf. Auch mit ihrer bipolaren Störung ging sie offen um. Ihre Fans sollten verstehen, dass Madame X auch in der Realität bis zum Schluss eine rebellische Prinzessin bleiben wollte.

 

"Madame X"-Auflösung

Gesucht ist die US-amerikanische Schauspielerin Carrie Frances Fisher (*21.10.1956 in Beverly Hills, Kalifornien, †27.12.2016 in Los Angeles), Tochter der Schauspielerin Debbie Reynolds und des Sängers Eddie Fisher.

Weltweit bekannt wurde sie ab 1977 durch ihre Rolle als Prinzessin Leia Organa in der von George Lucas begründeten "Star Wars"-Filmreihe. Carrie Fisher war auch Autorin mehrerer autobiographisch gefärbter Bücher; sie trat mit einer eigenen Show am Broadway und als Gast in vielen Fernsehserien auf.

Stand: 23.02.2021