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Junia

Mme X & Mrs. Y

"Madame X", die bewährte alte Dame, die auf den Spuren verstorbener großer Frauen war, bekommt Zuwachs. Im neuen Junia-Magazin wird sie um eine lebende Person erweitert. Ab sofort heißt es: Mme X & Mrs. Y.  Beide können übrigens durchaus eine Gemeinsamkeit haben. 

Mme X & Mrs Y aus Magazin 6/2022

Mme X & Ms Y

Die eine führt weiter, was die andere begonnen hat: Mme X und Ms Y gehören beide zu einer Familie mit einem großen Namen. Und beide zeigen: Ohne die Frauen wären die Familie und ihr musikalisches Erbe nicht dort, wo sie heute sind.

Mme X: Von der Geliebten zur mächtigen Gralshüterin

Mme X ist ein Christkind: Am 24. Dezember 1837 wird sie am Comer See als uneheliche Tochter eines berühmten Komponisten und einer Gräfin geboren. Zunächst wird Mme X von der Großmutter erzogen, dann aber schicken die Eltern sie zur Erziehung nach Paris, anschließend ins Haus einer Freifrau nach Berlin. Dort lernt Mme X den Sohn des Hauses kennen, der einer der begabtesten Schüler ihres Vaters ist und als Pianist wie als Dirigent arbeitet. Auch Mme X ist musikalisch hochbegabt, dazu redegewandt. „Sie ist ein geniales Mädchen, ganz ähnlich ihrem Vater. In ihr ist sowohl Güte als auch Größe“, sagt ihre Mutter über sie. Im Jahr 1857 heiratet Mme X besagten Schüler ihres Vaters und bekommt mit ihm zwei Töchter. Schon als junges Mädchen – und später immer wieder gemeinsam mit ihrem Mann – trifft sie einen 24 Jahre älteren Komponisten, der sie mehr und mehr fasziniert. Im Sommer 1864 schließlich ist die Liebe so groß, dass die bei-den ein Verhältnis beginnen. Mme X wird schwanger von ihrem Geliebten. 1867 schließlich verlässt sie ihren Mann, zieht zum Geliebten, bekommt mit ihm noch zwei weitere Kinder, später heiraten sie. In den folgenden Jahren er-schaffen die beiden die bis heute berühmtesten deutschen Festspiele, die 1876 auf dem „Grünen Hügel“ in Bayreuth Premiere feiern. Mme X gibt zudem wichtige musikalische Impulse zu den Werken ihres Mannes. Als dieser 1883 stirbt, übernimmt Mme X mit 46 Jahren die Leitung der Festspiele. Sie führt ein harsches Regiment, agiert als mächtige Gralshüterin: Nichts darf an den Inszenierungen des Meisters verändert werden, kein Ton, kein Ausdruck. Kritikern begegnet Mme X mit Antisemitismus. Sie seien unfähig, minderwertig und „vom jüdischen Kunstgeist“ verdorben. Insgesamt beginnt sie in Bayreuth eine antijüdische Politik durchzusetzen.

Auch innerhalb der Familie ist Mme X eisern: Als ihre erste Tochter mit dem berühmten Komponisten um Anerken-nung als dessen Kind ringt, bleibt die Mutter hart: Sie sei in der Ehe mit ihrem ersten Mann geboren. Eine außereheliche Affäre? Habe es nie gegeben! Nichts bleibt der Tochter vom ansehnlichen Erbe, vom Ruhm des leiblichen Vaters. 1908 übergibt Mme X die Leitung der Festspiele, die sie zu einer international anerkannten Marke etablieren konnte, an ihren Sohn Siegfried. Herrin über den Grünen Hügel bleibt sie bis zu ihrem Tod am 1. April 1930. (debo)

Ms Y: Ständiger Kampf um Anerkennung 

Es ist nicht leicht mit diesem Namen, die „Tochter von“ zu sein. Beziehungsweise: „die Urenkelin von“. Ganz besonders, wenn man sich beruflich – wie irgendwie alle aus dieser Familie – in der Welt der klassischen Musik, der Festspiele bewegt. Ms Y wurde am 21. Mai 1978 in – natürlich – Bayreuth geboren. Sie ist die Urenkelin der Festspielgründer, Ur-enkelin von Mme X. Ms Y wächst als Einzel-kind auf, bei ihrer Geburt ist ihr Vater bereits 58 Jahre alt, ihre Halbschwester 33 Jahre älter als sie selbst. Vor anderen Kindern hält sie möglichst geheim, aus welcher Familie sie stammt: „Wenn mich andere früher fragten, was mein Vater beruflich macht, sagte ich immer: Er leitet einen Betrieb. Das stimmte auch, aber es war kein normaler Betrieb“, so Ms Y in einem Interview. Sie wächst mit den Opern ihres Urgroßvaters auf, steht manch-mal selbst als Kinder-Statistin auf der Bühne oder sitzt im Zuschauerraum. „Mein Vater hat mich aber nie gezwungen, bis zum Schluss zu bleiben. Ihm war es wichtig, dass ich die Opern meiner Vorfahren kennenlerne.“ Ms Y studiert Theaterwissenschaft in Berlin und arbeitet als Regieassistentin an der Berliner Staatsoper sowie bei den Bayreuther Festspielen. Ab 2001 assistiert sie ihrem Vater auch im Bereich der Festspielleitung, sucht und verpflichtet neue Regisseure wie etwa Christoph Schlingensief. Unter alldem schwelt die Debatte um die Nachfolge ihres Vaters. Schließlich erklärt sich dieser bereit, zugunsten seiner beiden Töchter – Ms Y und ihrer Halbschwester – zurückzutreten. Daraufhin reichen beide Frauen, die sich zuvor noch nie begegnet waren, im Jahr 2008 eine gemeinsame Be-werbung ein, die auch angenommen wird. Seit 2015 leitet Ms Y die Festspiele allein. (debo)

Mme X & Ms Y Heft 05/2022

Mme X

Gesucht war die Tierfilmerin und Naturschützerin Joan Root (*25. März 1936 in Nairobi; † 14. Januar 2006 in Naivasha, Kenia). Gemeinsam mit ihrem Mann drehte sie spektakuläre Aufnahmen in Afrika, kümmerte sich um kranke Tiere und engagierte sich für Naturschutzprojekte. Im Jahr 2006 wurde sie unter ungeklär-ten Umständen auf ihrem Anwesen in Kenia ermordet.

Ms Y

Die Gesuchte ist Stefanie Lang, Direktorin des Legacy Landscapes Fund. Stefanie Lang engagiert sich seit 25 Jahren an verschiedenen Stellen für den internationalen Naturschutz und gegen das Artensterben. Der Legacy Landscapes Fund finanziert Schutzgebiete dort, wo die Artenvielfalt groß und die Mittel begrenzt sind.

Mme X & Mrs Y aus Magazin 5/2022

Mme X & Ms Y

Von der Tierfilmerin zur Artenschützerin: Mme X musste schon in den 80er-Jahren miterleben, wie wichtige Naturreservate mutwillig zerstört wurden. Ms Y kämpft heute für die Artenvielfalt, die sich massiv verschlechtert: Im Schnitt stirbt alle elf Minuten eine Art aus, mehr als 100 am Tag. 

Mme X: Legendäre Filme aus Afrika

Ihr Leben widmete sie dem Tierfilm und dem Naturschutz – und es war so faszinierend und tragisch, dass es bald selbst in Hollywood verfilmt werden soll. Mme X, am 18. Januar 1936 in Nairobi als Tochter britischer Einwanderer geboren, fühlte sich eigentlich nur an einem Ort der Welt wirklich zu Hause: im afrikanischen Busch. Mit ihrem Mann teilte sie nicht nur die Leidenschaft für die dortige Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch die fürs Filmemachen. Gemeinsam drehten sie mehr als 40 Filme über Afrikas Tierwelt, viele davon preisgekrönt. Auf der Suche nach spektakulären Bildern durchquerten Mme X und ihr Mann weite Teile Afrikas mit ihrer einmotorigen Cessna oder einem Amphibienfahrzeug und flogen als erste im Heißluftballon über den Kilimandscharo. Für ihre Filme ließen sich die beiden auch gerne mal stechen, beißen oder mit Gift bespucken – wenn es gute Bilder versprach. Mme X und ihr Mann waren es auch, die die US-Zoologin Dian Fossey 1963 durch die Virungaberge zu den Gorillas führten. Mme X‘ Glück zerbrach, als sich ihr Mann in eine andere Frau verliebte und sie verließ. Mme X, die Zeit ihres Lebens extrem schüchtern und introvertiert war, blieb auf dem großzügigen Anwesen am Naivasha-See in Kenia, wo sie Dutzende kranke Tiere um sich sammelte. Nach der Trennung engagierte sie sich für Naturschutzprojekte rund um den See: Dort waren riesige Export-Rosenplantagen entstanden, für diese wurde Wasser aus dem See gepumpt, gleichzeitig die Natur mit Pestiziden vergiftet. Auch fischten die Arbeiter der Rosenplantagen den See nahezu leer, um das eigene Überleben zu sichern. Mme X versuchte, den See und die Arten, die in ihm und von ihm lebten, zu retten – bis sie am 13. Januar 2006, kurz vor ihrem 70. Geburtstag, nachts in ihrem Haus überfallen und erschossen wurde. Es gab viele Verdächtige und Motive, denn Mme X‘ Naturschutz-Engagement war vielen am See ein Dorn im Auge. Doch bis heute ist der Mord an ihr nicht aufgeklärt. „Man kann entweder Verantwortung übernehmen oder sich als Opfer der Welt fühlen. Diese Entscheidung bestimmt, wessen Macht anwächst – deine oder die von jemand anderem“, schrieb Mme X in ihr Notizbuch. Ihr Ex-Mann kehrte am Tag ihres Todes nach Naivasha zurück. Er begrub ihre Asche an einer Stelle mit Blick auf den See und pflanzte auf das Grab einen Feigenbaum.
(debo)

Ms Y: Kampf  gegen das Artensterben

Seit 25 Jahren engagiert sich Ms Y international im Naturschutz. Dabei hat sie Station in Ländern wie Jordanien, Äthiopien, Tansania, Laos, Myanmar, aber auch in Lettland, Russland und Belgien gemacht. Mehrere Jahre war sie Leiterin Naturschutz Asien beim WWF Deutschland. Durch ihre lange internationale Erfahrung hat Ms Y oft vor Ort gesehen, dass der Schwund an Biodiversität dramatische Ausmaße angenommen hat und die Lage sehr ernst ist. „Wir verlieren Arten in atemberaubender Geschwindigkeit, so schnell und so dramatisch wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte“, sagte Ms Y in einem Interview. „Im Schnitt stirbt alle elf Minuten eine Art aus, mehr als 100 am Tag.“ Dies seien nicht nur große Säugetiere wie Eisbären, Tiger oder Primaten, sondern auch Moose, Baumarten, Vögel und Insekten. Die beiden letztgenannten seien wichtige Bestäuber und damit für die Welternährung unerlässlich. „Der Erhalt der Artenvielfalt ist also zu einer Überlebensfrage der Menschheit geworden. Deshalb müssen wir eine Trendwende einleiten.“ Dafür kämpft Ms Y, die an der Uni Köln in den 90er-Jahren Sozialanthropologie studiert hat, seit 2021 als Direktorin des Legacy Landscapes Fund (LLF). Dieser Naturerbe-Fonds finanziert Schutzgebiete dort, wo die Artenvielfalt groß und die Mittel begrenzt sind, und kann dadurch wertvolle Biodiversität erhalten. Heißt: Der Fonds unterstützt Schutzgebiete finanziell auf lange Zeit, damit sie ihrer Aufgabe gerecht werden können, den dramatischen Verlust an Biodiversität zu stoppen. „Es steht mittlerweile außer Zweifel, dass wir als Menschheit nur eine Zukunft haben, wenn wir aufhören, auf Kosten der Natur zu wirtschaften“, sagt Ms Y.
(debo) 

Mme X & Ms Y  Heft 04 | 2022

Mme X

Gesucht war Eleanor Roosevelt (*11. Oktober 1884 in New York City; † 7. November 1962 ebenda). Sie war die Ehefrau des 32. US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und vom 4. März 1933 bis zum 12. April 1945 die First Lady der Vereinigten Staaten. Sie gehörte zu den Verfasserinnen und Verfassern der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Jahr 1948 und war UN-Botschafterin der USA.

Ms Y

Die Gesuchte ist die Menschenrechtsanwältin Amal Clooney, geborene Alamuddin (3. Februar 1978 in Beirut, Libanon). Die Juristin ist als Beraterin für die Vereinten Nationen tätig und setzt sich gegen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen weltweit ein. Seit 2014 ist sie mit dem Schauspieler George Clooney verheiratet.

Mme X & Mrs Y aus Magazin 4/2022

Zwei starke Frauen, die man nicht als „Ehefrau von“ abstempeln sollte: Mme X gehörte zu den Verfassern der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, Ms Y streitet heute für deren Einhaltung.

Mme X: First Lady der Menschenrechte

Nicht hübsch genug, zu wenig anmutig: Weil sie dem Schönheitsideal ihrer Mutter nicht entsprach, bekam Mme X, die 1884 in New York geboren wurde, nur wenig Liebe geschenkt. Der Vater war alkoholabhängig, mit zehn Jahren war Mme X Vollwaise. Nun war es die strenge Großmutter, die sich ihrer Erziehung annahm und die sie auch in die Gesellschaft einführte. Dort lernte Mme X einen entfernten Cousin kennen, den sie nach einigen familiären Streitigkeiten im Jahr 1905 heiratete. In den kommenden zehn Jahren gebar Mme X sechs Kinder und musste sich der dominanten Schwiegermutter unterordnen, während ihr Mann politische Karriere machte. Als er sie mit seiner Sekretärin betrog, bot sie ihm die Scheidung an. Mit Rücksicht auf die Kinder und seine Ambitionen auf das US-Präsidentenamt entschieden beide aber, freundschaftlich verbunden zu bleiben. Mme X nahm ihr Leben nun erstmals selbst in die Hand und profilierte sich zur führenden Frauenfigur der Demokratischen Partei im Staat New York. Als ihr Mann an Kinderlähmung erkrankte, wurde sie zu seinen Beinen, Ohren und Augen. Im Jahr 1933 war es schließlich so weit: Mme X wurde First Lady. Eine ihrer ersten Amtshandlungen: Sie führte eine wöchentliche Pressekonferenz ein, zu der nur Reporterinnen zugelassen waren. So waren die Zeitungen gezwungen, Frauen einzustellen. Mme X kämpfte für die Rechte der Schwarzen und der Frauen ebenso wie für die Aufnahme der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland. Als ihr Mann kurz vor Kriegsende, am 12. April 1945, starb, sagte Mme X: „Die Geschichte ist vorbei“. Doch das war keineswegs der Fall: Denn Mme X wurde Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen und gehörte zu den Verfassern der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Als diese am 10. Dezember 1948 angenommen wurde, verkündete Mme X um drei Uhr früh, dass die Menschenrechtserklärung „für Millionen von Menschen Hilfe, Wegweiser und Inspiration sein würde.“ Mme X starb am 7. November 1962 im Alter von 78 Jahren. (debo)

 

Mrs Y: Kämpferin für die Menschlichkeit 

„Die Ukraine ist ein Schlachthaus im Herzen Europas“ – mit diesen eindringlichen Worten wandte sich Ms Y kürzlich an die Vereinten Nationen. Die Menschenrechtsanwältin klagte an, dass noch immer Kriegsverbrechen in der Welt ignoriert würden. „Meine Befürchtung ist, dass Sie sich abwenden werden“, sagte sie an die Adresse der internationalen Vertreter, und „dass die Ukraine am Ende allein die Urheber dieser Gräueltaten verfolgen wird“. Der Kampf für diejenigen, denen Unrecht widerfährt, ist, was Ms Y antreibt. So vertrat sie auch Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad, eine Jesidin, die vom IS verschleppt und vergewaltigt und deren Familie ermordet wurde. Das Fachgebiet der Juristin für Internationales Recht: Die Verteidigung von Individuen gegenüber Staaten. Ms Y gilt als eine der angesehensten Juristinnen weltweit, arbeitete am Internationalen Gerichtshof in Den Haag, im Büro des Chefanklägers beim Sondertribunal für den Libanon und beim Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. Ms Y ist heute sowohl für eine Londoner Kanzlei sowie als Beraterin für Regierungen und die Vereinten Nationen tätig. Ms Y wurde 1978 in Beirut geboren, verließ aber mit ihrer Familie während des libanesischen Bürgerkrieges das Land und zog nach London. Sie studierte unter anderem in Oxford und New York und spricht fließend Arabisch, Englisch und Französisch. Zu internationaler Bekanntheit abseits der Gerichtssäle gelangte sie im Jahr 2014 durch die Hochzeit mit einem der bis dahin begehrtesten Junggesellen der Welt, einem amerikanischen Schauspieler, dessen Nachnamen sie auch annahm. Im Juni 2017 bekam das Paar Zwillinge. Seitdem wird Ms Y als Stil-Ikone gefeiert und ist regelmäßig auch auf dem Roten Teppich zu sehen. (debo)

Mme X & Mrs Y aus Magazin 3/2022

Im 19. Jahrhundert quer über die Kontinente: Mme X war ganz schön reiselustig. Über ihre Reisen schrieb sie Bücher und machte unzählige Fotos. Auch Ms Y liefert heute beeindruckende Bilder von vielen Orten der Erde – jedoch über den Fernseher.

Mme X: Im Rock um die ganze Welt

Es war im Jahr 1836, als Mme X, im Alter von 39 Jahren, das erste Mal das Meer sah. Und wie sie so in Triest am Ufer stand und auf das türkisblaue Wasser schaute, löste dies in ihr „eine kaum zu bewältigende Reiselust“ aus, wie sie selbst diesen Moment beschrieb. Und dieser Lust gab Mme X in vollen Zügen nach: 1842 reiste sie zunächst nach Palästina, Syrien und Ägypten. 1845 folgten Skandinavien und Island. Dann ging es auf Weltreise: 1846 startete sie aus ihrer österreichischen Heimat über Rio ums Kap Horn nach Chile, Tahiti, Hongkong, Ceylon, Persien, Athen. Drei Jahre später führten ihre Reisen Mme X nach London, Südafrika, Borneo, Kalifornien, Ecuador, New York. Durchaus ungewöhnlich für eine Frau zu dieser Zeit, reiste Mme X allein und oft auch zu Fuß, gekleidet in einen knöchellangen Rock. Sie hatte nur so viel Gepäck dabei, wie sie selbst tragen konnte, und scheute keine Strapazen, keine Gefahr. Besonderes Aufsehen erregte ihr eineinhalbjähriger Aufenthalt auf den indonesischen Inseln, wo sie viele Gebiete als erste Europäerin betrat. Die Freiheit, allein auf Reisen zu gehen, hatte 
Mme X, die 1797 in Wien geboren wurde, weil sie nach einer unglücklichen arrangierten Ehe von ihrem Mann getrennt lebte und aufgrund einer Erbschaft. Sie lernte für ihre Reisen Englisch und Fotografie und schrieb 13 Bücher, die in sieben Sprachen übersetzt wurden. Die Erlöse gaben ihr die Freiheit, immer neue Reisen zu planen. Kritisch blickte Mme X auf die europäischen Kolonien, sie teilte gern das einfache Leben der Einheimischen. Schließlich fehlte Mme X nur noch ein Kontinent: Australien. Auf der Reise dorthin gelangte sie nach Madagaskar, wo sie in politische Tumulte verwickelt wurde und schwer erkrankte. Sie musste umkehren („Ich brachte nichts mit mir zurück als eine gänzlich zerstörte Gesundheit“) und starb 1858 in ihrer Heimatstadt Wien. Ihren letzten Reisebericht gab posthum ihr Sohn Oscar heraus. (debo)

Ms Y: Vom Schwarzwald in die Südsee

Sie ist auf Vulkane geklettert, auf Kamelen geritten, war im Dschungel genauso wie an der Mecklenburgischen Seenplatte: Ms Y reist – und nimmt dabei Millionen Menschen vor dem Fernseher mit. In 70 Ländern auf der ganzen Welt war Ms Y schon für den WDR, als „Traumberuf“ bezeichnet sie ihren Job: „Ich liebe es, mich auf Neues einzulassen. In Welten einzutauchen, die ich vorher nicht kannte.“ Und dafür springt Ms Y auch schon mal von Brücken oder aus Flugzeugen. Sie wandert, klettert, taucht, fährt Fahrrad – in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und der Welt. 

Geboren wurde Ms Y 1974 in Freiburg, bis heute lebt sie mit Mann und ihren beiden Kindern im Schwarzwald. „Am Reisen mag ich das Ankommen genauso wie das Aufbrechen. Nach Hause kommen, dahin, wo die Familie ist, die Freunde, das Vertraute – das ist das Schönste.“ Eigentlich studierte Ms Y Anglistik und Geschichte, um Lehrerin zu werden. Auch während des Studiums zog es sie schon in die Welt: Ms Y war Gaststudentin in den USA, in der Ukraine und in Indien. 1995 gelang Ms Y der Einstieg ins Fernsehen, seit 2004 reist sie für den WDR um die Welt. Ihre schönsten Reisegeschichten kann man übrigens auch nachlesen, jüngst erschien ihr neues Buch „Und dann kommt das Meer in Sicht“. Gefragt nach ihrem Lieblingsreiseziel sagte Ms Y übrigens einmal, dass sie vor allem Südtirol sehr fasziniere, „weil es meiner eigenen Heimat mit den Bergen in Kombination mit dem mediterranen Flair sehr nahe kommt“. (debo)

Mme X & Mrs Y aus Magazin 2/2022

Am 27. März werden in diesem Jahr in Los Angeles die wichtigsten Filmpreise der Welt verliehen: die Oscars. Erstmals wurden sie im Jahr 1929 vergeben. Die verstorbene Mme X und die quicklebendige Ms Y gehören zu den erfolgreichsten Preisträgerinnen aller Zeiten.

Mme X: Keine Hollywood-Diva
Sie kümmerte sich nicht um Mode, lief – lange bevor es für Frauen üblich war – in Hosen und Pullis herum – und benahm sich auch sonst nicht so, wie man es von einem Star der klassischen Hollywood-Ära erwartete: Mme X ließ sich nie in Rollenmuster zwängen, hielt ihre Meinung nicht zurück und wurde gefeiert für ihr Talent, unkonventionelle Frauenfiguren darzustellen. Dieses Talent brachte ihr zwischen 1933 und 1981 vier Oscars als beste Hauptdarstellerin ein – damit hält sie einen Rekord, den bisher keine andere Schauspielerin brechen konnte. Mme X wurde am 12. Mai 1907 als Tochter einer Frauenrechtlerin und eines Arztes in Connecticut geboren. Nach einer Zeit am Theater und am Broadway in den 1920er-Jahren wechselte sie nach Hollywood: Für „Morgenrot des Ruhms“ erhielt sie 1933 ihren ersten Oscar. Dass ihre Karriere sich über 60 Jahre hinziehen sollte, damals nicht klar: Nach dem anfänglichen Erfolg floppten die Filme von Mme X. Bald schon galt sie als „Kassengift“. Im Jahr 1940 gelang Mme X ein selbst initiiertes fulminantes Comeback: Sie hatte sich die Rechte an dem Broadway-Stück „Die Nacht vor der Hochzeit“ gesichert und ließ es 1940 fürs Kino umsetzen – mit sich selbst in der Hauptrolle. 1942 verliebte sich Mme X bei Dreharbeiten in einen verheirateten Kollegen, er wurde die Liebe ihres Lebens. Sie heirateten nie, weil er sich nicht scheiden lassen wollte, neun Filme drehten sie zusammen. Ihren letzten gemeinsamen Film, „Rat mal, wer zum Essen kommt“, für den Mme X 1967 den zweiten Oscar bekam, sah sie sich nie wieder an.

Ein Jahr später direkt die nächste Auszeichnung, der dritte Oscar für „Der Löwe im Winter“. 1981 folgt schließlich der vierte Goldjunge für das Familiendrama „Am goldenen See“. Mit ihrer Vielseitigkeit, mit Witz und ungebremster Vitalität war Mme X auch im höheren Alter eine der profiliertesten Darstellerinnen Hollywoods. Der Dramatiker Tennessee Williams sagte über sie: „Mme X lässt einen Dialog besser klingen, als er ist.“ Als Mme X am 29. Juni 2003 im Alter von 96 Jahren starb, gingen am Broadway für einige Minuten die Lichter aus. (debo)

Ms Y: Nicht Filmstar, sondern Schauspielerin
Sie ist Mme X dicht auf den Fersen, was die Oscars angeht: Schon drei der goldenen Trophäen konnte Ms Y als beste Hauptdarstellerin gewinnen, einen vierten gewann sie als Produzentin für den besten Film. Auch sonst sind sich die beiden Frauen ähnlich: Wie Mme X begann Ms Y ihre Karriere am Theater. Und auch Ms Y ist trotz ihres großen Erfolges bodenständig und unprätentiös geblieben: „Ich bin eine Charakterschauspielerin, ganz einfach. Filmstars haben Karrieren, Schauspieler arbeiten.“ Geboren wurde Ms Y am 23. Juni 1957 in Chicago. Sie wuchs als Adoptivkind auf, studierte Schauspiel in Yale. Anschließend lebte sie in einer Wohngemeinschaft, die ihr Leben und ihre Karriere entscheidend prägte: Denn dort lebte sie mit den Coen-Brüdern Joel und Ethan, die später Regie-Legenden werden sollten. Mit Joel Coen ist Ms Y seit 1984 verheiratet. Und es war der erste Film der Coen-Brüder, der auch für Ms Y den Durchbruch bedeutete. Auch ihren ersten Oscar erhielt sie 1997 für die Rolle in einem Coen-Film: „Fargo“. Nach zahlreichen weiteren Nominierungen und Auszeichnungen bekam Ms Y ihren zweiten Oscar 2018 für „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Bei der Preisverleihung im vergangen Jahr wurde sie zum dritten Mal ausgezeichnet, für ihre Rolle und als Produzentin für „Nomadland“.

Ms Y und Joel Coen leben heute in New York City. Als Adoptivkind hat Ms Y auch selbst ein Kind adoptiert, 1994 nahmen sie und ihr Mann einen Jungen aus Paraguay bei sich auf. (debo)

Auflösung Ausgabe 1/2022: Mme X: Katherine Hepburn, Ms Y: Frances McDormand

Mme X & Mrs Y aus Magazin 01/2022

Ms Y folgt Mme X in ein Amt, in dem es erst drei Frauen gab. Doch während Mme X 
längst keine Unbekannte auf dem politischen Parkett war, muss Ms Y erst in der breiten Öffentlichkeit bekannt werden.

Mme X: Populärste Frau des Landes
„Ich habe mich in der Fraktion selber vorgeschlagen. Glauben Sie, man hätte mich sonst genommen?“ So beschrieb Mme X selbstbewusst ihren Weg ins zweithöchste Amt der deutschen Demokratie. Denn: Sie war die erste Frau in dieser Position, von 1972 bis 1976. Und das gefiel zunächst nicht jedem: Im Bundestag war ihr Aufstieg umstritten. Auch Volk und Medien mussten sich an die Frau im Amt erst gewöhnen. Die Frankfurter Allgemeine kommentierte 1972 noch ziemlich machohaft: „Mme X hat den unschätzbaren Vorteil, dass sie gut aussieht. Aber eine Kapazität, was das Geschäft der Repräsentanz des Parlaments und der Handhabe der Geschäftsordnung angeht, kann Mme X kaum sein.“ Ein Irrtum. Mit großem politischen Geschick leitete sie die Geschäfte und genoss höchstes Ansehen, laut Umfragen war sie die populärste Frau des Landes. 

Mme X wurde am 7. Oktober 1919 als fünftes Kind ihrer Eltern in Leipzig in eine sozialdemokratisch geprägte Familie hineingeboren. Das führte im Dritten Reich zu Problemen, der Vater kam in Haft, sie selbst durfte nicht weiter das Lyzeum besuchen, machte eine Lehre im Verlagswesen. Im Krieg verlor sie ihren Mann, mit dem sie gerade sechs Jahre verheiratet war und einen kleinen Sohn hatte. Nach dem Krieg begeisterte Mme X der Gedanke, die Demokratie neu aufzubauen: Sie war so angetan von den Worten des SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher, dass sie mal wieder die Sache selbst in die Hand nahm und ihm ihre Mitarbeit andiente. Sie wurde seine engste Vertraute, Büroleiterin und Haushälterin. Nach Schumachers Tod zog Mme X 1953 als SPD-Abgeordnete in den Bundestag ein. Bis 1990 wird sie ihm ununterbrochen angehören – 37 Jahre lang. In zahlreichen Organisationen setzte sie sich für die Gleichbehandlung von Mann und Frau und für die Lösung des Nahostkonflikts ein. Am 3. März 2008 starb Mme X im Alter von 88 Jahren. (debo)

Ms Y: Ruhrpottkind an der Spitze
Vielen war ihr Name bis vor Kurzem nicht bekannt. Nach Mme X und der CDU-Politikerin Rita Süssmuth ist Ms Y erst die dritte Frau im zweithöchsten Amt der Bundesrepublik. Dabei liegen zwischen ihrer Wahl im Oktober 2021 und dem Amtsantritt von Mme X immerhin fast 50 Jahre! „Die Verantwortung ist lange noch nicht gerecht auf alle Schultern verteilt“, sagte Ms Y dann auch nach ihrer Wahl.

Von unten an die Spitze – dieser Weg ist Ms Y gut bekannt: Sie wurde am 3. Mai 1968 in Duisburg geboren, sie hat fünf Geschwister. Gemeinsam spielten sie am liebsten Fußball. Nach dem Abschluss der Hauptschule fand Ms Y keinen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf: Technische Zeichnerin. Stattdessen lernte sie Schweißen an einer technischen Berufsfachschule. Als auf 80 Bewerbungen weiterhin nur Absagen kamen, schwenkte sie um: Bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft arbeitete sie sich von der Bürogehilfin und Sachbearbeiterin über Aus- und Fortbildungen einschließlich Fachstudium zur Sozialversicherungsangestellten, Krankenkassenbetriebswirtin und Personalmanagerin hoch, bis Ms Y zuletzt Abteilungsleiterin einer Betriebskrankenkasse war. 

Und auch das politische Engagement lernte Ms Y an der Basis, als Kommunalpolitikerin. Schon in der Ausbildung sprach sie für die Azubis, mit 20 Jahren trat sie in die SPD ein und schloss sich den Jusos an. Ihr politisches Herzensthema: Gesundheitspolitik, insbesondere die Pflege. Seit 2009 sitzt Ms Y im Bundestag. (debo)

Auflösung Mme X und Ms. Y Ausgabe 06/2021: Mme X: Annemarie Renger, Ms. Y: Bärbel Bas 

Mme X & Mrs Y aus Magazin 6/2021

Mme X & MsY: Was zu Zeiten von Mme X eine Sensation war, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Dennoch steht auch Ms Y für etwas, das es so vorher noch nicht gab in der Welt des deutschen Fernsehens.  

Mme X: Vorlesen war nicht ihr Ding
Am 12. Mai 1971 war das deutsche Fernsehpublikum aus dem Häuschen: Da wurden doch glatt die Nachrichten von einer Frau vorgelesen! Das hatte es bis dahin nicht gegeben. Die Nation war in Aufruhr: Proteste kamen vor allem von Zuschauerinnen, die von Mme X verlangten, sie solle sich um Mann und Kinder kümmern, statt als Nachrichtensprecherin zu arbeiten. Dabei war man im ZDF extra vorsichtig gewesen: Mme X las zuerst die Nachrichten der Spätausgabe, bevor sie zwölf Tage später für die „heute“-Nachrichten um 19 Uhr vor der Kamera stand. Doch während vor allem Frauenverbände und Aktivistinnen begeistert waren über die Frau zur besten Sendezeit, war Mme X von ihrem Job nicht sonderlich angetan: „Anderer Leute Texte vorzulesen ohne eigene Interpretation war mein Ding nicht. […] Ich wollte weg. Dann aber sähe das aus, als sei das ‚Experiment‘ Nachrichtenfrau gescheitert. Das wollte ich nicht riskieren“, sagte sie in der Rückschau. Und so blieb Mme X für 380 Folgen „heute“ beim ZDF – und eine Frau als Sprecherin wurde für das Publikum zur Selbstverständlichkeit. Mme X‘ journalistische Karriere war von vielen Stationen geprägt, sie arbeitete bei Zeitungen und Magazinen ebenso wie beim Fernsehen. Der Zeit beim ZDF folgte die Arbeit für den WDR, dann für den Stern. Für dessen Redaktion ging sie mit ihren zwei Töchtern – ihr Mann starb früh – vier Jahre nach Jerusalem, anschließend nach Washington. Bewegt und bewegend ist auch Mme X‘ Familiengeschichte: Ihr Vater, der sich vom Nazi-Begeisterten zum Mitwisser des Hitler-Attentats 1944 wandelte, wurde dafür hingerichtet und die Familie mit den fünf Kindern in Sippenhaft genommen. Die Familie geriet in Armut, Mme X musste zeitweise ins Kinderheim, bis die Mutter es ab 1949 schaffte, eine diplomatische Laufbahn einzuschlagen Sie ging mit ihren Kindern nach Stockholm, Kopenhagen und London. In ihrem Bestseller „Meines Vaters Land“ erzählte Mme X die Geschichte ihrer Familie. Übrigens: Über Jahrzehnte hielt sich das Gerücht, Mme X habe eine Affäre mit dem früheren Bundeskanzler Willy Brandt gehabt. Sie gewann mehrere Prozesse gegen Medien, die dies berichteten. Mme X starb am 20. Juni 2019 im Alter von 80 Jahren in Hamburg. debo    

Ms Y: Engagement gegen Rassismus
Nach Mme X Debüt als Nachrichtensprecherin folgten ihr viele Frauen auf diesem Posten. Doch tatsächlich hat es bis ins Jahr 2021 gedauert, bis mit Ms Y im Juli die erste schwarze Frau ihren Auftritt in den 19-Uhr-Hauptnachrichten hatte. „Mme X hat den Weg bereitet für uns Frauen. Ich hoffe sehr, dass es auch selbstverständlich wird, dass es Nachrichtenmoderatorinnen und -moderatoren aus Einwandererfamilien und schwarze Moderatorinnen und Moderatoren gibt. Es ist wichtig, dass sich in den Medien die Bevölkerung widerspiegelt. Dass die nächste schwarze Generation sieht, dass es auch schwarze Moderatoren und Moderatorinnen im Nachrichten- und Politikbereich gibt und nicht nur bei den Musiksendern“, sagte Ms Y, die im Jahr 1981 in Hamburg geboren wurde, zu ihrer neuen Aufgabe. Ihre Mutter stammt aus Deutschland, ihr Vater aus Simbabwe, allerdings wurde Ms Y kurz nach der Geburt adoptiert. Ihre Wurzeln vergaß sie nie: Nach dem Abitur arbeitete sie ehrenamtlich in Harare, der Hauptstadt Simbabwes, anschließend studierte sie Politologie und Afrikanistik. Nach verschiedenen Stationen in diversen Medienhäusern arbeitete sie ab dem Jahr 2014 als Moderatorin des Morgenmagazins beim ZDF. Ms Y engagiert sich auch im Kampf gegen Rassismus. Dazu drehte sie selbst im Jahr 2017 einen Film, der sich mit Rassismus gegenüber Schwarzen in Deutschland beschäftigt. debo

Auflösung aus Heft 05/2021: 
Gesucht war Lina Hähnle (*3. Februar 1851 in Sulz am Neckar; † 1. Februar 1941 in Giengen an der Brenz).
Im Jahr 1899 übernahm Lina Hähnle mutig den Vorsitz des neuen Bundes für Vogelschutz – zu der Zeit noch äußerst ungewöhnlich für eine Frau. Sie führte den Verein dann 38 Jahre lang und gewann durch ihre charismatische und zupackende Art viele neue Mitglieder.  

Die Gesuchte ist Luisa Neubauer (*21. April 1996 in Hamburg).
Die Klimaschutzaktivistin ist in Deutschland eine der Hauptorganisatorinnen des von Greta Thunberg inspirierten Schulstreiks Fridays for Future. Sie tritt in Talkshows auf und diskutiert mit Politikerinnen und Politikern ebenso wie mit Wirtschaftsgrößen. Sie studiert Geographie in Göttingen.    

Mme X & Mrs Y aus Magazin 5/2021

Mme X & Mrs. Y setzen sich für unseren blauen Planeten ein. Und beide hatten und haben dabei das Charisma, andere von ihrer Idee zu überzeugen und eine große Bewegung zu begründen.

Mme X: Vogelmutter mit Charisma

Stirnrunzelnd verfolgt die Männerwelt, was sich da 1899 in Stuttgart tut: Eine Frau wird Vorsitzende des neuen Bundes für Vogelschutz (aus dem 1990 der Naturschutzbund Deutschland, NABU, wird). Dass Mme X den Verband ganze 38 Jahre führen wird, ahnt da niemand. „Ich konnte die rücksichtslose Ausbeutung der Natur nicht mehr mit ansehen“, sagt sie zu ihrer Wahl. Von ihrem Mann sind folgende Worte überliefert: „Du kannst es tun und ich will es unterstützen, aber mache unserem Namen keine Unehre.“ Denn ihr Name ist kein kleiner: Mme X wird am 3. Februar 1851 in Sulz am Neckar als Tochter eines Salineninspektors geboren, der seine Tochter auf langen Spaziergängen für Flora und Fauna begeistert. Mit 20 Jahren heiratet sie ihren Vetter – der denselben Nachnamen trägt – und der sich vom Färbergesellen zum erfolgreichen Geschäftsmann hinaufgearbeitet hat. Mme X wird wohlhabende Fabrikantengattin. Im Haus herrscht ein liberaler Geist. Das Einrichten einer Krankenversicherung für ihre Arbeiter und Arbeiterinnen und einer Krippe für deren Kinder zeigt die soziale Einstellung der Familie. Bei allem Reichtum – man residiert mit sechs Kindern in zwei Villen samt eigenem Weinberg – bleibt Mme X materiell bescheiden. Ihr besonderes Charisma ist es, auf die Menschen zuzugehen: In Kürze hat sie die ersten 1000 Mitglieder des neuen Vereins zusammen. Vor allem Frauen sind von Anfang an auf allen Ebenen des Verbandes präsent. Bald zählt er, dank des starken Organisationstalentes von Mme X, 40.000 Mitglieder, die sich für den Schutz der Vögel einsetzen. Im Dritten Reich agiert Mme X nicht offen gegen das Regime, wird aber 1938 als Vorsitzende von einem treuen Nationalsozialisten abgelöst. Sie stirbt am 1. Februar 1941, zwei Tage vor ihrem neunzigsten Geburtstag. Ihr Sohn Hermann baut nach dem Krieg den „Deutschen Bund für Vogelschutz“ neu auf. (debo)

Ms Y: Mit Social Media für den Klimaschutz

Sie ist mit dem Internet, mit den Sozialen Medien aufgewachsen und nutzt sie selbstverständlich für ihre Ziele: Wenn Mrs. Y online zum Klimastreik aufruft, dann folgen ihr – in Nicht-Corona-Zeiten – Tausende junge Menschen. Nicht umsonst wird sie auch die „deutsche Greta“ genannt, bezogen auf die Schwedin Greta Thunberg, Initiatorin der Fridays For Future-Bewegung. Mrs. Y gehört zu den deutschen Gesichtern der Bewegung, äußert sich in Talkshows, trifft hochrangige Politikerinnen und Politiker sowie Wirtschaftsgrößen. Geboren wurde Mrs. Y am 21. April 1996 in Hamburg als jüngstes von vier Geschwistern. Großen Einfluss auf ihre Entwicklung in Sachen Umwelt- und Klimaschutz nahm ihre Großmutter: Diese engagierte sich in der Anti-Atomkraft-Bewegung der 1980er-Jahre und sensibilisierte Ms Y für das Klimaproblem. Als Schülerin ging Mrs. Y als Austauschschülerin nach Namibia, sie arbeitete nach dem Abitur für ein Entwicklungshilfeprojekt in Tansania und auf einem Biobauernhof in England. Mrs. Y kämpft heute vor allem gegen den Kohleabbau, tritt für einen Kohleausstieg bis 2030 in Deutschland ein: „Wir müssen aufhören, Öl, Gas und Kohle zu fördern“, sagte sie in einem Interview. Außerdem setzt sich Mrs. Y, die „Geographie: Ressourcenanalyse und -management“ an der Uni Göttingen studiert, mit großer Leidenschaft für die Bekämpfung extremer Armut in Afrika sowie die Stärkung der Rechte zukünftiger Generationen ein. Ihre wichtigste Botschaft: „Der menschengemachte Klimawandel ist real und wir erleben diese Tage die gravierenden Veränderungen, die er mit sich bringt. (…) ,Wir‘ sind auch die letzte Generation, die noch in der Lage sein wird, die schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise abzuwenden.“ (debo)

Auflösung aus Heft 4/2021
Gesucht war Antonia Brico (*26. Juni 1902 in Rotterdam; † 3. August 1989 in Denver, Colorado).
Mit ihrem Debüt 1930 bei den Berliner Philharmonikern gilt sie als die erste Dirigentin weltweit. Doch die großen Orchester buchen sie zwar als Gast am Pult – an einem großen Haus wird sie als Frau aber nie festangestellt. So gründet sie zwischenzeitlich ihr eigenes, reines Frauenorchester.

Gesucht war Joana Mallwitz (* 1986 in Hildesheim).
Schon als Kind musikalisch außerordentlich begabt, wurde Mallwitz für die Spielzeit 2014/2015 vom Theater Erfurt mit 27 Jahren als europaweit jüngste Generalmusikdirektorin berufen und trat 2018/2019 in derselben Funktion bei der Staatsphilharmonie Nürnberg als Dirigentin an.

Mme X & Mrs Y aus Magazin 4/2021

Mme X und Ms Y träumten beide von einem Beruf, der eine reine Männerdomäne war und ist. Doch während Mme X der Weg an die Spitze noch verwehrt blieb, ist Ms Y auf einem guten Weg nach ganz oben.

Mme X: Die erste am Pult

Ihr Start ins Leben war schwer: 1902 in Rotterdam geboren, wird Mme X von ihrer Mutter weggegeben. Mit ihren Pflegeeltern emigriert sie in die USA. Mit zehn Jahren erhält das musikalisch begabte Kind Klavierunterricht – dabei gibt es eigentlich nur einen Platz, wo Mme X aufspielen möchte: vor dem Orchester – als Dirigentin. Doch eine Frau am Pult? Undenkbar! Und so wird sie – parallel zu ihrem Studium – Assistentin des Dirigenten Paul Steinhoff. Später geht sie nach New York, arbeitet dort als Platzanweiserin bei den New Yorker Philharmonikern. Der Legende nach verschwindet Mme X nach Konzertbeginn stets in die Herrentoilette – weil dort die Musik am besten mitzuhören ist. 1926 kommt Mme X nach Hamburg und wird Schülerin des Dirigenten Karl Muck, die einzige, die er je akzeptierte. Gleichzeitig studiert sie weiter, diesmal an der Staatlichen Musikakademie in Berlin. Und dann, im Jahr 1930, passiert es tatsächlich: Mme X debütiert als Dirigentin mit den Berliner Philharmonikern, gilt seitdem als weltweit erste Dirigentin. Es folgen Engagements als Gastdirigentin weltweit – auch in New York am Metropolitan Opera House im Jahr 1933. Doch trotz großen Erfolges gibt es kein festes Engagement: Einer der Sänger weigert sich, mit einer Frau am Pult zu arbeiten. Um überhaupt einmal dauerhaft einem Orchester vorstehen zu können, gründet Mme X schließlich ihr eigenes, das „New York Women’s Symphony“, ein reines Frauenorchester. Doch der große Erfolg bleibt aus. „Ich habe fünf Konzerte im Jahr. Aber ich bin stark genug, um fünf im Monat zu haben! Es ist, wie wenn man einem Verhungernden nur ein kleines Stück Brot gibt“, ist von Mme X überliefert. Schließlich lässt sie sich 1942 in Denver nieder und arbeitet dort als Klavierlehrerin. Mme X stirbt 1989. (debo)

Mrs. Y: Generalmusikdirektorin mit 27 Jahren

Von den 20 besten Orchestern der Welt hatte keines je eine Chefdirigentin. Unter den 50 besten Dirigenten aller Zeiten ist – keine Frau. Die Zeiten für Frauen mit Taktstock scheinen sich auch nach der Karriere von Mme X nicht verbessert zu haben – oder doch? Hoffnung macht Ms Y! 1986 geboren, wird sie mit 27 Jahren Generalmusikdirektorin am Theater in Erfurt. Heute ist sie in gleicher Funktion am Staatstheater Nürnberg. Ihr Start am Dirigentenpult ist ein Sprung ins kalte Wasser: Mit 19 Jahren ist Ms Y als Pianistin frisch von der Hochschule ans Theater in Heidelberg gekommen. Plötzlich sind alle Dirigenten krank oder auf Reisen – die junge Musikerin übernimmt die Premiere von Puccinis „Madame Butterfly“. „Ich erinnere mich noch, dass ich zwischendurch gedacht habe, es ist eigentlich genau so, als würde ich das Stück am Klavier spielen. Nur halt nicht mit zehn Fingern, sondern mit 50 Musikern und zwei Armen“, sagt sie später. Ms Y gilt schon früh als musikalisch hochbegabt, sie spielt mit drei Jahren Klavier, kurz darauf auch Geige. Mit 13 Jahren weiß sie, dass sie Dirigentin werden möchte. Folgerichtig wird sie mit der Spielzeit 2014 jüngste Generalmusikdirektorin Europas am Theater Erfurt. Die Diskussionen um die Frauen am Pult nervt Ms Y allerdings, wie sie in einem Interview zugibt: „Ich glaube, wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, wo man einfach nicht mehr zu viel darüber reden sollte. Weil dadurch tut man, als wäre das irgendwie speziell. Es gibt keine Art, als Frau zu dirigierenoder als Frau ein Orchester zu leiten. Es ist entweder gut, oder es ist nicht gut. Und mittlerweile habe ich auch viele fantastische Kolleginnen, die einen fantastischen Job machen. Und ich bin auch optimistisch, dass es immer mehr geben wird.“ (debo)


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Madame X - Rätselhafte Bekannte

Weitere Rätsel von 2021

Mme X & Mrs. Y aus Magazin 3/2021

Beiden liegt die Gesundheit der Menschen am Herzen, und beide haben sich in einem männerdominierten Umfeld durchgesetzt. Während aber für Mrs. Y der Zugang zu ihrem Beruf selbstverständlich war, musste Mme X lange kämpfen - und gar Friedrich den Großen um Erlaubnis bitten.

Mme X: Vorreiterin für Akademikerinnen

Sie war ein zartes Kind, kränklich - doch dass in ihr ein starker Geist steckte, entdeckte ihr Vater früh und förderte seine Tochter. Der Arzt und Stadtphysikus von Quedlinburg unterrichtete Mme X, die im Jahr 1715 geboren wurde, in Naturwissenschaften, theoretischer und auch praktischer Medizin, sie erhielt Lateinunterricht. Ab ihrem 16. Lebensjahr begleitete sie den Vater zu seinen Patienten.

Mme X' größter Wunsch war ein Studium - doch das konnte sie in der damaligen Zeit nur in Begleitung ihres Bruders absolvieren. Als dieser zum Militär einberufen wurde, blieb ihr der Zutritt zur Universität versperrt. Doch Mme X gab nicht auf: Sie schrieb mit ihrem Vater einen Brief an den König, an Friedrich den Großen höchstselbst. Und sie veröffentlichte eine Schrift, in der es hieß: "Die Verachtung der Gelehrsamkeit zeigt sich besonders darin, dass das weibliche Geschlecht vom Studieren abgehalten wird."

Tatsächlich wies der König im Jahr 1741 die Universität Halle an, Mme X zur Promotion zuzulassen. Doch da diese in der Zwischenzeit einen verwitweten Diakon mit fünf Kinder geheiratet hatte, nahm sie das königliche Privileg - vorerst - nicht wahr.

Das änderte sich im Jahr 1753. Mme X war inzwischen 39, hatte selbst vier Kinder bekommen - und die väterliche Praxis übernommen. Weil sie von männlichen Kollegen wegen der fehlenden universitären Ausbildung nicht länger als Dilettantin abgestempelt werden wollte, reichte sie ihre Dissertation ein, und am 12. Juni 1754 wurde sie feierlich zum "Doktor der Arzeneygelahrtheit" erklärt.

Mme X starb im Jahr 1762 als hoch angesehene Bürgerin Quedlinburgs. Erst im Jahr 1899 werden Frauen im Deutschen Reich offiziell zu den Staatsprüfungen der Medizin zugelassen.

 

Mrs. Y: Erste an der Spitze

Für Mrs. Y, die 1965 geboren wurde, war der Zugang zum Medizinstudium mit sehr viel weniger Hürden gepflastert als für Mme X. Ein hervorragendes Abitur an einem Duisburger Gymnasium - aber weder brüderliche Begleitung noch königliche Erlaubnis waren 1984 vonnöten, um an der Universität Münster Medizin zu studieren.

Nach ihrer Approbation 1991 arbeitete sie in verschiedenen Abteilungen der Kliniken Osnabrück und erhielt 1999 die Anerkennung als Fachärztin für Innere Medizin. Die Hygiene in Krankenhäusern machte Mrs. Y, die zwei Kinder hat und mit einem Mediziner verheiratet ist, zu ihrem Thema: Nach einer entsprechenden Weiterbildung leitet sie heute als Oberärztin für Krankenhaushygiene das Hygieneteam des St. Josefs-Hospitals Rheingau in Rüdesheim.

Doch nicht nur die Hygiene, auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Ärztinnen und Ärzten und die verbesserte Versorgung der Patienten lagen Mrs. Y am Herzen, und sie beschloss, sich berufspolitisch zu engagieren.

Seit November 2019 ist sie die erste weibliche Vorsitzende des Marburger Bundes, des Verbandes der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands. Dabei rückt Mrs. Y das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient in den Mittelpunkt ihrer Arbeit, das sie durch den zunehmenden Kostendruck in der Medizin gefährdet sieht. Mrs. Y ist zudem im Vorstand der Bundesärztekammer.

 

Auflösung:

Bei Mme X handelt es sich Dorothea Christiane Erxleben, bei Mrs. Y um Susanne Johna.

Mme X & Mrs. Y aus Magazin 2/2021

Madame X & Mrs. Y gelangten durch ihre Ehemänner ins Licht der Öffentlichkeit. Und doch waren und sind beide so viel mehr als nur "die Frau von". Ohne sie wären ihre Männer nicht dort angekommen, wo sie waren und sind. Und beide hatten und haben ein Herzensthema, dem sie sich mit ganzer Kraft widmen.

Mme X: Im Einsatz für die Natur

Mindestens fünf verschiedene Pflanzen sind nach Mme X benannt - dabei platzte ihr Traum vom Biologie-Studium: Zu hoch waren in den Kriegsjahren die Studiengebühren. Stattdessen wurde die Hamburgerin, die am 3. März 1919 geboren wurde, Lehrerin. Über 30 Jahre lang arbeitete sie ab 1940 voller Engagement in diesem Beruf, finanzierte so auch das Studium ihres Mannes. 68 Jahre waren die beiden verheiratet, traten stets als starkes Duo auf.

Dabei musste Mme X einiges verkraften: Ihr erstes Kind, ein Sohn, starb im ersten Lebensjahr, vor und nach der Geburt ihrer Tochter (1947) erlitt sie mehrere Fehlgeburten. Ihrem Mann wurden zudem zahlreiche Affären nachgesagt. Seine politische Karriere und ihre damit verbundene Bekanntheit nutzte Mme X, um sich für ihr Herzensthema einzusetzen: den Schutz bedrohter Pflanzen.

Sie beteiligte sich etwa an Forschungsreisen von Wissenschaftlern. Dabei entdeckte sie im Jahr 1983 in Mexiko ein bis dahin unbekanntes Ananasgewächs. Zu ihrem 80. Geburtstag erhielt sie von der Hamburger Universität für ihre Verdienste im Bereich der Botanik die Ehrenprofessur. Noch heute kürt eine nach ihr benannte Stiftung die "Blume des Jahres". Im Oktober 2010 starb Mme X im Alter von 91 Jahren. Tausende Menschen kamen in den Hamburger Michel, um sich von ihr zu verabschieden. Übrigens: Ihren Spitznamen, unter dem sie ihr Leben lang bekannt war, gab sie sich als kleines Mädchen selbst. 

 

Mrs. Y: Im Einsatz für die Bildung

"Ich bin der Mann von ..." - so stellt sich der Gatte von Mrs. Y gerne vor. Dabei kennt ihn seit einigen Wochen die ganze Welt. Schon einmal stand Mrs. Y, die im Juni 70 Jahre alt wird, an der Seite ihres Mannes im Rampenlicht. Nach ganz oben ging es damals aber nicht. Das haben sie erst jetzt geschafft, gemeinsam.

Dabei ist für Mrs. Y klar: Als Englischlehrerin möchte sie die neu gewonnene Macht dazu nutzen, sich für die Bildung in ihrem Land einzusetzen. Und dass sie ihre Arbeit an einem Community-College aufgeben wird, nur um demnächst in Kameras zu winken, kann sich bei der als herzlich, eloquent und energiegeladen beschriebenen Mrs. Y niemand so recht vorstellen. Dass Mrs. Y eine Kämpferin ist, zeigt nicht nur, dass sie mit 55 Jahren noch eine Doktorarbeit schrieb. Sie wehrte auch zwei Aktivistinnen ab, die ihrem Mann bei einer Veranstaltung zu nahe kamen - schneller als seine Personenschützer.

Vor allem aber hat Mrs. Y für ihr Glück gekämpft. Denn dass sie mit ihrem Mann, den sie 1977 heiratete, heute ein unzertrennliches Duo bildet, war keineswegs selbstverständlich. Sie war noch Studentin in Pennsylvania, als sie den acht Jahre älteren Senator bei einem Blind Date kennenlernte. Er war ein gebrochener Mann: Bei einem Autounfall starben seine erste Frau und seine Tochter. Mrs. Y nahm die Aufgabe an, die das Leben ihr stellte: Sie zog mit ihrem Mann dessen Söhne groß, gemeinsam bekamen sie eine Tochter. Rückblickend sagt Mrs. Y: "Wie bringt man eine gebrochene Familie wieder zusammen? Genauso, wie man eine Nation zusammenbringt: mit Liebe und Verständnis und kleinen Gesten der Güte, mit Mut, mit unerschütterlichem Glauben." 

 

Auflösung:

Bei Mme X handelt es sich um Loki Schmidt. Mrs. Y ist Jill Biden. 

Mme X & Mrs. Y aus Magazin 1/2021

Mme X: Sternensucherin

Wenn es nach Mme X' Mutter gegangen wäre, dann wäre heute kein Komet nach Mme X benannt - und auch kein Mondkrater. Denn weil Mme X, die 1750 in Hannover geboren wurde, durch mehrere Krankheiten im Kindesalter kleinwüchsig und schmächtig blieb, hatte ihre Mutter für sie die Rolle der Haushaltshilfe für die Familie vorgesehen.

Doch dem Nähen, Sticken, Putzen und Kochen entkam Mme X im Alter von 22 Jahren, als sie mit ihrem Lieblingsbruder Friedrich Wilhelm nach England ging. Dort verfolgten beide zunächst eine musikalische Karriere, bevor sie sich der Astronomie widmeten.

Mme X - die dank ihres Vaters eine umfassende Schulbildung erhalten hatte - half ihrem Bruder dabei, seine Beobachtungen des Nachthimmels aufzuzeichnen, gemeinsam bauten sie Teleskope. Dann die Sensation: Der Bruder entdeckte im Jahr 1781 Uranus, einen neuen Planeten, wurde Königlicher Hofastronom. Und Mme X, als Teil seines Forschungsteams, erhielt ein jährliches Gehalt von 50 Pfund von König Georg III. Damit war sie die erste Frau, die als Astronomin tätig war und für ihre wissenschaftliche Tätigkeit ein Gehalt erhielt.

Und Mme X entdeckte auch eigene Himmelskörper: zwischen 1786 und 1797 acht Kometen, außerdem kartierte sie Sternhaufen und Nebelflecke, die heute Deep-Sky-Objekte genannt werden. Als erste Frau wurde sie 1828 mit der goldenen Medaille der Royal Astronomical Society sowie der goldenen Medaille der preußischen Akademie der Wissenschaften geehrt (1846). Am 9. Januar 1848 starb Mme X im Alter von 97 Jahren. Heute sind ein Komet, der alle 155 Jahre wiederkehrt, und ein Mondkrater nach ihr benannt. 

 

Mrs. Y: Sternendeuterin

Sie gehörte zwischen den Jahren 2000 und 2006 zum Frühstücksfernsehen dazu wie kaum eine zweite: Mit Mrs. Y startete man vor allem deshalb bestens gelaunt in den Tag, weil sie für die Zuschauer in die Sterne schaute.

Anders als Mme X suchte sie dort aber nicht nach Himmelskörpern - vielmehr war es die Sternenkonstellation, die die Astrologin des Senders RTL interessierte. Und so bekam man von Mrs. Y jeden Morgen ein Horoskop für den Tag, das natürlich je nach Sternzeichen variierte.

Mrs. Y ist übrigens - ebenso wie Mme X - in Hannover geboren worden, allerdings 212 Jahre später, am 14. Januar 1962. Sie wuchs in Kairo und Kassel auf, machte Abitur und studierte Freie Kunst. Das Studium brach sie aber zugunsten einer Karriere als Radio- und Fernsehmoderatorin ab.

In den 80er-Jahren moderierte Mrs. Y verschiedene Musiksendungen, etwa die "Disconight" auf WDR 1. 1994 wurde sie zunächst Wetterfee bei RTL, begann parallel eine Ausbildung bei einer Astrologin, wurde Mitglied des Deutschen Astrologenverbands. Ab dem Jahr 2000 arbeitete Mrs. Y dann als Astrologin im Frühstücksfernsehen, auf Astro TV und auf ihrem YouTube-Kanal. 

 

Auflösung

Mme X: Die Gesuchte ist die deutsche Astronomin Caroline Herschel (*16. März 1750 in Hannover; † 9. Januar 1848 ebenda). Zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere unterstützte sie ihren Bruder Wilhelm Herschel bei seinen Forschungen, entdeckte dann aber selbstständig eigene Himmelskörper, darunter acht Kometen, Sternenhaufen und Nebel. Heute ist ein Komet nach ihr benannt, der 35P/Herschel-Rigollet.

Mrs. Y: Die Gesuchte ist die deutsche Moderatorin und Astrologin Antonia Langsdorf (*14.1.1962 in Hannover). Einem breiten Publikum wurde sie als Astrologin beim RTL-Frühstücksfernsehen bekannt. In den 80er-Jahren moderierte Langsdorf verschiedene Musiksendungen im Radio, von der Wetterfee wurde sie dann zur Astrologin.

Stand: 21.06.2022