02. Juni 2020 Aktuelles

Geistlicher Impuls im Juni

Geistlicher Impuls im Juni: Uns Menschen ist die Schöpfung Gottes angetragen, nicht übertragen. Sie zu nutzen, nicht aber zu zerstören, ist uns Menschen aufgetragen. Foto: kfd/pixabay

Unsere Erde, ihre Schönheit, unsere Schöpfungsverantwortung - sie stehen im Mittelpunkt der Monatsimpulse. Im Juni: Die "Schöpfungsverwandtschaft" von Hildegard von Bingen und Franz von Assisi.

Wenn man es ganz genau nimmt, können sich Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) und Franz von Assisi (1181 bis 1226) nicht begegnet sein. Allerdings: Geistesverwandt waren sie schon.

Hildegard, die Nonne, Schriftstellerin, Komponistin und Naturkundlerin, die auch als "Prophetissa teutonico" bezeichnet worden ist, und Franziskus, der Kaufmannsohn, Ordensgründer, Minderbruder und Dichter, der "Poverello" genannt wurde, haben sich nicht gekannt.

Und ob Franziskus im tiefsten Umbrien vom legendären Ruf der Hildegard irgendetwas gehört hat ...?

Aber verblüffend ist es schon, wenn Hildegard schreibt:

Und das Feuer hat die Flamme und ist Lob für Gott,

und der Wind bewegt die Flamme und ist Lob für Gott.

Und in der Stimme ist das Wort, und sie ist Lob für Gott,

und das Wort wird gehört und ist Lob für Gott:

Daher ist die ganze Schöpfung Lobpreis Gottes."

Das berühmte Gedicht Franziskus' (vergleiche Gotteslob 19,2), dessen Anfang auch unser Papst vor Jahren für seine Enzyklika "Laudato si" (2015) übernommen hat, macht die Seelenverwandtschaft der beiden Heiligen deutlich. Es ist weniger "Seelen-", sondern vielmehr eine "Natur-", eine "Schöpfungsverwandtschaft".

All das, was die Schöpfung, Natur und Nachhaltigkeit angeht, ist - das zeigen die Frau Hildegard und der Mann Franziskus ‒ keine Gender-Frage.

Es geht ausschließlich um die Schöpfung Gottes. Uns Menschen ist die Schöpfung Gottes angetragen, nicht übertragen. Sie zu nutzen, nicht aber zu zerstören, ist uns Menschen aufgetragen.

"Frauen, wem gehört die Welt?"

Auf die Schöpfung als Eigentum haben weder die Generation unserer Eltern, noch unsere, noch die Generation unserer Kinder und Enkel ein Recht. Daher sind weder Vorwürfe noch Ansprüche, von wem auch immer, der richtige Weg.

"Frauen, wem gehört die Welt?" Dieses Motto unserer diesjährigen kfd-Aktionswoche im September könnte als ein solcher Anspruch verstanden werden. So ist es aber nicht!

Sondern gerade auch verbunden mit dem Gedanken des Pilgerns zeigt es die nachdenkliche Frage auf, die sich Frauen - aber nicht nur sie - stellen.

Damals, vor rund 850 Jahren, stellte sich Hildegard von Bingen die Frage und fand die Antwort im Lobpreis Gottes. Heute stellen wir als Frauenverband die Frage neu und ahnen, nein, wissen um die Antwort:

Die ganze Schöpfung ist Lobpreis Gottes! Und sie muss es auch bleiben. Also, meine lieben kfd-Frauen: "Wem gehört die Welt?"

Pater Dominik Kitta OPraem
(Präses des kfd-Bundesverbandes)

Kontakt
Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands Bundesverband e.V.

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Stand: 02.06.2020
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