Das ganze Jahr Advent

Maria und Josef, Hirten, Engel, Könige, Schafe, Schweine, Kamele – rund 160 Figuren hat Krippenbaumeisterin Annette Hiemenz in den vergangenen Jahren von Hand gebaut. Fertig ist ihre Krippe in einer Kirche in NRW aber wohl nie: Jedes Jahr wächst sie weiter.

Von Isabelle De Bortoli

Bei Annette Hiemenz im Wohnzimmer ist das ganze Jahr Advent. Eine große Fachwerk-Heimatkrippe belegt die Ecke neben der Couch, auf der Heizung trocknet derweil ein Elefanten-Rohbau aus Papiermaschee. An seinen Ohren schaut noch das Untergerüst aus Draht hervor.

Auch im Obergeschoss finden sich weitere Krippen. "Das Krippenbauen ist meine große Passion - und der gehe ich das ganze Jahr über nach", sagt Annette Hiemenz. "Schließlich müssen in der Adventszeit, wenn die Krippe aufgebaut wird, alle Figuren fertig sein, und auch die Kulissen erweitere ich Jahr für Jahr."

"So lange ich lebe, wird diese Krippe vermutlich nicht fertig."

Wenn Annette Hiemenz von "der Krippe" spricht, dann meint sie damit die Krippe in der Hildener Erlöserkirche in Nordrhein-Westfalen. Und die ist keinesfalls ein Stall mit einigen Figuren. Sie ist eine Landschaft, die den halben Altarraum einnimmt, die mit Hunderten kleinen und großen Figuren Geschichten auch abseits der eigentlichen Weihnachtsgeschichte erzählt, und die inzwischen vier Wochen lang Besucher von nah und fern anlockt.

Die Krippenlandschaft sowie die erste Szene "Herbergssuche" mit den entsprechenden Figuren baut Annette Hiemenz in der Woche nach dem dritten Advent auf, drei Tage nimmt das in Anspruch, anschließend verändert sie die Krippe jeden Tag ein wenig. Die Szenen wandeln sich bis zur Flucht nach Ägypten: "Die Krippe lebt."

Und so werden auch die Hauptfiguren immer wieder ausgetauscht: "Ich habe inzwischen sieben Marien gemacht, darunter eine sehr erschöpfte Maria nach der Geburt oder eine stillende Maria", sagt Annette Hiemenz. "Ich wollte Maria als junge und sehr liebevolle Mutter zeigen. Ich beschäftige mich lange mit jeder Figur, überlege, was sie ausdrücken soll, wie sie zu den Betrachtern sprechen soll, welche Geschichte sie hat - vom Schweinehirten bis zur Königin von Saba."

Die Krippe lebt

Viele der 150 Figuren haben einen theologischen Bezug, der Keltertreter etwa erinnert an den erwachsenen Jesus, der Winzer selbst kann als Symbol für Gott gesehen werden. Für die vielen Tiere geht die Krippenbaumeisterin regelmäßig in die Natur, beobachtet Schafe und Esel, macht Fotos und Skizzen.

"Am liebsten hätte ich ja ein Schaf hier im Garten, das ich anfassen könnte, während ich die Figur baue", sagt sie und lächelt vergnügt. "Für den Schäferhund habe ich Menschen aus der Gemeinde mit so einem Hund besucht."

Ganz am Anfang im Jahr 2003 fertigte Hiemenz ihre Figuren aus Plastikflaschen, heute wird ein Drahtgestell nach einer Zeichnung gefertigt, das mit Papiermaschee überzogen wird. Zum Schluss kommen Farbe und zum Teil Kleider aus Stoff. "Ich mache das ehrenamtlich - und es wird mir natürlich sehr gedankt", sagt die Krippenbaumeisterin. "Manchmal wünsche ich mir allerdings einen entspannten Advent, bei dem ich auch mal zum Plätzchenbacken komme."

Eine Krippe ist für mich Ausdruck des lebendigen Glaubens."

Die Krippe in Annette Hiemenz' Wohnzimmer zeigt übrigens ein Fachwerkhaus im Siegerland, von dort stammt die 54-jährige Mutter von drei Kindern. Die künstlerische Begabung wurde Annette Hiemenz in die Wiege gelegt: Ihre Großtante war Künstlerin, Vater und Onkel alle gestalterisch begabt.

"Die Krippe habe ich im Meisterkurs gebaut. Das Krippenbauen hat in Süddeutschland eine große Tradition, vor allem werden dort auch wirklich neue Krippen gebaut, oft mit Naturmaterialien. Eine Krippe ist für mich Ausdruck des lebendigen Glaubens und die Möglichkeit, Gott im Leben einen Platz einzurichten."

Weitere Informationen:

Mehr über die Krippe von Annette Hiemerz erfahren Sie auf der Website der Evangelische Kirchengemeinde Hilden/ Rheinland - Erlöserkirche: www.krippe-erloeserkirche.de

Stand: 02.12.2019