Ich sehe für die kfd eine gute Zukunft

Die scheidende Bundesvorsitzende Maria Theresia Opladen über die Meilensteine ihrer Amtszeit

Neun Jahre stand Maria Theresia Opladen an der Spitze der kfd. Bei den anstehenden Neuwahlen im Juni wird sie - genau wie ihre beiden Stellvertreterinnen Irmentraud Kobusch und Anna-Marie Mette - nicht wieder antreten. Im Interview mit Nikola Hollmann zieht die scheidende Bundesvorsitzende eine Bilanz ihrer Amtszeit.

Frau Opladen, nach neun Jahren geht Ihre Zeit als Bundesvorsitzende der kfd zu Ende. Welche Themen waren Ihnen besonders wichtig?

Zum einen die Stellung der Frau innerhalb unserer katholischen Kirche, ihre Anerkennung, ihre Wertschätzung, ihre Möglichkeiten. Zum anderen die gesellschaftspolitischen Themen unter dem Oberbegriff "Gleichberechtigung von Mann und Frau" oder "Gestaltung von Familie". Aber auch: Wie werden die katholischen Verbände in Zukunft aussehen? Wird die kfd - eine Gemeinschaft von Frauen - eine Zukunft haben? Was müssen wir dazu beitragen?

Wie schätzen Sie das ein?

Es wird oft behauptet, dass Verbände keine Zukunft mehr haben, und es gibt leider auch Stimmen in der Deutschen Bischofskonferenz, die das schon einmal sagen. Ich sehe für die kfd eine gute Zukunft, wenn es ihr weiter gelingt, folgende Dinge zu tun: Erstens Gemeinschaft für Frauen vor Ort zu sein. Ich bin davon überzeugt, dass in der heutigen Zeit und gerade auch für Frauen Gemeinschaft wichtiger ist denn je. Das Zusammenfinden, das gemeinsame Sprechen, das gemeinsame Tun, um Beispiele zu nennen. Das Zweite ist die Lobby-Arbeit für Frauenthemen. Da sind wir unverzichtbar. Es gibt kaum einen anderen Verband, so habe ich es in den letzten Jahren erlebt, der sich so deutlich und so klar in der Kirche und in der Politik für die Belange der Frauen eingesetzt hat.

Wenn Sie auf Ihre Amtszeit zurückblicken - worauf sind Sie stolz?

Ganz klar die Mütterrente, um einen konkreten Erfolg im gesellschaftspolitischen Bereich zu nennen. Aber wir haben auch einen großen Beitrag dazu geleistet, dass allgemein Themen, die die Gleichberechtigung der Frau betreffen, in der politischen Wahrnehmung weit nach vorne gerückt sind: Entgeltgleichheit oder das Recht auf Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit beispielsweise. In der Kirche tun wir uns ein bisschen schwerer, aber ich sehe auch da Bewegung, die mich hoffnungsvoll stimmt. Ich glaube, dass Papst Franziskus eine wichtige Rolle spielt, dass aber auch die deutschen Bischöfe - wenn auch nicht alle - wissen, dass es ohne Veränderung nicht gehen wird. Beim Thema Frauen in Leitungspositionen innerhalb der Kirche gibt es noch keine großen, aber doch schon spürbare Erfolge.

Welche Veränderungen wünschen Sie sich für Frauen in der katholischen Kirche?

Ich wünsche mir eine selbstverständliche Beteiligung von Frauen, beratend in allen Gremien, in Leitungsfunktionen - auch innerhalb der Pfarrei. Und natürlich wünsche ich mir, dass ihr diakonisches Tun in der Kirche Anerkennung erfährt und durch die Weihe bestärkt wird. Dass der Diakonat der Frau kommt. Ich glaube auch, dass sich etwas bewegen wird. Es muss!

Gibt es auch Bereiche, wo Sie enttäuscht sind, weil sich Dinge nicht so entwickelt haben, wie Sie sich das gewünscht hätten?

Enttäuscht bin ich über die mangelnde Bereitschaft mancher Bischöfe, aber auch Priester, innerhalb unserer Kirche wirklich für Frauen einzutreten und aktiv dafür zu sorgen, dass mehr Wertschätzung und Gleichberechtigung einziehen. Ich hatte mir mehr Offenheit dafür erwartet. Glücklicherweise habe ich aber auch viel positive Unterstützung unserer Anliegen erfahren.

Es liegt dann eben auch an den konkreten Menschen ...

Das ist so. Aber eines ist klar: Wenn die Verantwortlichen unserer Kirche nicht erkennen, dass es bei der Frage "Frauen in der Kirche" vorangehen muss, werden sie in wenigen Jahren feststellen, dass gerade die Zahl der weiblichen Gläubigen stark abnimmt. Ich sehe die Gefahr, dass jüngere Frauen ihren Glauben nicht in einer Kirche leben wollen, die sie als "Männerkirche" empfinden.

Sie haben im Laufe der Jahre sehr viele Menschen kennengelernt. Welche Begegnungen haben Sie besonders fasziniert oder beeindruckt?

Am meisten haben mich in den neun Jahren die Begegnungen mit den Frauen der kfd fasziniert, und zwar auf allen Ebenen. Ich bin immer noch begeistert von dem Engagement, dem Ideenreichtum, der Freude, der Lebhaftigkeit der Frauen, die ich kennengelernt habe. Das ist auch für mich persönlich sehr, sehr wertvoll gewesen. Ein besonderes Erlebnis war meine Begegnung mit Papst Benedikt XVI. bei einer Audienz in Freiburg während seines Deutschlandbesuches. Den Papst persönlich zu treffen - das hat mich sehr berührt.

Die kfd ist also zukunftsfähig, wie Sie eben ausgeführt haben. Gibt es dennoch etwas, das Sie Ihren Nachfolgerinnen mit auf den Weg geben würden? Gibt es noch Entwicklungspotenzial, das Sie bereits sehen?

Die kfd muss auch in den nächsten Jahren bei den kirchenpolitischen Themen ganz nah dranbleiben und ihre Rolle als Fürsprecherin der Frauen und damit aber auch ihrer Kirche wahrnehmen. Da haben wir als größter katholischer Verband eine besondere Verantwortung und dürfen nicht nachlassen. Aber entscheidend ist natürlich, dass wir unsere Frauen, unsere Basis nicht aus dem Blick verlieren. Wir müssen weiterhin und noch mehr gute Kontakte mit den Diözesanverbänden pflegen. Die Zusammenarbeit war gut, ich könnte sie mir aber noch intensiver, noch gemeinschaftlicher vorstellen. Und wir müssen entscheidend darauf achten, dass es uns weiter gelingt, Frauen vor Ort anzusprechen und ihnen zu vermitteln, warum ein Verband wie die kfd für sie wichtig ist.

Die kfd befindet sich nach wie vor in der Mitgliederwerbekampagne, die Sie in Ihrer Amtszeit angestoßen haben. Wenn Sie also eine Frau vor Ort für die kfd gewinnen möchten, was würden Sie ihr sagen?

Das kommt auf mein Gegenüber an. Zu der einen Frau würde ich über die Gemeinschaft vor Ort sprechen, die das Gemeindeleben mitgestaltet, zu der anderen über unsere politische Lobbyarbeit, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wir haben viele Themen. Deshalb ist die Mitgliederwerbekampagne auch so wichtig. Mit ihr ist es uns gelungen, innerhalb des Verbandes eine Bewegung zu erzeugen und mit interessanten Anregungen, mit pfiffigen Ideen, mit Kreativität zu zeigen, wie lebendig und zukunftsorientiert die kfd ist. Das hat uns nicht nur 25.000 neue Mitglieder gebracht, sondern war auch für alle anderen Mitglieder sehr wichtig. Viele haben sich neu für ihren Verband begeistern lassen und können nun gut auf andere zugehen und diese Begeisterung teilen. Wichtig ist: Die Mitgliederwerbung muss weitergehen, sie muss ein ständiges Projekt jedes Diözesanverbandes, jeder Pfarrgruppe sein.

Da bleibt mir eigentlich nur noch eine Schlussfrage. Wenn Sie einen Wunsch für die kfd frei hätten ...?

Ich wünsche der kfd, dass sie eine einflussreiche, angesehene und interessante Ansprechpartnerin für Kirche, Politik und Gesellschaft bleibt, die mit mutigen und wohldurchdachten Vorschlägen die Zukunft für Frauen mitgestaltet. Vor allen Dingen aber wünsche ich ihr weiter viele interessante, engagierte, kreative und liebenswerte Frauen, die in ihr eine Heimat sehen.

Stand: 20.12.2017