08. Oktober 2012 Presse

Viele Chancen blieben bisher ungenutzt: Katholische Frauengemeinschaft zum Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren

"Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Kirche zur Welt geöffnet. Im Kirchenverständnis, in der Liturgie oder auch der Ökumene wurden tiefgreifende Veränderungen angestoßen, die uns heute ganz selbstverständlich erscheinen. Dennoch blieben viele Chancen, die sich damals eröffnet haben, bis heute ungenutzt", erklärt Maria Theresia Opladen, Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), zum 50. Jahrestag des Konzilsbeginns. Am 11. Oktober 1962 eröffnete Papst Johannes XXIII. in Rom die bisher letzte beschlussfassende Versammlung aller katholischen Bischöfe. Rund 2.500 von ihnen nahmen an den Debatten über die Neuausrichtung der katholischen Kirche in der modernen Welt teil.

Schon bei der Ankündigung des Konzils lag damals Aufbruchsstimmung in der Luft. Als das Konzil drei Jahre später zu Ende ging, waren vier Konstitutionen, neun Dekrete und drei Erklärungen beschlossen. Vor allem die katholischen Frauen hofften, dass es zu den von ihnen eingebrachten Anliegen neue Entwicklungen geben würde. Schon im Vorfeld des Konzils hatte die kfd über ihre Mitgliederzeitschrift "frau und mutter" dazu aufgefordert, Wünsche und Erwartungen zu formulieren, die der damalige Kardinal Frings mit in die Diskussion nahm. "Das Zweite Vatikanische Konzil begründete das 'Aggiornamento', die 'Verheutigung' des Evangeliums in der jeweiligen Zeit. Das verpflichtet stets auf Neue. Gerade in Bezug auf die Hoffnungen der Frauen nach mehr Gleichberechtigung sind Auftrag und viele Herausforderungen geblieben", erläutert Opladen und verweist in diesem Zusammenhang auf den von den deutschen Bischöfen angestoßenen Dialogprozess. In dem Positionspapier "Frauen geben Kirche Zukunft", mit dem sich die kfd in die aktuellen Gespräche einbringt, sieht sie auch einen Beitrag zur Entwicklung einer zukunftsfähigen Kirche. Darin setzt sich der Verband ein für eine Pastoral der Barmherzigkeit gegenüber Geschieden-Wiederverheirateten, eine Beteiligung von Frauen an Leitungsentscheidungen in der Kirche, den Diakonat für Frauen, eine lebensnahe Sexualmoral und Fortschritte in der Ökumene.

Der Paradigmenwechsel der katholischen Kirche zum "Aggiornamento" ist auch Thema einer Tagung, die die kfd vom 23. bis zum 25. November 2012 in Mainz veranstaltet. Unter dem Motto "Einheit wahren – Vielfalt wagen. Diversität als Herausforderung einer nachkonziliaren Kirche" wird dieser richtungsweisende Perspektivwechsel grundsätzlicher erläutert und im Blick auf die heutigen Zeichen der Zeit konkretisiert. Gerade in Bezug auf den kirchenpolitisch bedeutsamen Dialogprozess sucht die kfd mit dieser Grundsatztagung einen Austausch über gesellschaftliche Entwicklungen, die alle betreffen. Neben den Verantwortlichen aus den eigenen Reihen lädt der Verband ausdrücklich auch interessierte Frauen und Männer ein.

Hintergrund:
Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) ist mit rund 600.000 Mitgliedern der größte katholische Verband in der Bundesrepublik. Sie setzt sich für die Interessen von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft ein. Weitere Informationen unter www.kfd.de.

Kontakt
Saskia Bellem

Pressesprecherin

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Stand: 08.10.2012