Fortpflanzungsmedizin

Ethische Fragen am Lebensanfang

Frauen sind von reproduktionsmedizinischen Maßnahmen gesundheitlich, seelisch und sozial anders betroffen als Männer. Ihr Lebens- und Erfahrungswissen muss bei der ethischen Bewertung der Fortpflanzungsmedizin und bei der Erarbeitung rechtlicher Schutzstandards berücksichtigt werden.

Menschliches Leben beginnt mit der Kernverschmelzung von Eizelle und Spermium. Es entwickelt sich von diesem Zeitpunkt an als Mensch, nicht zum Menschen."

So steht es im kfd-Positionspapier "Frauen im Spannungsfeld von Fortpflanzungsmedizin, Gesellschaft und Ethik".

Christliche Werte bestimmen die politischen Positionen der kfd. So setzt sie sich für den Schutz und die Würde des Lebens sowie die Bewahrung der Schöpfung ein.

Die kfd befürwortet nachdrücklich eine medizinische Forschung, die dem Ziel dient, Krankheiten zu heilen. Jedoch gebietet es der Respekt vor der Menschenwürde, dass der Forschungsfreiheit ethische Grenzen gesetzt werden, die gesetzlich geschützt sind.

Recht auf "gesundheitliche Unvollkommenheit"

Keine medizinische Forschung darf das Tabu brechen, menschliches Leben zu instrumentalisieren. Jeder Mensch - egal ob jung oder alt - hat das Recht auf "gesundheitliche Unvollkommenheit". Es kann keine Garantie auf ein Leben ohne körperliche, seelische oder geistige Einschränkungen geben, so die Position der kfd.

Zu den humanitären Pflichten unserer Gesellschaft gehört es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Eltern erleichtern, ein krankes oder behindertes Kind anzunehmen.

Wir dürfen unser Menschenbild nicht dahingehend verändern, dass wir nur noch leistungsfähige Menschen ohne Beeinträchtigungen akzeptieren, weil Menschen mit Beeinträchtigungen die Solidargemeinschaft zu viel kosten könnten.

Pränataldiagnostik

Der unbedingte Wunsch nach einem gesunden Kind wird hervorgerufen durch gesellschaftliche Strömungen, die Menschen mit Behinderungen als störend und belastend einordnen und damit ausgrenzen. So prägen intensive Untersuchungen an Ungeborenen einen vorwiegend medizinischen Umgang mit schwangeren Frauen.

Die kfd tritt der Tendenz entgegen, dass es notwendig sei, eine Schwangerschaft vermeintlich lückenlos überwachen zu können. Die heute selbstverständlichen pränatalen Untersuchungen führen häufig zu Verunsicherung und setzen Schwangere unter enormen psychischen Druck.

Eigenverantwortung fördern und unterstützen

Die kfd setzt sich dafür ein, die Eigenverantwortung von schwangeren Frauen weiter zu fördern und zu unterstützen. Sie möchte werdende Eltern und ihre Angehörigen unterstützen, kritisch nachzufragen und gut zu überlegen, welche vorgeburtlichen Untersuchungen für sie richtig und sinnvoll sind.

Die kfd verweist auf das Angebot der Schwangerschaftsberatungsstellen, die Frauen und ihren Partnern kostenlos Unterstützung und ergebnisoffene Beratungen anbieten, vor, während und nach der Geburt eines Kindes. 

Materialien

  • Frauen im Spannungsfeld von Fortpflanzungsmedizin, Gesellschaft und Ethik kfd-Positionspapier aus dem Jahr 2002 zu ethischen Fragen der Präimplantationsdiagnostik und Pränataldiagnostik, der In-Vitro-Fertilisation, der Herstellung embryonaler Stammzellen und des therapeutischen und reproduktiven Klonens. 2 MB Download
  • Leitlinien '99: Herausforderung Gerechtigkeit Beschlüsse der Delegiertenversammlung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands. 190 KB Download

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Hintergrund

Pränataldiagnostik (PND) umfasst während der Schwangerschaft alle Aussagen oder Prognosen über die Gesundheit des ungeborenen Kindes. Die Grenzen zwischen Schwangerschaftsvorsorge, die das Wohlergehen der Mutter und den Verlauf der Schwangerschaft in den Blick nimmt, und der Pränataldiagnostik sind fließend.

Liefert die PND Hinweise auf Krankheiten oder eine Behinderung beim ungeborenen Kind, geraten Schwangere sehr häufig in einen Konflikt, bei dem es auch um die Frage geht, ob sie die Schwangerschaft abbrechen. 

Stand: 23.05.2019
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