30. November 2012 Presse

kfd setzt neue Impulse für die Gleichstellung von Frauen und Männern - Bundesfamilienministerin spricht bei der Abschlussveranstaltung der Symposienreihe "Neuer Blick auf alte Fragen"

kfd-Bundesvorsitzende Maria Theresia Opladen begrüßt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. Foto: kfd/Kay Herschelmann

Wie kann es sein, dass Rentnerinnen heute bei vergleichbarer Lebensleistung bis zu 60% weniger Alterseinkommen haben als Männer gleichen Alters? Warum arbeiten so viele Frauen in der Lebensmitte trotz guter Ausbildung in Minijobs? Wieso zögern junge Paare die Familiengründung aus Angst um ihre Erwerbschancen hinaus? Um diese und weitere Fragen der Gleichstellung ging es bei einer Veranstaltungsreihe der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), die heute in Berlin ihren Abschluss fand. In vier Symposien mit zahlreichen Workshops warfen kfd-Frauen und andere gesellschaftspolitisch Interessierte einen "Neuen Blick auf alte Fragen". So lautete das Motto der Reihe, die im Oktober letzten Jahres gestartet war.

Basis des Diskussionsprozesses ist der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Dieser bewertet die Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf. "Genau diese Perspektive ist fruchtbar, um neue Antworten auf die alten Fragen zu erhalten", erläutert die kfd-Bundesvorsitzende, Maria Theresia Opladen. "Gerade in den Übergängen zwischen unterschiedlichen Lebensphasen werden wichtige Weichen gestellt, die für die Chancengleichheit bei der Lebensgestaltung ausschlaggebend sind. Weder Frauen noch Männern dürfen langfristig Nachteile entstehen, wenn sie phasenweise zugunsten von Erziehung und Sorge für Angehörige ihre Erwerbsarbeit einschränken." Entsprechend waren die Symposien nach Lebensphasen gegliedert.

Auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder unterstützt die Anliegen der kfd. "Die größte gleichstellungspolitische Baustelle ist und bleibt die Arbeitswelt. Denn hier liegt der Dreh- und Angelpunkt für Aufstiegschancen und Einkommensperspektiven. Fakt ist, dass ein Kind leider oft geradezu disqualifizierend wirkt, wenn es um Chancen und Perspektiven geht. Das betrifft insbesondere gut bezahlte Führungspositionen. Anders ausgedrückt: Karriere wird nach Feierabend gemacht, und dafür bezahlen diejenigen mit eingeschränkten Aufstiegschancen, die nach Feierabend nicht Karriere, sondern die Kinder bettfertig machen", sagte sie während der Abschlussveranstaltung, bei der junge Frauen zwischen Berufseinstieg, Karriereplanung und Familiengründung im Mittelpunkt standen.

Weitere Ergebnisse des letzten Symposiums: Jüngere Menschen stehen vor der Herausforderung, dass tradierte Rollenmuster nicht mehr greifen und in der je eigenen familiären Situation immer wieder neu ausgehandelt werden muss, wie Erwerbs- und Sorgearbeit unter einen Hut gebracht werden können. Wichtigste Grundlage hierfür ist nach Ansicht der kfd eine qualitativ gute und verlässliche Kinderbetreuung. Darüber hinaus hilft hauswirtschaftlicher Unterricht in den Schulen jungen Familien bei der Bewältigung der Aufgaben. Auch Öffnungszeiten von Kindertagesstätten, Nahversorgern und lokalen Einrichtungen, öffentlicher Nahverkehr, erreichbare Einkaufsmöglichkeiten und Arztpraxen beeinflussen die Lebensqualität junger Familien entscheidend.

Die vorherigen Veranstaltungen hatten sich mit den Biografien von Frauen in der Lebensmitte und im Alter beschäftigt. Die Frauen im Alter zwischen 40 und 65 Jahren sind heute überwiegend erwerbstätig, allerdings oft in Teilzeit oder Minijobs, denn viele von ihnen leisten einen Großteil der Hausarbeit und sorgen für pflegebedürftige Angehörige. Vor diesem Hintergrund befürwortet die kfd ein Rückkehrrecht von Frauen und Männern im Rahmen des bestehenden Teilzeitgesetzes. Auf diese Weise könnten familiäre Aufgaben mit einer höheren Erwerbsarbeitssicherheit abgefedert und neu verteilt werden. Darüber hinaus fordert der Verband eine bezahlte kurzfristige Freistellung von zehn Tagen, um akut entstandene Pflegesituationen meistern und organisieren zu können.

Die Biografieverläufe von heute 50- bis 70-jährigen Frauen zeigen, dass diese ihre Berufstätigkeit in der Regel zehn Jahre und mehr unterbrochen haben, um ihre Kinder zu erziehen. Danach sind sie, wenn überhaupt, oft nur in geringfügiger Beschäftigung wieder in ihre Berufe zurückgekehrt. In der Folge haben viele von ihnen ein wesentlich geringeres Alterseinkommen zur Verfügung als Männer. Vor diesem Hintergrund erneuert die kfd ihre Forderung nach drei Rentenpunkten auch für die Kinder, die vor 1992 geboren wurden. Auch Pflegezeiten müssen aus Sicht des Verbandes bei den Rentenanwartschaften deutlich stärker berücksichtigt werden. Neue Wohnformen im Alter, eine gute Infrastruktur vor Ort und ausreichende Pflegedienstleistungen sind zunehmend wichtige Kriterien für die Lebensqualität dieser Generation.

Hintergrund:
Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) ist mit rund 600.000 Mitgliedern der größte katholische Verband in der Bundesrepublik. Sie setzt sich für die Interessen von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft ein. Weitere Informationen unter www.kfd.de.

Kontakt
Saskia Bellem

Pressesprecherin

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Stand: 30.11.2012