18. März 2021 Presse

Das System muss dringend verändert werden

Unmittelbar nach Vorstellung des Missbrauchsgutachten im Erzbistum Köln hat Kardinal Woelki personelle Konsequenzen gezogen. Foto: pixabay

Katholische Frauen sind sich einig: Eine rein juristische Begutachtung reicht nicht aus. Statement anlässlich der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens im Erzbistum Köln

Betroffene sexualisierter Gewalt müssen im Mittelpunkt stehen und die Machtstrukturen in der katholischen Kirche grundlegend verändert werden.

Das fordern anlässlich der heutigen Veröffentlichung des Gutachtens der Kanzlei Gercke & Wollschläger im Erzbistum Köln der kfd-Diözesanverband Köln e.V., der KDFB-Diözesanverband Köln sowie Maria 2.0 Rheinland. Der kfd-Bundesverband sowie der KDFB unterstützen die Forderungen.

Die Pressekonferenz hat deutlich gezeigt, dass eine rein juristische Begutachtung der Vorgänge nicht ausreicht - auch im Hinblick auf die katastrophale Aktenlage.

"Sexualisierte Gewalt in jeder Form ist eine Sünde, kein Kavaliersdelikt!"

"Das Erwartbare ist passiert. Die noch im Erzbistum in Amt und Würden stehenden Kleriker, denen Pflichtverletzungen nachgewiesen wurden, sind suspendiert. Damit allein ist es jedoch nicht getan. Was uns besonders bestürzt: Bei Lai*innen wurden sofort arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen; bei Klerikern nicht. Um es deutlich zu sagen: Sexualisierte Gewalt in jeder Form ist eine Sünde, kein Kavaliersdelikt", sagt Elisabeth Bungartz, Vorsitzende des kfd-Diözesanverbands Köln.

"Der Missstand liegt vor allem im System. Die katholische Kirche als Institution muss alles tun, um solche Straftaten zu verhindern und Täter*innen zu ahnden. Das heißt konkret: Strukturen müssen verändert werden, Hierarchie muss abgebaut werden und die Bistumsleitung muss, auch hier in Köln, die Verantwortung für den Transformationsprozess übernehmen", so Rotraut Röver-Barth, Vorsitzende des KDFB-Diözesanverbands Köln.

Ehrlicher und aufrichtiger Wille zur Aufklärung ist erforderlich

"Die Kirche ist nicht in der Lage, Straftaten und deren Vertuschung in ihren Räumen selbst aufzuklären. Das hat Köln gezeigt. Nur eine unabhängige Wahrheits- und Gerechtigkeitskommission kann Licht in das Dunkel bringen. Die Tragödie, die wir in Köln erleben, wird sich in anderen Bistümern wiederholen. Köln sollte eine Mahnung für die deutschen Bischöfe sein", sagt Maria Mesrian, Sprecherin von Maria 2.0 Rheinland.

Die katholischen Frauen sind sich einig, dass ein Neuanfang in der katholischen Kirche dringend nötig ist. Nur mit dem ehrlichen und aufrichtigen Willen zur Aufklärung, dem Schuldeingeständnis der Täter, der Übernahme von persönlicher Verantwortung und dem unbedingten Willen aller Beteiligten vor allem strukturell präventiv zu handeln, kann dies gelingen.

Kontakt
Julia Kaballo

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Stand: 18.03.2021
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