Ethik

Organspende

kfd-Aktion "Beibehaltung der Zustimmungslösung"

Die Entscheidung, ob jemand nach seinem Tod Organe spenden möchte, ist in Deutschland freiwillig. Die kfd setzt sich dafür ein, dass das auch so bleibt.

Aktuell gilt in Deutschland: Nur wenn ein Mensch sich Zeit seines Lebens für eine Organ- und Gewebespende entschieden hat, dürfen nach Eintritt des Todes Organe entnommen werden. Eine Entscheidung ist stets freiwillig. Niemand kann dazu verpflichtet werden.

Grundsätzlich stehen 84 Prozent der Bevölkerung der Organspende positiv gegenüber. Doch lediglich 36 Prozent besitzen einen Organspendeausweis und haben damit ihren Willen für oder gegen die Organspende schriftlich festgehalten.

Liegt keine schriftliche Willenserklärung in Form eines Organspendeausweises oder einer Patientenverfügung vor, werden im erweiterten Schritt die Angehörigen befragt.

Sie müssen im Sinne des Patienten zustimmen oder ablehnen. Ist der Wille nicht bekannt und kann auch nicht vermutet werden, findet kein Eingriff statt. Somit gilt zurzeit die erweiterte Zustimmungs- bzw. Entscheidungslösung.

Gesetzentwürfe

Rund 9.400 Menschen warten in Deutschland auf ein neues Organ. Bundesweit gibt es mehr Personen, die ein Organ benötigen, als es Spender*innen gibt.

Aus diesem Grund wird sich der Deutsche Bundestag mit zwei Gesetzentwürfen beschäftigten, die das Ziel haben, die Zahl der Organspender*innen zu erhöhen. Abgestimmt wird voraussichtlich im Herbst 2019.

Zustimmungslösung

In dem von der Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock und weiteren Parlamentarier*innen vorlegten Gesetzentwurf soll die derzeit geltende Zustimmungslösung beibehalten werden.

Zur besseren Identifizierung möglicher Organspender*innen soll ein Spenderregister eingeführt werden, in dem der Wille der einzelnen Personen festgehalten wird. Weiterhin soll die Bevölkerung in regelmäßigen Abständen zu ihrem Willen befragt werden - beispielsweise bei der Beantragung des Personalausweises oder Führerscheins.

Doppelte Widerspruchslösung

Ein weiterer Gesetzentwurf, vorgelegt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und weiteren Parlamentarier*innen, sieht eine Änderung des aktuell geltenden Verfahrens vor.

Es soll die doppelte Widerspruchslösung gelten, durch die jeder Mensch als potentieller Organspender gilt - solange er zu Lebzeiten nicht aktiv widersprochen hat. Ist kein Widerspruch bekannt, werden auch hier die Angehörigen befragt.

Können die Angehörigen einen Widerspruch nicht darlegen, dürfen Organe entnommen werden. Die Widerspruchslösung verzichtet damit auf die Freiwilligkeit der Organspende und macht jede Person, die nicht widerspricht, zum/r Organspender*in.

kfd-Position zur Organspende

Die kfd ist für die Beibehaltung der Zustimmungslösung und gegen den Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Die kfd orientiert sich an dem Gebot der unabdingbaren Würde des Menschen, der bis in den Tod gilt.

Daraus ergibt sich, dass eine Spende nie ohne ausdrückliche Zustimmung erfolgen kann und dass niemand ein Recht auf ein Organ hat. Organspende ist ein freiwilliger Akt, der eine Ausdrucksform der Nächstenliebe sein kann.

Die kfd setzt sich zudem für eine umfassende, ergebnisoffene Aufklärung über den gesamten Vorgang einer Organspende sowie die Konsequenzen für alle Beteiligten ein.

Zur Aufklärung gehört auch die Information, dass sich die Zustimmung zu einer Organspende nicht immer mit den Angaben (Wünschen) in einer Patientenverfügung deckt - etwa hinsichtlich lebenserhaltender Maßnahmen.

kfd-Aktion "Beibehaltung der Zustimmungslösung"

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden über die Frage "Zustimmungslösung" oder "Widerspruchslösung" ohne Fraktionszwang abstimmen. Jede/r Abgeordnete/r muss für sich selbst entscheiden. Die Erste Lesung zu diesen Gesetzentwürfen war Ende Juni 2019.

Deshalb bitten wir Sie:

Schreiben Sie Ihren Abgeordneten im Wahlkreis und bitten Sie diese, sich für eine Beibehaltung der Zustimmungslösung einzusetzen.

Brief an die Bundestagsabgeordneten
Abgeordnetensuche

Die Abgeordneten-Wahlkreissuche des Deutschen Bundestages: www.bundestag.de/abgeordnete/Wahlkreise

Empfehlung für kfd-Mitglieder

Jede Frau sollte sich über das Thema "Organspende" informieren und sich eine eigene Meinung bilden. Empfehlenswert ist, die Entscheidung den Angehörigen mitzuteilen. Eine Willenserklärung für oder gegen eine Organspende auf einem Organspendeausweis entlastet Angehörige, denn sie müssen im Todesfall dann keine Entscheidung treffen.

Argumente: Für und gegen die Organspende
  • Argumente Pro und Contra Organspende Erstmals erschienen in der Zeitschrift "Die Mitarbeiterin" 03/2012 718 KB Download
Gruppenarbeit
  • Gruppenarbeit zum Thema Organspende Erstmals erschienen in der Zeitschrift "Die Mitarbeiterin" 03/2012 111 KB Download
Gesetzentwürfe
  • Gesetzentwurf Organspende von Annalena Baerbock und weiteren Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende 177 KB Download
  • Gesetzentwurf Organspende von Jens Spahn und weiteren Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der doppelten Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz 286 KB Download

Hintergrund

In Deutschland sind Organspenden und -transplantationen im Transplantationsgesetz (TPG) geregelt. Es gibt die sogenannte postmortale Spende, für die medizinisch geeignete Menschen infrage kommen, bei denen der Hirntod diagnostiziert wurde, und die Lebend-Organspende.

Bei einer Lebend-Spende dürfen nur bestimmte Organe, etwa ein Teil der Leber oder eine Niere, entnommen werden, zudem müssen die Spenderinnen oder Spender volljährig sein, in die Spende freiwillig einwilligen und sich medizinisch eignen.

Lebend-Spenden sind nach TPG Paragraf 8 nur von sich nahestehenden Menschen erlaubt. Postmortale Organentnahmen dürfen in einem der aktuell rund 1.300 Entnahmekrankenhäusern und Transplantationen in einem der derzeit etwa 50 Transplantationszentren in Deutschland stattfinden.

Stand: 25.09.2019
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