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Starke Frauen gestalten Veränderung: "Wir werden als kfd dringend gebraucht"

 

Wechsel an der Spitze der kfd-Bundesgeschäftsstelle: Nach fast 40 Jahren bei der kfd verabschiedet sich Bundesgeschäftsführerin Brigitte Vielhaus in den nächsten Lebensabschnitt. Ihre Nachfolgerin ist keine Unbekannte: Jutta Flüthmann ist selbst schon seit 20 Jahren in der Bundesgeschäftsstelle tätig. Im Gespräch mit Junia blicken sie gemeinsam zurück und nach vorn.

Von Isabelle De Bortoli

Frau Vielhaus, seit 1987 arbeiten Sie für den kfd-Bundesverband, in ganz unterschiedlichen Positionen. Das ist also fast 40 Jahre her, damals standen noch Schreibmaschinen in den Büros. Und das Sprechen über weibliche Gottes bilder war ebenso unmöglich wie das offene Nachdenken über Sexualität oder die Ämterfrage für Frauen. Wie kamen Sie damals zur kfd?

Maximal zwei Jahre halte ich es hier aus“, dachte ich damals.

Vielhaus: 1987 habe ich als junge, alleinerziehende Mutter und überzeugte feministische Theologin als Assistentin in der Arbeitsstelle Frauenseelsorge begonnen. Ich kam zur kfd, weil ich auf keinen Fall in der männlich bestimmten Hierarchie der Kirche arbeiten wollte. „Maximal zwei Jahre halte ich es hier aus“, dachte ich damals. Die kfd kannte ich durch die „Frau und Mutter“, meine Mutter war langjährige Mitarbeiterin im Besuchsdienst.

Flüthmann: Das war bei mir ganz ähnlich, meine Mutter war und ist eine sehr engagierte kfd-Frau im DV Münster.

Die kfd wurde dann aber für Sie beide zur Arbeitgeberin Ihres Lebens. Wie kam das?

Vielhaus: Ich habe in all den Jahren sehr interessante Frauen und Männer im Ehren- und Hauptamt kennengelernt. Starke Frauen, beeindruckende Frauen, Persönlichkeiten, die mich sehr geprägt haben. Sich gemeinsam für Frauen in der Kirche zu engagieren, war immer ein großer Antrieb. Und: In der kfd-Bundesgeschäftsstelle herrschte damals wie heute eine große Offenheit für die persönliche Weiterentwicklung. Von der Assistentin wurde ich zur Referentin, zur Abteilungsleiterin und 2018 schließlich zur Geschäftsführerin. Ich durfte mich verändern und das war sehr erfüllend.

Die Arbeit für die kfd hat in mir ein spirituelles Bedürfnis befriedigt, ich habe Glauben hier auf eine Art und Weise erlebt wie nirgendwo sonst.

Flüthmann: Auch ich habe als Assistentin begonnen. Nach einem Aufbaustudium zur Wirtschaftsfachwirtin wurde ich Verbandsreferentin und dann Leiterin der Abteilung Finanzen und Verwaltung und die dienstaufsichtliche Vertretung der Geschäftsführerin in der Bundesgeschäftsstelle. Für einen Verband in der Größe und Struktur der kfd zu arbeiten und diesen mitzugestalten, reizte mich damals sehr und ist auch heute noch eine spannende Herausforderung, der ich mich gerne stelle. Der Verband überzeugt mich zutiefst in seiner Menschlichkeit und Zielsetzung. Hinzu kommt: Die Arbeit für die kfd hat in mir ein spirituelles Bedürfnis befriedigt, ich habe Glauben hier auf eine Art und Weise erlebt wie nirgendwo sonst. Das hat mich als Mensch sehr bereichert.

Frau Vielhaus, woran erinnern Sie sich gerne zurück, was waren Meilensteine, die Sie mit der kfd erlebt haben?

Bei der Verabschiedung der Positionspapiere „gleich und berechtig: Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche“ hatten die Delegierten vor Erleichterung und Stolz Tränen in den Augen.

Vielhaus: Das waren sicher die großen Delegiertenversammlungen und programmatischen Beschlüsse, 2008 die Verabschiedung des Leitbilds sowie die Mitgliederwerbekampagne „Frauen.Macht.Zukunft“. Bei der Verabschiedung der Positionspapiere „gleich und berechtig: Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche“ hatten die Delegierten vor Erleichterung und Stolz Tränen in den Augen. Legendär für mich auch die Umbenennung der „Frau und Mutter“ in „Junia“ und natürlich auch der Synodale Weg mit dem großen Einsatz der kfd-Delegierten. Und trotz Mitgliederrückgang oder dem Vertrauensverlust in Kirche allgemein möchte ich sagen: Die kfd wird gebraucht als sicherer Ort für Frauen in der Kirche.

Frau Flüthmann, worauf richtet sich Ihr Fokus an der Spitze der kfd-Bundesgeschäftsstelle?

Es ist alle Kraft wert, diese Frauenorganisation in ihrer Bedeutung noch bekannter zu machen.

Flüthmann: Wir müssen uns als Verband weiterentwickeln, Bedürfnisse aufgreifen und uns anpassen. Fragen sind sicherlich, was in Zukunft die Rolle der kfd sein wird, welche Anforderungen die bestehenden und neue Mitglieder an uns stellen, aber auch, welche Anforderungen die Mitarbeiter*innen an den Verband stellen. Ich freue mich sehr, diese Entwicklung weiterhin gestalten zu können, ich freue mich über das Vertrauen des Vorstandes und auf die gemeinsame Arbeit mit der Bundesgeschäftsstelle wie auch mit den Diözesanverbänden.

Es ist alle Kraft wert, diese Frauenorganisation in ihrer Bedeutung noch bekannter zu machen, denn wir werden nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft dringend gebraucht. Deshalb nehme ich mit Freude das 100-jährige Bestehen des Bundesverbandes 2028 in den Blick. Dort werden wir in zahleichen Projekten und Veranstaltungen die Erfolgsgeschichte der kfd präsentieren, die wir nicht zuletzt Generationen von kfd-Frauen zu verdanken haben. Ein Grund, miteinander zu feiern.

Frau Vielhaus, bleiben Sie der kfd ab dem Sommer weiter verbunden? Worauf freuen Sie sich?

Vielhaus: Ich engagiere mich im kfd-Vorstand meiner Ortsgruppe – in gutem Kontakt mit dem Vorstand des DV Aachen. Da kommt etwas in Bewegung, das macht wirklich Freude. Genauso bin ich im Beerdigungsdienst unserer Gemeinde tätig. Ich freue mich darauf, das Leben langsamer zu leben und neu zu entdecken. Und natürlich darauf, mehr Zeit für meine Familie und meine Freundinnen und Freunde zu haben.

Frau Flüthmann, wo kann man Sie außerhalb der kfd-Bundesgeschäftsstelle finden?

Flüthmann: Ich genieße Natur und Kultur – und Musik ist für mich eine große Energiequelle. Musik zu hören und zu machen, gerne gemeinsam mit anderen, gibt mir neue Kraft.

Stand: 21.06.2024