Zwischen Wut und Hoffnung

Daniela Ordowski ist Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) und Mitglied der Synodalversammlung des Synodalen Weges. Die 27-Jährige hat viel zu sagen zum Zustand der katholischen Kirche - und sie kämpft für sie, um sie zu retten. 

Von Isabelle De Bortoli

Sie schwankt in diesen Tagen zwischen Wut und Hoffnung. Wut über solche Entscheidungen wie das Segnungsverbot für homosexuelle Paare aus Rom. Hoffnung, dass die Ergebnisse des Synodalen Weges wirklich etwas verändern könnten. Denn die Frage "Wollen wir etwas verändern in der katholischen Kirche in Deutschland?" stellt sich für Daniela Ordowski schon lange nicht mehr: "Wir müssen etwas verändern. Wenn sich nichts ändert, dann geht es nicht weiter. Dann können wir die katholische Kirche in Deutschland nicht mehr retten. Wir kämpfen ja nicht ständig, um die Kirche kaputt zu machen. Das macht sie schon selbst. Wir Laien kämpfen, um die Kirche zukunftsfähig zu machen."

Wir kämpfen ja nicht ständig, um die Kirche kaputt zu machen. Das macht sie schon selbst." 

Daniela Ordowski, die Politikwissenschaft studiert hat und in Bonn lebt, engagiert sich auf vielen Ebenen: nicht nur als Mitglied der Synodalversammlung, sondern vor allem als Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB). Sie ist eng vernetzt mit jungen Katholiken und Katholikinnen in Deutschland, aber auch europa- und weltweit.

Aufgewachsen auf dem Land im Bistum Mainz, ist sie gute 17 Jahre Teil der KLJB. Nach Kommunion, Ministrantinnendienst und Kirchenchor engagierte sie sich früh in der Gemeinde, wurde Gruppenleiterin und hatte Lust, Verantwortung auf Diözesanebene zu übernehmen. Im Jahr 2020 wurde sie schließlich Bundesvorsitzende.

Dabei geht es der KLJB, deren junge Mitglieder hauptsächlich aus ländlichen Gebieten kommen, zum Teil auch Bezug zur Landwirtschaft haben, um Themen wie ländliche Entwicklung, fairen Handel weltweit, Ökologie und Schöpfungsbewahrung in Zeiten des Klimawandels sowie die Pastoral auf dem Land.

Wir wollen zeigen, dass wir eben auch ein Gesicht von Kirche sind. Wir sind nicht homophob, und bei uns sind Frauen ganz selbstverständlich in Leitungspositionen."

"Das ,K' im Namen ist dabei heute nicht immer eine Einladung an junge Menschen", gibt Daniela Ordowski zu. "Vor allem nach dem Segnungsverbot hatten wir Anfragen, ob man nach einem Kirchaustritt noch Teil der KLJB sein kann. Natürlich ist das so. Aber: Wir wollen zeigen, dass wir eben auch ein Gesicht von Kirche sind. Wir sind nicht homophob, und bei uns sind Frauen ganz selbstverständlich in Leitungspositionen. Wir sind Teil der Kirche und möchten einen offenen Raum für Glauben bieten. Dafür sind unsere Verbände wichtig: Menschen ein Zuhause im Glauben zu geben, das sie in der Institution Kirche vielleicht gerade nicht (mehr) finden. Auch wenn ich mir natürlich wünschen würde, dass die Kirche selbst wieder diese diskriminierungsfreie Heimat für alle bieten würde."

Daniela Ordowski ist in den vergangenen Wochen in vielen überregionalen Medien eine gefragte Gesprächspartnerin: 27 Jahre alt, Feministin - und warum überhaupt noch katholisch? Wäre es nicht viel einfacher, auszutreten?

"Diese Frage wurde mir tatsächlich häufig gestellt. Ich möchte aber ein Zeichen setzen: Ja, ich bin katholisch! So sieht die katholische Kirche eben auch aus!" So wie sie, und wie die vielen anderen Menschen, die ihre Freizeit darauf verwendeten, Kirche aktiv zu gestalten: "Meine größte Quelle der Hoffnung sind die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Die, die sich ehrenamtlich in der katholischen Kirche engagieren. Sie sind der Grund für mich, nicht zu gehen, sondern Kirche mit ihnen allen konstruktiv weiterzu- entwickeln. In dieser Gemeinschaft habe ich Kirche ganz anders kennengelernt, als sie sich durch die sogenannte Amtskirche präsentiert."

Glaube sollte Mut machen und nicht zum Schweigen bringen."

Auch spüre sie ein großes Verantwortungsgefühl den jungen Christinnen und Christen gegenüber, so Ordowski - in ihrem Verband, in Deutschland, aber auch weltweit. "Im Jahr 2018 war ich bei der Jugendsynode in Rom. Das war eine sehr intensive Zeit - und sie hat mir gezeigt: Wir in Deutschland kämpfen nicht allein und nicht nur für uns. Frauen in alle Dienste und Ämter zu bringen, ist kein deutsches Thema, es ist auch kein europäisches Thema - es ist ein weltweites Thema. Aber: In anderen Ländern sind die Machtstrukturen noch sehr viel stärker. Während wir in Deutschland offen diskutieren können, müssen junge Frauen in anderen Ländern Angst haben, weil die Kirche dort alle gesellschaftlichen Strukturen durchdringt. Wer sich von ihr lossagt, verliert auch gesellschaftlichen Halt. Und für diese Menschen kämpfe ich mit, für die, die nicht offen sprechen dürfen - was im Übrigen ein Armutszeugnis für die Kirche weltweit ist. Glaube sollte Mut machen und nicht zum Schweigen bringen."

Daniela Ordowski sieht eine Zukunft für die katholische Kirche nur, wenn die sexualisierte Gewalt aufgearbeitet wird, wenn die Strukturen, die Missbrauch begünstigen, aufgebrochen werden. Auch mehr Glaubwürdigkeit, demokratische Strukturen, Ämter auf Zeit und Rechenschaftspflicht müssten sein.

Wenn wir bei der Gleichberechtigung von Frauen nicht weiterkommen, müssen wir die Kirche aufgeben."

"Es kann doch nicht sein, dass all dies bei uns als Verbänden selbstverständlich ist, bei der Amtskirche aber nicht." Zudem müsse es einen Kulturwandel in der Kirche geben, was Kritik angehe: "Wir brauchen eine Kirche, in der Kritik als Zeichen der Liebe angesehen wird. In der unterschiedliche Meinungen gehört werden, in der man um Themen ringt." Und: Die Gleichberechtigung von Frauen ist der Dreh- und Angelpunkt um die Zukunft der katholischen Kirche, ist sich Daniela Ordowski sicher. "Wenn wir da nicht weiterkommen, müssen wir die Kirche aufgeben."

Serie: Generation K

Sie sind katholisch (nicht nur), kritisch, konstruktiv, kirchennah und kirchenfern: Die Serie "Generation K" widmet sich jungen Frauen, die sich die Fragen von Kirche, Glauben und Gesellschaft neu stellen. Mehr über die Generation K 

Stand: 23.06.2021