Bühne frei für Frauen in allen Ämtern

Theologin Daniela Kornek hat ihre Promotion der kfd gewidmet. Sie engagiert sich für eine moderne, aufgeklärte Kirche, Frauenthemen - und ihre heimliche Liebe: Improvisationstheater.

Von Jutta Laege

Als Kind wollte sie Schauspielerin werden - oder professionelle Geschenkeeinpackerin.Tja, Leben ist Improvisation. Oder: Meistens kommt es anders, als man denkt. Gelandet ist Daniela Kornek an der Universität Münster, als Kommunikationswissenschaftlerin und Theologin. Aus Leidenschaft, so viel lässt sich nach dem Kennenlernen - in Corona-Zeiten leider nur per Telefon und Video - eindeutig sagen.

Die 37-Jährige beschäftigt sich derzeit wissenschaftlich mit der Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche. Durch das kfd-Archiv hat sie sich für ihre Doktorarbeit unter dem Titel: "Mitgliederbeteiligung im katholischen Frauenverband: Partizipation an Entscheidungsfindungsprozessen innerhalb verbandlicher Strukturen am Beispiel der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands" gewühlt. Es ist zu ihrer Herzensangelegenheit geworden. Nicht nur, weil die Zu- und Missstände in der katholischen Kirche sie besorgen, sondern vor allem, weil sie sich für ihre fünfjährige Tochter wünscht, in einer frauenfreundlicheren Welt aufzuwachsen.

Katholisch geprägte Kindheit

Daniela Kornek kam 1983 in Paderborn zur Welt. Die westfälische katholische Heimat hat sie geprägt. "Meine Oma war Ortsvorsitzende einer kfd-Gruppe. Meine Mutter ist bis heute kfd-Mitglied." Sie selbst sagt rückblickend auf ihren "katholischen Werdegang: "Ich habe in der Kolpingjugend und in meiner Schulzeit am Mädchengymnasium St. Michael positive Erfahrungen als Mädchen und junge Frau in der Kirche sammeln dürfen. Es gab Menschen, die mich auf meinem doch recht eigenen und manchmal sehr individuellen Weg gefördert, inspiriert und an mich geglaubt haben."

Wo kann der christliche Glaube Antworten geben auf die aktuellen drängenden Fragen?"

Dass die katholischen Themen sie weiter so prägen würden, hätte sie trotzdem nicht gedacht. "Religion war nicht gerade mein Lieblingsfach", lacht sie. "Heute bin ich mit einem Religionslehrer verheiratet und sehe, dass es darauf ankommt, bei Schülerinnen und Schülern den richtigen Nerv zu treffen. Wo kann der christliche Glaube Antworten geben auf die aktuellen drängenden Fragen?"

Als sie sich 2003 an der Universität Münster für Kommunikationswissenschaft einschrieb, kamen ihr diese Fragen wieder. Sie fand sich - neugierig geworden - plötzlich in Theologie-Vorlesungen wieder. "Mich hat das Thema Kirche aus Kommunikationssicht am meisten interessiert", berichtet sie. "Ich wollte nie Priesterin werden", erzählt sie. "Aber es ist mir wichtig, dass andere es werden dürfen."

Und so gehört Daniela Kornek zu den jungen Frauen, die dort, wo sie ehrenamtlich und beruflich agieren, das Gesicht von Kirche verändern können. 

An der Universität Münster war sie bis 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin von Theologie-Professorin Judith Könemann, Schwerpunkt Praktische Theologie. 2015 bis 2016 leitete sie die Langzeitfortbildung "Zusatzqualifizierung Pfarreiseelsorge" des Bistums Münster. Beim Katholikentag in Münster 2018 gehörte sie zum Unterarbeitskreis "Junge Menschen", bis 2019 war sie Stipendiatin der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk.

Wo werde ich gehört, wo kann ich mir Gehör verschaffen?"

Seit 2019 ist Kornek Koordinatorin für Hochschuldidaktik an der Universität Münster, Kirche begleitet sie sowohl bei ihrer Gemeindearbeit in St. Stephanus als auch als Autorin und Sprecherin für "Kirche in 1live" beim WDR. "Wo werde ich gehört, wo kann ich mir Gehör verschaffen?", ist ihre Devise. Die regelmäßigen Beiträge für den jungen WDR-Sender sind ihr besonders wichtig. Immerhin erreichen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen in dem Format bis zu eine Million Zuhörer.

"Es ist jedes Mal wieder aufregend und schön, am Sendetag die Rückmeldungen von vielen bekannten und (noch) unbekannten Leuten zu bekommen und zu spüren, dass es Glaubens- und Lebensthemen gibt, die vielen unter den Nägeln brennen."

Fragen nach Macht und Beteiligung 

Was ihr selbst unter den Nägeln brennt? Es sind vor allem die aktuellen Fragen rund um das Thema Macht und Beteiligung in der katholischen Kirche. "Es ist beschämend, was hinter zugezogenen Vorhängen im Großen und im Kleinen passiert, wie das Rollenverständnis einiger Verantwortlicher ist und wie mit Opfern umgegangen wird. Da dreht sich mir alles um!", empört sie sich. Und es schmerzt sie, wie diffamierend Kirche sein könne.

In ihrer Heimatgemeinde hat sie das jüngst im Fall einer Versetzung eines Priesters miterlebt. Die Gemeinde habe im Advent ohne Vorwarnung erfahren, dass der als liberal geltende Geistliche gegen seinen Willen abkommandiert wurde, schildert sie und ist sich sicher: "Da sind konservative Kräfte am Werk, die die Retraditionalisierung wollen. Und sie schaffen es auch noch."

Frauenthemen in der Kirche

Dass die kfd sich seit Jahren für "Frauenthemen" in der Kirche stark macht, hat sie bestärkt, ihre Doktorarbeit dem Frauenverband zu widmen. "Ich habe dafür einige Interviews geführt und festgestellt, dass die Frauen in der kirchlichen Welt inzwischen sehr selbstbewusst agieren."

Sollte es da dennoch Nachholbedarf geben, kann die Kommunikationsexpertin und Theologin mit Kommunikations- und Rhetoriktrainings weiterhelfen. Seit 2009 ist sie zudem für die Improschule "placebotheater" als Dozentin für Improvisationstheater unterwegs.

"Ich habe mich Hals über Kopf in diese Art von Theater verknallt", lacht sie. Da blitzt er dann doch wieder auf - der Kindheitstraum, Schauspielerin zu werden. Lässt sich am Ende alles verbinden? Vielleicht kann sie ja mit einer Improvisationsübung neue theologische Rollen erschaffen: Bühne frei für Frauen in allen Diensten und Ämtern der Kirche! Eine famose Präsent-Idee an die verhinderte Geschenkeeinpackerin Kornek. Die kfd wäre dabei.

Serie: Generation K

Sie sind katholisch (nicht nur), kritisch, konstruktiv, kirchennah und kirchenfern: Die Serie "Generation K" widmet sich jungen Frauen, die sich die Fragen von Kirche, Glauben und Gesellschaft neu stellen. Mehr über die Generation K 

Stand: 26.04.2021