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Nicht ohne meine Freundin

 

Die einen schauen auf beeindruckende 78 Jahre Freundschaft zurück, die anderen haben sich unter verrückten Umständen am Flughafen kennengelernt. Die einen sind gemeinsam den Jakobsweg gepilgert, die anderen schreiben sich lange Briefe: Wie vielfältig und beeindruckend Freundschaft unter Frauen sein kann, steht in diesen Erfahrungsberichten.

Liebe Junia-Leserinnen: Ihr habt uns überwältigt mit euren unfassbar zahlreichen Briefen, von denen viele sehr rührend waren. Deshalb werden wir versuchen, alle Zuschriften zu veröffentlichen – in den folgenden Heften werden noch mehr tolle Freundinnen-Geschichten
zu lesen sein. Danke dafür!

Gemeinsam auf dem Weg

Jetzt sind es schon 40 Jahre, dass wir Freundinnen sind und durch dick und dünn gehen.
Kennengelernt haben wir uns mit 25 Jahren in der Gymnastikgruppe des Turnvereins in Hartheim am Rhein. Beide haben wir 1982 ein Kind geboren und uns danach der Gymnastikgruppe angeschlossen. Schnell stellten wir fest, dass bei uns die Chemie stimmt. Dieses Jahr werden wir 65 und sind immer noch in derselben Gruppe aktiv. Bei den Fastnachtsveranstaltungen des Turnvereins traten wir gemeinsam auf und führten viele Jahre als Lisbeth und Annebertl in unserer ganz besonderen eigenen Art durchs Programm.

Es vergeht keine Woche – ausgenommen Urlaube –, dass wir uns nicht sehen. Die gemeinsame Zeit kann uns keiner mehr nehmen – „Freundinnen sind was Besonderes“ und wir hoffen, dass wir noch viele aktive Jahre geschenkt bekommen.

Auch das Thema Kirche kam bei uns nie zu kurz. Getragen von einer gut funktionierenden Kirchengemeinde, später eine gemeinsame Seelsorgeeinheit, übernahmen wir in unseren Gemeinden verschiedene Aufgaben. Da wären: Kommunionvorbereitung, Firmvorbereitung, Ministranten-Betreuung, Sternsingeraktionen, Pfarrgemeinderat, Ökumenische Erwachsenenbildung und natürlich auch die Mitgliedschaft in der kfd, zeitweise auch im Vorstandsteam. Ohne den Glauben ans Christsein, den Rückhalt unserer Familien und die vielen Personen, die gut miteinander konnten, wäre dies nicht möglich gewesen.

Doch unser großes Projekt, von dem wir in den Jahren träumten, sollte 2006 Wirklichkeit werden: Wir wollten den Jakobsweg zusammen gehen, und zwar von zu Hause aus bis nach Santiago de Compostela. Unsere Vorstellung war, dass wir, wenn die Kinder groß genug sind, den Weg in Etappen gehen und jedes Jahr ein Stück in Angriff nehmen. Dann, 2006, sagten wir, wenn wir jetzt nicht losgehen, wird es vielleicht nichts mehr. Gesagt – getan. Ein Wochenende von Hartheim am Rhein entlang nach Basel. Es funktionierte mit uns. Und so erarbeiteten wir uns jedes Jahr ein weiteres Stück – immer ans Ende des letzten Jahres fahren und weiterwandern. Durch die Schweiz, durch Frankreich und den Camino Frances bis nach Santiago de Compostela. Aus 3 Tagen Familienauszeit haben wir es bis zu 14 Tagen Auszeit geschafft. 2017 sind wir angekommen. 2200 Kilometer zusammen. Und 2019 sind wir noch den „Camino a Fisterra“ bis ans „Ende der Welt“ gewandert. Da viele Personen an unserem Camino Anteil nahmen und nachfragten, hielten wir bei der Erwachsenenbildung, der kfd und dem Altenwerk Vorträge über unseren Weg. So wanderten auch viele mit uns mit, wenn auch nur in Bild und Gedanken. Doch waren immer alle mit uns auf dem Weg, Jakobus sowieso, und wie sagten wir: Wenn der da oben will, dass wir ankommen, dann schaffen wir das. So ist es auch gekommen.

Es vergeht keine Woche – ausgenommen Urlaube –, dass wir uns nicht sehen. Die gemeinsame Zeit kann uns keiner mehr nehmen – „Freundinnen sind was Besonderes“ und wir hoffen, dass wir noch viele aktive Jahre geschenkt bekommen.

Sabine Zipfel und Andrea Pfeifer

78 Jahre Freundschaft seit 1946

Oestereiden 1946:
Viele Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten kommen in dem kleinen Dorf in NRW an. Darunter auch die kleine Edeltraud, geboren am 15. November 1940. Beide Eltern hat sie schon verloren; sie kommt mit ihrer Oma und ihrer Tante, die für sie zur „Mutti“ wurde. Im katholischen Kindergarten traf sie auf die kleine Waltraud, geboren am 14. November 1940, die mit ihren Eltern auf dem Bauernhof der Familie lebte. Gemeinsam kamen sie auf die Volksschule, und während die eine im „Oberdorf“ und die andere im „Unterdorf“ wohnte, getrennt durch eine Hauptstraße, spielten die beiden gerne miteinander. Nach der Volksschule besuchte Waltraud ein Gymnasium mit dem Schwerpunkt Hauswirtschaft in Lippstadt, gleichzeitig übernahm sie das Melken der Kühe auf dem Hof. Edeltraud mache eine Ausbildung zur Lebensmittelkauffrau. Sie bekam sieben Kinder, Waltraud ist vierfache Mutter.

Durch die viele Arbeit verloren sich Waltraud und Edeltraud eine Zeit aus den Augen – später wurden die Treffen wieder regelmäßig. Heute unternehmen die beiden kleine Fahrten, gehen essen und telefonieren fast täglich, um sich gegenseitig Ratschläge zu geben.

Das ist Freundschaft
1946 bis 2024 = 78 Jahre.
Waltraud Luig und Edeltraud Stennez

 

Familie

Wir (Tina, 38 Jahre, Jasna, 38 Jahre, und Sabrina, 39 Jahre) sind drei Freundinnen, die sich vor 25 Jahren in einer Anti-Drogen-Disco in der Stadthalle Senden, die von unseren Schulen organisiert wurde, kennengelernt haben. Wir drei waren alle auf unterschiedlichen Schulen. An diesem Tag wurde die Freundschaft geschlossen und immer intensiver. Die Freizeit wurde in allen Bereichen zusammen gestaltet. Auch die „erste große Liebe“ wurde zusammen durchgestanden. Nach der Ausbildung blieb die Freundschaft weiterhin bestehen. Einen Umzug von Tina nach Paderborn hat die Freundschaft nicht geschwächt, sondern durch Wochenendbesuche gefestigt. Auch Schicksalsschläge, wie der frühe Tod meiner Mutter, stärkte unsere Freundschaft. Mittlerweile sind Jasna und ich verheiratet und haben Kinder.

Für unsere Kinder ist Tina wie eine Tante. Wenn bei Feiern „nur die Familie“ kommt, zählen wir drei uns immer dazu. Eine Freundschaft ist, sich gegenseitig Halt und Trost zu geben sowie stets ein offenes Ohr zu haben.

Für unsere Kinder ist Tina wie eine Tante. Wenn bei Feiern „nur die Familie“ kommt, zählen wir drei uns immer dazu. Eine Freundschaft ist, sich gegenseitig Halt und Trost zu geben sowie stets ein offenes Ohr zu haben. Das Tolle ist, wir drei sind jetzt in Seppenrade zu Hause und wohnen nur rund 300 Meter Luftlinie auseinander. Das heißt, für einen schnellen Kaffee oder einen kurzen Besuch ist immer Zeit.

Seit Anfang 2023 bin ich in der kfd Seppenrade im Team tätig und die ein oder andere Aktion wird zusammen als Freundinnen mit der kfd unternommen, um diese schöne Freundschaft zu pflegen und zu genießen. Denn Zeit ist das schönste Geschenk!

Sabrina Holz

 

Stand: 21.06.2024