"Wir Frauen übernehmen die größte Verantwortung"

Viele kfd-Frauen machen sich Gedanken über umweltgerechtes Handeln und begeben sich in diesem Monat im Rahmen der Aktionswoche auf einen nachhaltigen Pilger*innenweg. "Frau und Mutter" spricht mit Barbara Hendricks, kfd-Mitglied und ehemalige Bundesumweltministerin, über die Folgen des Klimawandels und warum sie selbst bei privaten Reisen auf das Flugzeug verzichtet.

Von Isabelle de Bortoli

Frau und Mutter: Der Wald stirbt, die Temperaturen steigen, Arten verschwinden: Welche sind aus Ihrer Sicht die dringendsten durch den Klimawandel verursachten Probleme?

Barbara Hendricks: Sie haben in Ihrer Frage schon drei schlimme Folgen des Klimawandels benannt; hinzu kommt der Anstieg des Meeresspiegels, der vielen Menschen ihre Lebensgrundlagen entzieht.

Welche Schritte müssen dagegen unternommen werden?

Wir können nur noch sehr begrenzt klimaschädliche Gase, wie CO2, in der Atmosphäre ablagern, weltweit müssen wir also die Emissionen dieser Gase drastisch zurückfahren.

Passiert in der deutschen Politik genug, um den Klimawandel noch aufzuhalten? Sind die Klimaziele überhaupt noch erreichbar?

Ja, die Klimaziele sind erreichbar, wenn wir uns jetzt auf die stetige Transformation unserer Wirtschaft und der Art, wie wir leben, einlassen. Dazu brauchen wir den Einsatz von Technologien, wie die erneuerbaren Energien, aber auch die Änderung von Verhaltensweisen. Die Politik muss dafür klare Regeln setzen.

Was kann jeder Einzelne tun, um für ein besseres Klima zu sorgen? Und wie engagieren Sie sich persönlich? Und wie werden wir in den nächsten 30 Jahren unser Leben verändern müssen, um unsere Umwelt und das Klima zu retten?

Wir sollten uns einfach klar darüber sein, was wir tun oder unterlassen können - jede und jeder für sich selbst. Niemand muss auf alles verzichten. Ich zum Beispiel mache privat keine Flugreisen. Das ist für mich aber gar kein Verzicht. Andere fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit und es geht ihnen gut dabei - man sieht, es gibt viele Möglichkeiten, über sein eigenes Verhalten nachzudenken.

Ist es angesichts brennender Regenwälder in Brasilien und schmelzender Gletscher in Grönland nicht auch an der Zeit, dass sich die Kirche, dass sich der Papst dazu äußert?

Der Papst hat dies in der Enzyklika Laudatio si vor fünf Jahren schon beispielhaft getan und weltweit, auch bei Nicht-Christen, für Aufmerksamkeit gesorgt. Trotzdem sollte sich die Kirche immer wieder zu Wort melden. Die Aufgabenstellung ist groß und dringlich.

Wo sind gerade wir als katholische Frauen besonders gefordert, uns in der Klimadebatte einzusetzen?

Wenn es um die Bewahrung der Schöpfung geht, sind wir Frauen sowieso diejenigen, die die größte Verantwortung übernehmen.

Barbara Hendricks, Jahrgang 1952, stammt aus Kleve am Niederrhein, wo sie bis heute - parallel zu Berlin - lebt. Seit 1972 ist sie SPD-Mitglied. Vom 17. Dezember 2013 bis zum 14. März 2018 war sie Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Kabinett Merkel III. Seit 1994 ist sie durchgehend Mitglied des Bundestages.

Stand: 31.08.2020