Wie Dialog gelingen kann

Pluralität anerkennen und die Auslegung der Religion der Gläubigen überlassen

Als allererstes müssen wir uns von der Annahme trennen, dass es die Jüdin, die Christin oder die Muslimin gibt.

Menschen überall auf der Welt leben ihren Glauben  - egal, welcher es sein mag - zum Teil in kleinen Punkten, zum Teil aber auch in grundsätzlichen Fragen anders aus.  Die Pluralität innerhalb einer Religion mag für die Praxis ein Erschwernis sein, ist aber ganz normal. 

Letztendlich lernen wir jeden Menschen für sich kennen und nicht als Gruppe. Dabei müssen wir unserem Gegenüber zugestehen, ihre Religion selbst auszulegen und zu deuten.  

Wenn wir ein Gespräch auf Augenhöhe führen möchte, dann können wir zwar Rückfragen stellen, sollten aber unserer Gesprächspartnerin das Verständnis ihrer eigenen Religion und ihrer Schriften selbst überlassen.

Frage ich, weil ich eine Antwort möchte oder weil ich eigentlich schon ein fertiges Bild im Kopf habe und eigentlich einen Vorwurf mache?

Für jüdische und auch muslimische Frauen können zum Beispiel drängende Fragen nach Shabbat oder der Fastenzeit im Ramadan anstrengend sein. Oft werden die Antworten zu diesen religiös wichtigen Tagen nicht angenommen, sondern hinter der Frage verbirgt sich bereits Kritik.

Daher reagieren Frauen im Dialog manchmal gereizt. Fragen können wir natürlich, wichtig ist aber, wie wir fragen und ob wir die Antwort dann auch einfach als solche stehen lassen können.

Äußerlichkeiten außen vor lassen

Im Kontakt mit anderen sticht als erstes das Äußere ins Auge. Dennoch möchte keine Frau auf ihr Äußeres reduziert werden.

Muslimische Frauen erleben oft, dass sie aufgrund des Tragens oder nicht Tragens eines Kopftuchs ausgefragt werden. Viele möchten inzwischen nicht mehr darüber reden, weil es ständig das gleiche ist. Dass es sich hierbei allein um Äußerlichkeiten handelt und das Kopftuch nichts über den Menschen selbst aussagt, bleibt im Hintergrund.

Der Ton macht die Musik

Natürlich können wir im Dialog alles fragen, was uns auf der Seele brennt. Wenn aber die Gesprächspartnerin nicht antworten will, darf man dies nicht als Dialogabbruch verstehen.

Manchmal kann es auch die Art und Weise der Frage sein oder auch die Häufigkeit, mit der manche Fragen thematisiert werden.

Offen auf die andere zugehen

Kultur und Religion vermischen sich oft. Im Dialog sollten wir vorsichtig damit umgehen, da schnell bestimmte kulturelle Praxen als religiöse verstanden werden können.

Nicht alles, was Menschen machen, kann mit ihrer Religion begründet werden. Daraus wächst schnell Diskriminierung und Ausgrenzung, die vermieden werden sollte.

Offenes Ohr, Respekt und Achtung, Selbstreflektion  

Zum Gelingen des Dialogs braucht es eigentlich nur ein offenes Ohr, Respekt und Achtung vor der anderen und eine große Portion Selbstreflektion.

Wir bringen uns selbst mit in die Gespräche. Das heißt, unsere Erfahrungen sind mit dabei, wenn wir den Erzählungen der anderen lauschen.

Und wir interpretieren auch genau mit dieser Haltung. Wenn wir das nicht selbstkritisch reflektieren, kommen wir schnell dazu, unsere Gesprächspartnerin abzuwerten bzw. unsere eigene Erfahrung und Deutung höher zu stellen. Im Grunde entstehen die meisten Probleme im Dialog. 

FriedensFinderinnen ist ein Projekt von: