Damit die Erneuerung der Kirche gelingt

Auf der Bundesversammlung der kfd im Juni diskutieren die Delegierten in Mainz ein neues kfd-Positionspapier mit dem Titel "gleich und berechtigt. Alle Dienste und Ämter für Frauen in der Kirche". Darin fordert die kfd mit Nachdruck die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche.

20 Jahre sind vergangen, seit sich die kfd in ihren "Leitlinien '99" dem innerverbandlichen und dem Druck der Deutschen Bischofskonferenz beugen und ihre Forderung nach der Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche herausnehmen musste.

Dennoch hat sich die kfd weiter mit dieser Frage befasst und will mit dem neuen Positionspapier die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an allen Diensten und Ämtern in der Kirche erneut diskutieren.

Seit vielen Jahrzehnten setzt sich die kfd bereits in ihrer Programmatik für den Diakonat von Frauen ein und dafür, dass die Diskussion um das Priestertum von Frauen weitergehen muss.

So hieß es beispielsweise im Orientierungs- und Arbeitsprogramm von 1979: "Es müssen zunehmend Frauen gewonnen werden, die aufgrund ihrer Fähigkeiten geistliche und pastorale Impulse und Hilfen geben können. Sie sollen durch entsprechende Bildungsangebote für diesen Dienst unterstützt werden."

Ab 1997 begeht die kfd gemeinsam mit dem Netzwerk Diakonat der Frau, dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) und dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) am 29. April den Tag der Diakonin, am Festtag der Heiligen Katharina von Siena.

Im Anschluss an die Leitlinien '99 initiiert die kfd außerdem den Prozess "Charismen leben - Kirche sein" und setzt sich dafür ein, dass die Charismen von Frauen sich in der Kirche entfalten und die Berufungen von Frauen gelebt werden können.

Frauen geben Kirche Zukunft

Im kfd-Positionspapier "Frauen geben Kirche Zukunft" von 2011 heißt es dazu: "Wir treten für eine Kirche ein, in der die Gemeindeleitung Frauen aktiv unterstützt, ihre Charismen zu entdecken und Führungsaufgaben zu übernehmen."

Als im Dezember 2017 während des Osnabrücker Kongresses "Frauen in kirchlichen Ämtern. Reformbewegungen in der Ökumene" die Osnabrücker Thesen verabschiedet werden, ist auch die kfd daran beteiligt. 

Der Verband unterstützt die Osnabrücker Thesen und sieht in der Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Diensten und Ämtern einen wichtigen Beitrag zur Ökumene und einen bedeutenden Schritt hin zu einer sichtbaren Einheit der Kirchen.

Im Positionspapier, das in Mainz zur Diskussion und Abstimmung steht, ist daher die deutliche Forderung nach der "gleichberechtigten Teilhabe von Frauen an allen Diensten und Ämtern in der Kirche aufgestellt.

Und dafür gibt es viele Gründe: "Für viele ist es weder nachvollziehbar noch akzeptabel, dass Frauen bestimmte Leitungspositionen, Dienste und Ämter innerhalb der Kirche qua Geschlecht verwehrt werden."

Zudem würden nicht alle Charismen gewürdigt: Frauen werde Leid zugefügt, wenn sie den Reichtum ihrer Charismen nicht verwirklichen könnten. Daraus resultiert mit Verweis auf die Osnabrücker Thesen: "Nicht der Zugang zu den kirchlichen Diensten und Ämtern ist begründungspflichtig, sondern deren Ausschluss' besonders zu betonen."

Gerade angesichts der aktuellen Krise um den Machtmissbrauch in der Kirche sieht es die kfd als ihre Pflicht an, das Evangelium in der heutigen Zeit glaubwürdig zu verkündigen und einen Beitrag zur Erneuerung der Kirche zu leisten.

Für viele ist es weder nachvollziehbar noch akzeptabel, dass Frauen bestimmte Leitungspositionen, Dienste und Ämter innerhalb der Kirche qua Geschlecht verwehrt werden."

Im Hinblick auf das Erreichen der Geschlechtergerechtigkeit und die Weiterentwicklung der Ämterfrage könne die katholische Kirche von den Kirchen der Ökumene lernen.

In der kfd geschieht seelsorgerisches Handeln bereits seit den 1990er-Jahren über das verbandliche Amt der Geistlichen Leitung/Begleitung. "Es schmerzt uns als kfd sehr, dass Seelsorgerinnen keine Sakramente spenden dürfen", heißt es in dem neuen Positionspapier.

Vor allem deshalb, weil Seelsorge bedeute, die Menschenfreundlichkeit Gottes auf vielfältige Weise spürbar und greifbar werden zu lassen.

Die kfd wird sich wertschätzenden Diskussionen über die Ämterfrage nicht entziehen. Sie ist gleichzeitig der Auffassung, dass dazu bereits alle theologischen Fragen geklärt sind.

Die kfd ist der festen Überzeugung, dass eine wirkliche Erneuerung der Kirche Jesu Christi nur mit Hilfe der Frauen gelingen kann. Das ist und bleibt eine große Herausforderung.

Interview

"Die Signale aus Rom sind ernüchternd"

Margit Eckholt ist Professorin für Dogmatik mit Fundamentaltheologie am Institut für Katholische Theologie der Universität Osnabrück. Im "Frau und Mutter"-Interview spricht sie darüber, wie die Chancen auf die Veränderungen der Machtstrukturen in der katholischen Kirche stehen. 

Wie schätzen Sie die momentane Stimmung für den Zugang von Frauen zu Weiheämtern ein?

Margit Eckholt: Der im Dezember 2017 an der Universität Osnabrück durchgeführte Kongress "Frauen in kirchlichen Ämtern. Reformbewegungen in der Ökumene" hat die Frage nach Frauen in Weiheämtern theologisch fundiert, sachlich und mit einer großen geistlichen Tiefe diskutiert.

Leider sind die Signale aus Rom, die bei deutschen Theologen und Theologinnen ankommen, ernüchternd. Ich habe aber den Eindruck, dass der Kongress etwas "bewegt" hat, so dass auch über den engen Kreis der Experten und Expertinnen hinaus verstärkt nach der Stringenz der kirchlichen Argumentation im Blick auf den Ausschluss von Frauen von der Weihe gefragt wird.

Welche konkreten Schritte müssen nun erfolgen, um diese Forderungen auch durchzusetzen?

Die von Papst Franziskus eingesetzte Kommission zum Frauendiakonat hat dem Papst im Dezember 2018 ihren Abschlussbericht überreicht; Ergebnisse sind nicht bekannt, Papst Franziskus hat sich dazu bislang nicht geäußert.

Wir brauchen in der gegenwärtigen weltweiten Krise der römisch-katholischen Kirche Zeichen und konkrete Schritte, die Mut machen: Die Weihe von Diakoninnen ist ein solches Zeichen.

Wenn der Papst die Weihe von Diakoninnen in der frühen Kirche anerkennt, könnten nationale Bischofskonferenzen weitere Schritte einleiten.

Warum lief dieser Prozess bisher eher schleppend?

Es ist wichtig, dass wir im Blick auf den "Tag der Diakonin" unsere Bischöfe ins Boot holen: Die Frage nach der Teilhabe von Frauen am Amt und nach dem Frauendiakonat schreibt sich in den Umkehrprozess ein, der mit dem Osterevangelium verbunden ist und der Frauen und Männer, Bischöfe, Priester, Diakone, haupt- und ehrenamtlich tätige Laien miteinander verbindet, konkrete Schritte im Blick auf eine geschlechtergerechte Kirche zu setzen.

Diese Frage kann heute nicht mehr an den Rand von Kirche gedrängt werden. De facto geschieht dies aber mit dem Hinweis auf can. 1024 des Kirchenrechts, die Weihe sei nur getauften Männern vorbehalten, und auf das Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" (1994) von Johannes Paul II., das weitere Debatten zur Priesterweihe von Frauen für beendet erklärt.

Ist es theologisch überhaupt haltbar, Frauen den Zugang zu Weiheämtern vorzuenthalten?

Die lehramtliche Position gegen den Zugang von Frauen zur Weihe ist auch durch eine Gender-Perspektive geprägt; sie schreibt theologische Begründungsmuster scholastischer - mittelalterlicher - Theologie fort, die Frauen dem Mann unterordnen und damit die gleiche Würde von Mann und Frau in der Gotteskindschaft unterlaufen.

Mit den "Osnabrücker Thesen" haben wir an die biblischen und frühkirchlichen Traditionen erinnert, an die Frauen als erste Zeuginnen der Auferstehung, an die Ämter, die sie in den paulinischen Gemeinden ausgeübt haben und an das Diakoninnenamt der ersten christlichen Jahrhunderte.

Darum haben wir formuliert, dass die "Veränderung dieser Praxis, die zum Ausschluss von Frauen aus den kirchlichen Diensten führte - im Westen früher und im Osten später - begründungspflichtig ist".

Die Fragen stellte Isabelle De Bortoli.

Stand: 04.06.2019