Zwillinge, wie schön!

Monika und Edeltraud Staude haben als Zwillingsschwestern ihr ganzes Leben geteilt.Noch heute wohnen sie in einem Haus. Folge 1 unserer Reihe "Schwesterherz - Geschichten einer lebenslangen Beziehung".

Von Nadine Diab

Erst kürzlich ist es wieder geschehen: Monika und Edeltraud Staude waren in einem Fahrstuhl, ein Ehepaar stieg zu. Der Mann sah sie lächelnd an und sagte dann: "Sie sind Zwillinge, wie schön!" Monika Staude nickt. "Sie glauben gar nicht, wie oft uns das passiert!", sagt sie. Edeltraud Staude lacht. Die Schwester stimmt mit ein. So ist das immer, wenn die eine die andere mitreißt.

Geboren wurden die beiden am 6. Januar 1953 im Siegerland. Es ist eine Hausgeburt. Dass Zwillinge kommen, ist den Eltern Anna und Max damals bis zur letzten Sekunde nicht klar. Die Überraschung, aber auch die Freude, dementsprechend groß.

Der Vater ist von der ersten Sekunde an verliebt in seine kleinen Mädchen. "Ist doch nicht schlimm, wenn zwei da sind, die können wir dann gleich anziehen!", soll er gesagt haben. Und so ereilt die Staude-Zwillinge das Los, das wohl die meisten Zwillingspaare auf der Welt mit ihnen teilen: "Immer die gleichen Kleider. Immer die gleiche Frisur. Irgendwann haben wir zur Mutti gesagt, dass wir nicht mehr wollen", erinnert sich Monika. Sie ist die Ältere, es liegen 20 Minuten zwischen ihr und Edeltraud.

Sind es diese Minuten, die womöglich entscheidend sind und sie zur "Vernünftigeren" gemacht haben? Wieder ein Lachen, dieses Mal zeitgleich. "Doch, das könnte natürlich sein. Ich habe mich immer schon sehr verantwortlich gefühlt", überlegt Monika.

Der Vater stirbt, da sind die Zwillinge erst drei Monate alt. Noch an seinem Sterbebett werden sie getauft. Nun sind es die ältere Schwester Hannelore (heute 78) und "Mutti" Anna, die sich um die Mädchen kümmern.

Vor allem Hannelore ist es, die ihre kleinen Schwestern stützt und der Mutter mit den zwei Wirbelwinden hilft. Edeltraud und Monika Staude sind der Schwester dankbar, fühlen sich tief mit ihr verbunden.

"Wir wohnen bis heute alle zusammen in unserem Mehrgenerationenhaus. Ich im Erdgeschoss, Monika in der Mitte und Hannelore ganz oben", sagt Edeltraud Staude.

Es wird gemeinsam gefrühstückt, geredet, gelacht, geweint. Viele Erinnerungen stecken hier. "Man hängt immer sehr zusammen", sagt Monika Staude, und Edeltraud nickt.

Ob das der Grund ist, dass sie nie geheiratet haben? Ein kurzes Zögern. "Also ich habe immer gesagt, ich kann mir keinen Mann an meiner Seite und keine Heirat vorstellen."

Während Monika Staude das sagt, bleibt die Schwester ruhig. Dann fügt sie hinzu: "Es hat nicht sollen sein. Aber unsere Hannelore war verheiratet, und ihre Kinder wohnen direkt nebenan. Es ist schön, sie zu sehen, im Sommer sitzen wir gerne gemeinsam im Garten."

Ein Leben ohne den Zwilling, womöglich als Einzelkind? "Nein, das", sagt Edeltraud, und Monika fügt hinzu: "kann ich mir nicht vorstellen." Typisch für die Zwillinge: Da beginnt die Schwester einen Satz, und die andere beendet ihn.

Aber gibt es nicht irgendetwas, in dem sich Monika und Edeltraud unterscheiden? Das Geheimnis liegt in der beruflichen Vergangenheit: 40 Jahre lang führten die Zwillinge in Solingen das "Käsekörbchen". Edeltraud liebt bis heute Schafskäse mit Rosmarin und Tannennadeln gespickt, Monika zieht Hartkäse vor. Beim Geschmack ist es dann doch vorbei mit dem Einerlei.

Geschwister in der Bibel

Kain und Abel

Gleich bei den ersten Geschwistern, die in der Bibel genannt werden, ermordet der eine den anderen - aus Neid.

Isaak und Ismael

Die Halbbrüder sind die Söhne Abrahams, der den älteren, Ismael, mit einer Magd zeugte. Seine Frau Sara gebar mit 90 Jahren Isaak.

Mirjam, Mose und Aaron

Das Geschwistergespann ergänzt sich perfekt. Mose führte das Volk, Aaron verhandelte mit dem Pharao, Prophetin Mirjam vereinte die Frauen hinter sich.

Jakob und Esau

Der Konflikt der beiden Söhne Isaaks fing schon im Mutterleib an: Der zarte Jakob gönnt Esau das Erstgeburtsrecht nicht, hält ihn bei der Geburt an der Ferse fest. Nach Jahrzehnten voller Zwist versöhnen sich beide.

Lea und Rahel

Zwei Schwestern, beide mit demselben Mann verheiratet - Jakob. Die eine fruchtbar, die andere nicht, konkurrieren sie bis zum Tode Rahels um Jakobs Gunst.

Maria, Marta und Lazarus

Das Geschwistertrio von Bethanien gehörte zu den engen Freunden Jesu. Maria und Marta hören Jesu Wort und bewirten ihn. Als ihr Bruder Lazarus stirbt, ist Jesus so erschüttert von der Trauer der Schwestern, dass er Lazarus zum Leben erweckt.

Stand: 27.02.2020