Heimat ist Beirut, Bonn und die kfd-Gemeinschaft

Die 68-jährige Nawal Obst kam vor 34 Jahren aus dem Libanon nach Deutschland. Sie schloss sich der kfd an und ist heute leidenschaftliche Mittlerin zwischen den Kulturen und den Religionen.

Von Jutta Laege

Ihr Bild könnte im Duden unter dem Wort "Begeisterung" stehen. Nawal Obst ist eine quirlige, warmherzige Frau mit fröhlichen Augen und südländischem Temperament.

Wobei südländisch natürlich ein dehnbarer Begriff ist: Nawal Obst stammt aus Beirut, der Hauptstadt des Libanon, wo sie die ersten 34 Jahre ihres Lebens verbrachte - bevor die Liebe sie nach Europa führte - über Paris und Münster ins beschauliche Bonn.

Seit 1990 lebt die Lehrerin für französische Literatur mit Mann, einem Professor für Slawistik, und Sohn in der früheren Bundeshauptstadt.

Nicht ganz so lange, seit 1992, ist sie Mitglied in der kfd. Und was mit kleinen Aufgaben in der Gemeinde begann, ist zu einer leidenschaftlichen und erfüllenden Arbeit für die Frauen im Dekanat Bonn ausgewachsen.

Die kfd ist meine Heimat, meine Gemeinschaft!"

"Ich glaube, ich bin wirklich ansteckend", mutmaßt die 68-Jährige. Und wenn sie so aufzählt, was sie alles organisiert und tut, wird einem beinahe schwindelig: Chroniken, Gottesdienstvorbereitungen, Bibelabende, Andachten, Werkstätten, literarische Lesungen, Programmgestaltung für die einzelnen Ortsgruppen, Vorbereitung der jährlichen Weltgebetstage ...

Sie lächelt: "So fühle ich mich in meinem Element!" Was verbindet sie mit der kfd: "Die kfd ist meine Heimat, meine Gemeinschaft", sagt Nawal Obst. "Ich bin selbst begeistert, von dem, was wir machen, und ich lasse mich schnell begeistern."

Der ursprüngliche Antrieb war ihr Glaube. In ihrer Heimat Beirut besuchte sie die Klosterschule der Vinzentinerinnen, verdiente dort nach dem Abitur und dem Studium als Lehrerin ihr erstes eigenes Geld.

Sie war privilegiert, eine Privatschule besuchen zu dürfen. "Die Christen in Beirut legten viel Wert auf eine gute Bildung", berichtet sie.

Als der libanesische Bürgerkrieg 1975 begann, wurde es auch für ihre Familie gefährlich: das Elternhaus unter Granatenbeschuss, sie mussten zu Verwandten fliehen.

An der Bürgerkriegsgeschichte im Libanon wird deutlich, wie fragil der Nahe Osten mit all seinen politischen und religiösen Gruppierungen unter dem Einfluss großer geopolitischer Mächte war.

"Es war nicht unser Krieg", meint Nawal Obst. "Aber er fand auf unserem Boden statt!" Die Parallelen zum heutigen Kriegsgeschehen im Irak und in Syrien sind frappierend.

Kulturmittlerin der kfd

Inzwischen lebt Nawal Obst länger in Deutschland als im Libanon. Wie viel Libanesin steckt noch in ihr? "Viel, viel, viel!", strahlt sie. "Beirut ist meine Heimat. Ich bin regelmäßig dort, treffe meine Familie, frühere Freundinnen und Klassenkameradinnen."

Als Kulturmittlerin der kfd ist ihr der Austausch sehr wichtig. "Der Libanon war immer multikulti", erzählt sie. "Bei unserer Hochzeit in einer katholischen Kirche in Beirut haben Muslime natürlich mitgefeiert!"

Und was ist mit Bonn? Schlägt das beschauliche Beethoven-Städtchen am Rhein das "Paris des Ostens"? Bonn sei jetzt definitiv auch ihre Heimat. Auch und vor allem, weil sie die Gemeinschaft in der kfd leben kann.

"Die Leute können sich mit mir identifizieren und wir kfd-Frauen bewegen hier richtig was!" 28 "Neue" hat sie während der Mitgliederwerbekampagne zur kfd locken können. "Das war gar nicht schwer", sagt sie im Rückblick.

 Für ihr vorbildliches Engagement wurde sie zuletzt sogar mit dem Ehrenpreis der kfd-Stiftung St. Hedwig ausgezeichnet. Wichtig ist ihr aber vor allem, die Frauen mit ihren individuellen Lebensentwürfen abzuholen. Denn eigentlich gelte doch nur ganz schlicht: "Wir sind alle Gottes geliebte Töchter!"

Lesetipps

Außerdem in der neuen "Frau und Mutter"

Stand: 24.10.2018