Saubere Lösung

Faire und legale Hilfe in Haushalten ist möglich

Bei Menschen für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen, denen selbst Zeit oder Kraft dafür fehlt - diese Aufgabe übernehmen oft Frauen und Männer in Schwarzarbeit. Dabei gibt es gute legale Wege zu einer gepflegten Wohnung: So bieten immer mehr Service-Unternehmen haushaltsnahe Leistungen an. Eines von ihnen ist "Zauberfrau".  Ein Erfahrungsbericht von Constanze Bandowski.

 

"Kennst du nicht eine zuverlässige Hilfe im Haushalt?" Wie oft habe ich diese Frage schon gehört! Meist habe ich den Kopf geschüttelt, denn zuverlässige Haushaltshilfen sind rar. Sie werden in der Regel von Mund zu Mund weiterempfohlen, sind ausgebucht und arbeiten leider viel zu häufig schwarz. Ihr Stundensatz übersteigt locker den gesetzlichen Mindestlohn. In Großstädten wie Hamburg liegt er zwischen 13 und 15 Euro, manchmal kommt noch das Busticket oder ein kleines Trinkgeld dazu.

Die Scheine wandern bar von Hand zu Hand, ohne offizielle Angaben, ohne finanzielle Abgaben. Ein leichter, verlockender Deal für beide Seiten. Was aber bedeutet das eigentlich für alle Beteiligten und was passiert zum Beispiel bei einem Unfall? Wer zahlt die Folgekosten? Und sollte die Arbeit im Haushalt nicht längst gebührend gewürdigt werden, sprich: auf ganz legale Füße gestellt werden?

Ich selbst habe lange nach einer preiswerten und guten Lösung gesucht, damit mein Haushalt mit einem überbeschäftigten Mann und zwei Kindern nicht total verkommt. "Ein Minijob lohnt sich für mich nicht, da verringert sich meine Rente", erklärte mir eine 70-jährige Witwe, die in der Nachbarschaft putzte. "Ich will das gesamte Geld sparen, um mir zu Hause etwas aufzubauen", sagte eine junge Polin. "Ich bin als Tourist nach Deutschland eingereist und habe nun keine Aufenthaltsgenehmigung mehr. Also darf ich nicht offiziell arbeiten. Das nehme ich in Kauf, denn ich muss meine Familie in Guatemala ernähren", berichtete ein junger Latino.

Und ich erinnere mich an Frau Plate, eine ältere Dame in Kittelschürze, die in meiner Kindheit alle 14 Tage zu uns nach Hause kam, um "Grund in die Wohnung zu bringen", wie meine Mutter das damals nannte. Frau Plate besserte bis kurz vor ihrem Tod ihre karge Witwenrente auf, ohne dass sich jemand dabei etwas dachte. Das war lange, bevor die sogenannten Minijobs ein Thema waren.

Die Unternehmerin Antonia Konerding versichert mir, dass ihre "Zauberfrauen" Grund in meine Wohnung bringen. Meine Nachbarin hat sie mir empfohlen. "Damit bin ich endlich auf der sicheren Seite", sagte sie, und nun sitzt die junge Inhaberin von "Zauberfrau Hamburg" an meinem Küchentisch. Ihre Mitarbeiterinnen kämen auch zum Bügeln. Sie würden auf meine Kinder aufpassen, die Eltern versorgen, einkaufen, Blumen gießen und die Post reinholen, wenn ich im Urlaub bin - eine Zauberfrau erledigt alles, was ich brauche oder möchte, außer Fensterputzen und professioneller Pflege.

Der vertraglich geregelte Mindesteinsatz beträgt alle 14 Tage zwei Stunden zum Preis von 23,50 Euro pro Stunde. Davon kann ich 20 Prozent steuerlich absetzen. Als Kundin habe ich keinerlei Arbeitgeberpflichten, die übernimmt Antonia Konerding. Die junge Unternehmerin hat Informationspapiere und einen hübschen Staubwedel aus Straußenfedern auf meinem Tisch platziert und erklärt mir ihr Konzept: "Wir wollen der Schwarzarbeit ein faires Angebot für beide Seiten entgegensetzen", sagt die 30-jährige Groß- und Außenhandelskauffrau.

Nach der Geburt ihrer Tochter hat sie sich im Februar 2016 selbstständig gemacht. Nun sucht sie sowohl Kunden als auch "Zauberfrauen und -männer", um den sechsten Standort in Deutschland aufzubauen. Ihre Mutter hat das Unternehmen vor 20 Jahren in Münster gegründet, inzwischen beschäftigt sie dort mehr als 80 Mitarbeitende. "Unser Vorteil gegenüber großen Online-Anbietern ist die persönliche Ansprache", betont Antonia Konerding. Der Nachteil sind bis zu acht Euro höhere Kosten pro Stunde. "Dafür zahlen wir unseren ,Zauberfrauen' aber mehr als den Mindestlohn, und Sie können alles mit mir besprechen."

Mitarbeiterin Sabine Bleuss sitzt ihrer Chefin gegenüber und strahlt. "Das hier ist meine große Chance", sagt die 54-jährige "Zauberfrau", die bis vor knapp drei Jahren in der Verwaltung arbeitete. "Erst kamen die Sparmaßnahmen, dann wurde ich versetzt und schließlich krank", erzählt sie und fügt leise hinzu: "Bei meinem früheren Arbeitgeber habe ich keine Chance mehr und in der freien Wirtschaft erst recht nicht!" Als Haushaltshilfe kann sie ihre Hobbys zum Beruf machen: "Ich putze gerne und betreue privat eine ältere Dame", versichert Sabine Bleuss. "Das macht mir großen Spaß." Deshalb möchte Antonia Konerding sie später gerne in der Seniorenbetreuung einsetzen.

Vorerst gehen wir aber gemeinsam durch meine Wohnung. Sabine Bleuss schnappt sich Staubsauger, Wischeimer und Staubwedel. Das Bücherregal steht voller Schnickschnack. Sorgfältig nimmt sie jedes Teil heraus, befreit es vom Staub und stellt es in das saubere Fach zurück. Ich erkläre, auf welche Dinge es mir ankommt, dass sie ökologische Reinigungsmittel verwendet, das Sofa zum Saugen abrückt und die Treppe nur jedes zweite Mal wischt - die teile ich mir mit meiner Nachbarin. Tischlampe und Plattenspieler kann sie auslassen, die sind so filigran, dass ich mich selbst darum kümmere.

Ich bin erleichtert. Als meine letzte Putzhilfe zurück nach Polen ging, hatte sie mir noch eine Nachfolgerin vermittelt, die ebenfalls einen Gewerbeschein hat. Aber Monika ist jung, spricht wenig Englisch und lernt kein Deutsch. Auch sie wird bald gehen. Für diesen Fall habe ich jetzt eine Lösung: Ich buche mir eine "Zauberfrau".

 

Minijobs: Unbefriedigend,
aber besser als Schwarzarbeit.

Die Internetseite www.minijob-zentrale.de liefert unter der Rubrik "Minijobs in Privathaushalten" alles Wissenswerte über diese spezielle Form der geringfügigen Beschäftigung, die vom Gesetzgeber gefördert wird. Von dort aus führt auch ein Link zur Haushaltsjob-Börse, einem kostenlosen Stellenportal für Privathaushalte und Haushaltshilfen.

 

Haushalte als Arbeitgeber

Die Position der kfd

Die kfd setzt sich dafür ein, dass haushaltsbezogene Dienstleistungen im privaten Bereich, die von nicht familien- oder haushaltszugehörigen Personen erbracht werden, aus der Illegalität heraus in sozial­­versicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse überführt werden. Das hat die Bundesversammlung bereits 2015 einstimmig beschlossen.

Laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft sind Hilfen in jedem neunten Haushalt beschäftigt, aber nur 20 Prozent von ihnen sind angemeldet. Mit der 2016 erschienenen Broschüre "Haushalte als Arbeitgeber" informiert die kfd darüber, wie haushaltsbezogene Dienstleistungen "fair - legal - bezahlbar" sein können. Auch Minijobs thematisiert das Heft: "Für die Beschäftigten ist eine Erwerbstätigkeit im Rahmen des Minijobs zwar besser als Schwarzarbeit, bietet jedoch keine eigenständige soziale Sicherheit." Die kfd sieht Minijobs letztlich als "unbefriedigende Lösung" und fordert ihre Abschaffung.

"Haushaltsbezogene Dienstleistungen. Berufe mit Zukunft - fair, legal, bezahlbar" lautete auch das Thema eines Studientages, den der kfd-Bundesverband im Sommer in Köln ausgerichtet hat. Vorbereitet hatten die Veranstaltung die beiden Ständigen Ausschüsse der kfd, "Frauen und Erwerbsarbeit" sowie "Hauswirtschaft und Verbraucherthemen". Das Fazit aus den Diskussionsrunden: Die Politik muss die Arbeitsbedingungen in Privathaushalten so gestalten, dass Schwarzarbeit nicht mehr attraktiv ist.

Die Dokumentation "Haushalte als Arbeitgeber", die beispielhaft auch im Ausland bewährte Lösungen - wie Gutscheinmodelle in Belgien oder Frankreich - vorstellt, ist kostenlos erhältlich über die Internetseite www.kfd-bundesverband.de in der Rubrik "Shop" oder telefonisch unter 0211. 44992-86.

Stand: 20.12.2017