Einfach "kfd-infiziert"

Interview mit der Bundesvorsitzenden Maria Theresia Opladen

Seit 2008 ist Maria Theresia Opladen Vorsitzende des kfd-Bundesverbandes, des größten katholischen Verbandes in Deutschland. Im Frühsommer ist die 65-Jährige für weitere vier Jahre im Amt bestätigt worden. Im Interview mit Nikola Hollmann spricht sie über ihre Ziele, den neuen Papst und darüber, warum sie auch in Zukunft ihre Zeit der kfd zur Verfügung stellt.

Herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl, Frau Opladen. Eine neue Wahlperiode liegt vor Ihnen: Was möchten Sie erreichen – kirchenpolitisch?
Im kirchlichen Bereich ist die kfd sehr intensiv beteiligt an dem von der Bischofskonferenz ausgerufenen Dialogprozess. Ich bin der festen Überzeugung, dass es auch die Initiative der kfd zum Thema wiederverheiratet Geschiedene war, die zumindest zu einem Teilerfolg geführt hat, nämlich der Einrichtung einer Arbeitsgruppe der Bischöfe. Ohne unsere Unterschriftenaktion und unser beharrliches Drängen wäre es nicht so weit gekommen. Das heißt für mich, dass wir uns weiter einbringen müssen, um bei diesem Thema konkrete Ergebnisse zu erreichen und andere Themen wie den Diakonat der Frau voranzubringen.

Wie optimistisch sind Sie, dass sich da tatsächlich in der näheren Zukunft etwas bewegt?
Was die wiederverheiratet Geschiedenen angeht, bin ich optimistisch, dass sich mindestens im pastoralen Bereich etwas tut. Beim Thema Diakonat der Frau habe ich schon Bedenken, ob das, was wir möchten, in absehbarer Zeit umsetzbar sein wird. Denn wir möchten ja nicht eine "mindere" oder "kleinere" Form des Diakonats. Wir haben uns in dieser Frage klar positioniert. Ich bin der Meinung, dass man die Diskussion über den Diakonat der Frau immer wieder sachlich und theologisch fundiert führen muss.
Sehen Sie die Kirche vor Veränderungen durch den neuen Papst?

Ich habe die Bilder vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro vor Augen. Der Papst fährt in einem einfachen Auto – es war wohl ein Fiat – durch die Menge. Das ist es: Er stellt neue Maßstäbe für unsere Kirche auf, für sich, die Geistlichkeit, aber auch für uns Gläubige – eine Kirche, die sich nicht in sich zurückziehen darf, die zu den Armen geht, die sich als dienende Kirche versteht, die bescheiden lebt! Das muss und wird zu Veränderungen führen.

Die kfd versteht sich als Vertreterin von Frauenanliegen nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft.
Im gesellschaftspolitischen Bereich haben wir einen großen Erfolg zu verzeichnen: Zumindest von Seiten der CDU ist fest zugesagt, im Falle eines Wahlsieges die Rente für Frauen, die vor 1992 Mütter geworden sind, um wenigstens einen Rentenpunkt anzuheben. Ohne unseren Einsatz – gemeinsam mit dem Katholischen Deutschen Frauenbund – wäre es nicht so weit gekommen. Mein Ziel ist daher, weiter für Frauen interessante Themen aufzugreifen und ihre Interessen bei der Politik zu formulieren und durchzusetzen.

Die kfd hat bei der Bundesversammlung ein Gleichstellungspapier veröffentlicht.  Was ist für Sie persönlich die essentielle Botschaft dieses Papiers?
Dass Frauen und Männer gleichermaßen gefordert sind, in ihrem Leben Phasen für Erwerbsarbeit, Sorgearbeit, Pflege zu gestalten und diese miteinander zu vereinbaren – ein wichtiger Gedanke, der das partnerschaftliche Miteinander von Mann und Frau voraussetzt. Der Staat muss die Rahmenbedingungen schaffen – wie zum Beispiel quantitativ und qualitativ gute und bezahlbare Kinderbetreuungsangebote. Wir sehen aber auch die Bedeutung familienfreundlicher Unternehmen oder einer lokalen Infrastruktur, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht.
Ich betone aber: Wir setzen auf wirkliche Wahlfreiheit der Frauen und Männer, die gemeinsam Kinder erziehen. Sie sollen selber entscheiden können, wie sie ihr Leben gestalten. Dazu gehört auch, dass es möglich sein muss, sich für die Betreuung zu Hause zu entscheiden – für eine kürzere Zeit oder für länger.

Neben gesellschaftspolitischen und kirchenpolitischen hat die kfd in der nächsten Wahlperiode auch Ziele in eigener Sache. Im Herbst 2014 startet der Verband eine Mitgliederkampagne. Welchen Weg will die kfd damit beschreiten?
Wir beginnen mit der Vorbereitung der Mitgliederwerbekampagne, weil uns der Verlust von Mitgliedern zu schaffen macht und der Vorstand sich damit beschäftigt, wie er reagieren kann. Uns ist klar, insbesondere auch aus dem Modellprojekt "Neue Frauen", dass die Gewinnung neuer Mitglieder nicht gelingen kann über groß angelegte Plakataktionen oder die Verteilung von Flyern oder noch so interessant gestaltete Werbeartikel. Es kommt stark auf die persönliche Ansprache und das Beispiel der Frauen vor Ort an, also in den Pfarrgruppen. Da liegt natürlich manchmal ein Problem, weil die Gruppen selber nicht wissen, wie sie es anfangen sollen, mutlos sind oder gute Ansätze sich schwierig gestalten.
Da setzen wir mit der Mitgliederwerbekampagne an. Die Idee ist, dass wir die Kampagne über die Diözesanverbände bis hin zu den Pfarrgruppen initiieren. Sie soll eine Vielzahl von Angeboten umfassen. Die Einzelheiten werden zur Zeit noch geplant. Der Grundgedanke ist klar: Es geht darum, nichts von oben überzustülpen, sondern den ganzen Verband mitzunehmen. Über das Beispiel vor Ort, über die Frau, die sagt: "Mensch, komm doch mit, dass ist ein toller Verband und wir haben tolle Themen", kann die Kampagne gelingen. Wir möchten eine Bewegung im ganzen Verband erzeugen, die dazu führt, dass er ansteckend wirkt vor Ort.

Was motiviert Sie, noch einmal für mindestens vier Jahre Ihre Zeit und Ihr Engagement der kfd zur Verfügung zu stellen?
Es gibt einiges, dass ich fortführen und verfestigen möchte, gemeinsam mit dem neugewählten Vorstand. Dazu gehört die Mitgliederwerbekampagne, die positive Lobbyarbeit für Frauenthemen bei den Bischöfen und beim Deutschen Bundestag, aber auch die Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden.
Entscheidend ist aber, dass mir das Engagement für die kfd und die Zusammenarbeit mit den vielen Frauen Freude macht und eine Bereicherung für mich ist. Ich habe völlig neue Erfahrungen machen dürfen und viel Neues gelernt. Dafür bin ich der kfd dankbar – und jetzt einfach "kfd-infiziert".

Stand: 04.01.2018