13. Juli 2018 Aktuelles

"Weil jede etwas zu sagen hat": Bibliologe schnuppern – In biblische Räume eintreten

Die Teilnehmerinnen des Bibliolog-Schnupperkurses im Erbacher Hof in Mainz. Foto: kfd/privat

Zu einem Bibliolog-Schnupperkurs haben sich Mitte Juni im Erbacher Hof in Mainz 13 Teilnehmerinnen getroffen. Begleitet hat den Kurs Dorothea Kleele-Hartl, die als Bibliologstrainerin einen Einblick in diese Methode der Bibelauslegung gegeben hat.

Das Interesse an einer weiteren Qualifizierung zur Durchführung eigener Bibliologe war so groß, dass der kfd-Bundesverband einen Bibliolog-Grundkurs in seinem Bildungsprogramm 2019 anbieten wird.

Monika Altenbeck, Referentin in der kfd-Bundesgeschäftsstelle und Leiterin der Bibliolog-Schnuppertage, erzählt, was genau sich hinter dem Begriff "Bibliolog" verbirgt.

Bibliolog, das ist erstmal ein etwas sperriger Begriff. Was muss man sich darunter vorstellen?

Der Bibliolog ist eine Methode, in der die Teilnehmerinnen sich in eine Person/Figur oder auch einen Gegenstand in der Bibel spielerisch hineinversetzen und aus dieser Sicht heraus, mit den eigenen Erfahrungen, dem Lebenshintergrund und der momentanen Gestimmtheit Worte finden für das, was zwischen den Zeilen des biblischen Textes stehen könnte.

Woher kommt die Methode?

Entwickelt wurde der Bibliolog von dem amerikanischen Psychodramatiker und Literaturwissenschaftler Peter Pitzele und seiner Frau Susan. Sie stellen den Bibliolog in die Tradition der jüdischen Bibelauslegung des Midrasch.

Während einerseits der biblische Text (als sogenanntes "schwarzes Feuer") zugrunde gelegt wird, bietet der Text andererseits viel Raum, mit eigenen Gedanken, Gefühlen und Ideen gefüllt zu werden (das sogenannte "weiße Feuer").

Wie sieht ein Bibliog in der Praxis aus?

Wir haben uns während der Schnuppertage z.B. mit dem Psalm 1 beschäftigt und sollten uns sehr konkret vorstellen, der Baum zu sein, der an Bächen voller Wasser gepflanzt ist. Das Bild, das im Psalm verwendet wird, wurde dadurch sehr lebendig - für jede fühlte es sich anders an; dies zu hören war sehr bereichernd und hat die Bibelstelle unvergesslich gemacht.

Die Bibliolog-Leiterin hat zuerst in die Methode und in die Szenerie des Bibelauszugs eingeführt; sie hat dabei die Teilnehmerinnen mit in die Zeit, den Ort und das soziale Umfeld genommen. Dann hat sie einen Satz bzw. einen kurzen Abschnitt vorgelesen und die Anwesenden angesprochen, eine bestimmte Rolle einzunehmen. (z.B. der Baum zu sein).

Wer wollte, konnte sich in der Ich-Form äußern. Zum Beispiel: "Es fühlt sich wunderbar an, dass ich als Baum immer genug zu trinken habe. Meine Blätter sind saftig und mein Stamm trägt mich wunderbar." Die Äußerungen wurden von der Bibliolog-Leiterin sprachlich aufgenommen und verstärkt.

Zum Schluss wurde der Gruppe in ihrer Rolle als Baum gedankt und die Aufmerksamkeit wieder auf den Text gelenkt. Die Leiterin hat den nächsten Satz oder Abschnitt vorgelesen und dort innegehalten, wo im Text ein offener Deutungsraum erkennbar ist. Die Teilnehmerinnen konnten sich hierzu erneut äußern. Zum Schluss hat die Bibliologs-Leiterin die Personen aus ihren Rollen entlassen und alle gedanklich wieder in die Gegenwart zurückgeführt.

Ein Bibliog dauert ca. 15 bis 20 Minuten und der Ablauf ist formal immer recht ähnlich.

Wo lassen sich Bibliologe einsetzen?

Die Methode eignet sich für alle Altersgruppen und für Gruppen ab ca. acht Personen. Sie kann als Bibelarbeit oder als Predigt im Gottesdienst angewandt werden, in kfd-Gruppen, in der Gemeindearbeit, in der Schule oder im Seniorenheim. Die Methode sollte allerdings nur von einer geschulten Bibliolog-Leiterin, die einen Grundkurs absolviert hat, angewandt werden.

Die kfd bietet im nächsten Jahr (2019) im Erbacher Hof in Mainz einen Bibliolog-Grundkurs in zwei Modulen an. Weitere Informationen werden im Bildungsprogramm bekanntgegeben.

Kontakt
Saskia Bellem

Pressesprecherin

Telefon: 0211 44992-25

saskia.bellemat-Zeichenkfd.de

Stand: 13.07.2018