03. Juli 2019 Aktuelles

Geistlicher Impuls im Juli

Geistlicher Impuls im Juli. Foto: kfd/pixabay

Bekannte und unbekannten Frauen aus Bibel und Kirchengeschichte - sie stehen im Mittelpunkt der Monatsimpulse. Im Juli: Maria Magdalena

Ein mir bekannter, inzwischen verstorbener Pfarrer besaß die Fähigkeit, aus dem Stand, aus dem Moment heraus zu weinen.

Bei Trauungen oder Beerdigungen, beim Gespräch auf der Straße oder Ehejubiläen rollten ihm Tränen über die Wangen aus herzlicher, aufrichtiger Anteilnahme. Bei einer entsprechenden Gelegenheit habe ich ihn gefragt: "Wilhelm, warum weinst Du?" Seine Antwort: "Ich kann nicht nicht weinen."

An diese Episode denke ich fast immer, wenn am Ostersonntag oder am 22. Juli diese Frage im Evangelium des Tages der Maria Magdalena gestellt wird - vom auferstandenen Jesus (Joh 20,15).

Maria Magdalena kann nicht nicht weinen - nach diesen schrillen, alle Hoffnung zerstörenden Erlebnissen in Jerusalem. Wie soll frau da nicht weinen!?

Feier, Freude, Gemeinschaft münden in Festnahme, Folter und Tod. Wie soll man in solcher Lage keine Tränen vergießen, wenn vieles, vielleicht sogar alles, was mir wertvoll ist, in einem Grab verschwindet?

Tatsächlich - da ist einiges verschwunden damals: die Sicher- und Geborgenheit, das unbeschwerte und Gelassenheit schenkende Glauben. Zum ersten Mal wird - vom offenen Grab Jesu aus - die Botschaft des Lebens, der Auferstehung möglich und Maria Magdalena weint!

"Warum weinst Du?" - "Ich suche doch den Leib Jesu. Ich finde ihn nicht. Er ist verloren", könnte Maria Magdalena antworten. Ja, der Leib Christi - dieses paulinische Bildwort für die Kirche - ist verloren: damals.

Aber - wenngleich aus ganz anderen Gründen - auch heute, suchen viele den "Leib Christi", suchen die Gemeinschaft der Glaubenden, suchen die Kirche, sehnen sich, dem Auferstandenen zu begegnen. Nach fast 2000 Jahren ist die Frage an Maria Magdalena nicht weniger aktuell: sozusagen Maria Magdalena 2.0(00).

Feiern wir am 22.7. Maria Magdalena, damit auch wir - mit oder ohne Tränen in den Augen - unseren Namen von ihm ausgesprochen hören, so wie es damals passiert ist: "Maria!"

Pater Dominik Kitta OPraem
(Präses des kfd-Bundesverbandes)

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Stand: 03.07.2019
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