28. September 2020 Aktuelles

Die Corona-Krise offenbart die Defizite

Rege diskutierten die Delegierten des Ständigen Ausschusses "Frauen und Erwerbsarbeit" online über die Auswirkungen der Corona-Krise auf erwerbstätige Frauen. Die Herbsttagung fand angesichts der Pandemie nicht als Präsenzveranstaltung statt. Screenshot: kfd/Annamaria Stahl

Herbsttagung des Ständigen Ausschusses "Frauen und Erwerbsarbeit" erstmals online. Delegierte benennen klare Forderungen.

"Was kommt nach dem Applaus?" - diese Frage hatte der Ständige Ausschuss "Frauen und Erwerbsarbeit" in den Mittelpunkt seiner Herbsttagung gestellt.

Bei der Konferenz, die am 25. und 26. September 2020 erstmals online stattfand, richteten die Delegierten ihr Augenmerk darauf, welche Auswirkungen die Corona-Krise für erwerbstätige Frauen hat. Ihre Antwort, was nach dem Applaus kommen solle, war eindeutig.

Als Grundlage für die Diskussion präsentierte kfd-Referentin Annamaria Stahl Fakten und Zahlen, wie sich unter dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit   politische Entscheidungsprozesse und Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt während der Pandemie entwickelten.

Am Beispiel des "Corona-Kabinetts" wurde deutlich, dass Frauen und ihre Belange auf politischer Ebene genauso deutlich unterrepräsentiert sind wie in den Medien, wo überwiegend männliche Experten in Nachrichten- und Talksendungen zu Gast sind.

Perspektive von Frauen beachten

"Interessen, Sichtweisen und Erfahrungen von Frauen müssen gleichberechtigt in die politische Entscheidungsfindung einfließen, insbesondere in Krisenzeiten", so Stahl, die gemeinsam mit Sprecherin Petra Löwenbrück und ihrer Stellvertreterin Stephane Schimmel die Tagung leitete. "Denn nur wenn in diesen Prozessen verschiedene Perspektiven vertreten sind, werden auch die verschiedenen Bedürfnisse bedacht."

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt erläuterte die Referentin die Bedeutung von Frauen in den sogenannten systemrelevanten Berufen, die für das Funktionieren der Gesellschaft unerlässlich sind und auch in der Krise kaum eingeschränkt werden können.

Hier stellen Frauen mit rund 75 Prozent den größten Teil der Beschäftigten - in einem Bereich mit überwiegend großen Belastungen, geringem Lohnniveau und geringem gesellschaftlichen Prestige.

Teilzeitarbeit und Minijobs hätten zudem zur Folge, dass erwerbstätige Frauen überdurchschnittlich von Kurzarbeit und Kündigungen betroffen seien.

"Atypische Beschäftigungsverhältnisse von Frauen führen dazu, dass ihr Arbeitsplatz und ihre Existenzsicherung in Krisenzeiten bedroht ist und sie eher als Männer den Arbeitsmarkt verlassen", betonte Referentin Stahl.

Darüber hinaus hätten Frauen in der Corona-Krise verstärkt Familienpflichten übernommen, die sie zusätzlich an der gleichberechtigten Teilhabe am Erwerbsleben und an öffentlichen Funktionen hinderten.

Forderungen der Delegierten

Die lebhaften Diskussionen der Delegierten mündeten in Forderungen, die sich genauso an die Politik wie an Arbeitgeber*innen und die Vertretungen der Arbeitnehmer*innen, an den kfd-Bundesverband, an Bildungseinrichtungen sowie an viele andere gesellschaftliche Initiativen richteten, aber auch an jede und jeden Einzelnen:

  • die Abschaffung von Minijobs und Ehegattensplitting,
  • Rahmenbedingungen für eine existenzsichernde Rente,
  • die Beteiligung von Expertinnen und Gleichstellungsbeauftragten an Entscheidungsprozessen,
  • attraktive Arbeitszeitmodelle, die sich am Lebensverlauf der Menschen orientieren,
  • Solidarität mit und unter den Frauen,
  • Bewusstseinsbildung gegen Rollenklischees und vieles mehr.

Die meisten dieser Forderungen waren den kfd-Frauen nicht neu. Die Defizite in Sachen Geschlechtergerechtigkeit für erwerbstätige Frauen seien jetzt durch die aktuelle Situation wie unter einem Brennglas nur noch einmal besonders deutlich geworden, so die Delegierten.

In diesem Sinne müsse die Pandemie auch ein Weckruf für die Frauen selbst sein. Nachhaltige Geschlechtergerechtigkeit in der Erwerbswelt - das ist es, was nach dem Applaus kommen muss. Dafür will sich der Ständige Ausschuss "Frauen und Erwerbsarbeit" weiterhin stark machen.

Kontakt
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Stand: 28.09.2020
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