Prägend für "Frau und Mutter" – Zum Abschied von Barbara Leckel

Von Nikola Hollmann

Es ist eine Ära, die mit dieser Ausgabe von "Frau und Mutter" zu Ende geht. Die Doppelnummer des Jahrgangs 2015 ist Barbara Leckels 381. Ausgabe – und ihre letzte: Nach 35 Jahren verlässt die Chefredakteurin der Mitgliederzeitschrift "Frau und Mutter" die kfd und geht in den vorgezogenen Ruhestand.

Zeit für einen Rückblick.

Nach einem Volontariat bei der Tageszeitung "Trierischer Volksfreund" in ihrer Heimatstadt betreute Barbara Leckel einige Jahre die Regionalredaktion in der Kreisstadt Wittlich, wechselte dann ins Trierer Feuilleton, bevor sie als Reporterin und Kulturredakteurin zum "Kölner Stadtanzeiger" ging. Von dort aus kam sie zu "Frau und Mutter", mit 28 Jahren – und mit Hosen anstatt Röcken, was damals zumindest in den Veranstaltungen der kfd tatsächlich noch eher die Ausnahme als die Regel war.

Der Auftrag an die junge Frau war eindeutig: Sie sollte, so wünschten es Generalsekretärin Anneliese Lissner und Generalpräses August Gordz, "Frau und Mutter" in die journalistische Zukunft führen. Das hat sie getan, seit 1998 als Chefredakteurin – und bis jetzt nicht wieder damit aufgehört.

Eine Zeitschrift ist genauso wie alles andere im Leben Moden unterworfen, Sehgewohnheiten ändern sich. Eine Redaktion, die da nicht mitgeht, verliert schnell den Kontakt zu ihren Leserinnen und Lesern. Auch wenn es umgekehrt nicht immer leicht für die Adressatinnen ist, sich vom liebgewordenen und gewohnten Bild zu verabschieden. Doch diesem Wagnis hat Barbara Leckel sich und ihre Leserinnen immer wieder ausgesetzt. Als 2002 "Frau und Mutter" sich einer der umfassendsten Schönheitskuren unterwarf, wurde die Redaktion geradezu überrollt von – vielen positiven und oft durchaus kritischen – Briefen und Anrufen.

Damals wurden alle Anruferinnen und Absenderinnen gebeten, dem neuen Layout eine Chance zu geben und sich doch bitte in einem halben Jahr noch einmal zu melden. kfd-Mitglieder wären keine kfd-Mitglieder, wenn sie sich zweimal bitten ließen, und so bekam die Redaktion ein weiteres Mal Berge von Post. Und siehe da: Die meisten Leserinnen mochten ihre "Frau und Mutter" wieder.

Ein wesentliches Gestaltungsmerkmal, das auf keinen Fall aufgegeben werden darf, ist auch gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal, das es so bei keiner anderen Zeitschrift gibt: Das umlaufende Titelbild ist eine Erfindung Barbara Leckels. Zusammen mit der doppelseitigen Mittelseite bildet es einen ganz wesentlichen Bestandteil dieser Zeitschrift. Die Text-Foto-Kompositionen hängen, das berichten Leserinnen immer wieder, in unzähligen Schaukästen, Büros und Küchen – inzwischen manchmal auch in Form der jährlich erscheinenden Kalender.

Aber natürlich ist es nicht nur das Aussehen, das Barbara Leckel in dieser Zeit geprägt hat. Die ehemalige Generalsekretärin Gertrud Casel schreibt ihr zum Abschied:
"Wenn kfd heute vor Ort in den Gemeinden häufig eine verlässliche Ansprechpartnerin in Sachen Willkommenskultur für Migrantinnen und Migranten ist, wenn kfd für Erfahrungen in nachhaltigem Konsum, fairem Einkauf und fairem Handel steht, dann hat das viel mit der großen Tradition von 'Frau und Mutter' zu tun, an der Barbara Leckel in den vergangenen 35 Jahren erheblichen Anteil hat: für Offenheit gegenüber Fremden, für weltweite Solidarität, für Gerechtigkeit und Frieden."

Für ihre Überzeugung und für die Sache der Mitgliederzeitschrift – und damit unverbrüchlich verbunden die Sache der kfd – war Barbara Leckel stets streitbar. Da konnte sie auch ein Bischof nicht von ihrer Überzeugung abbringen. Bis heute erzählt sie gerne die Geschichte vom großen und vom kleinen "f". Was war – übrigens fast genau neun Monate vorher – geschehen, als sich der damalige Fuldaer Bischof Johannes Dyba so über "Frau und Mutter" erzürnte? Aus einem kleinen "f" war ein großes geworden, während ein kleines "m" ein kleines geblieben war: "Frau und mutter" stand ab Januar 1988 auf dem Titel. Präsidium und Hausleitung standen hinter der Redaktion, und so blieb der Schriftzug für ganze zehn Jahre bestehen – bis aus dem großen "F" wieder ein kleines wurde.

"Frau und Mutter" ist keine Zeitschrift wie jede andere: Sie ist mit ihren fast 100 Jahren eine Traditionsmarke und außerdem die auflagenstärkste unter allen katholischen Zeitschriften im deutschsprachigen Raum. In dieser großen Verbreitung liegt eine Herausforderung: Wie soll eine Redaktion eine so große Zielgruppe angemessen bedienen? Schließlich haben nicht alle katholischen Frauen die gleichen Interessen, geschweige denn das gleiche Alter, die gleiche Lebensform, den gleichen Bildungsstand. Von den mitlesenden Männern ganz zu schweigen …

Barbara Leckel verfolgte stets das Ziel, dass in jeder Ausgabe wenigstens ein Artikel oder ein Angebot das Interesse jeder Leserin wecken sollte. Dabei war sie immer geleitet von größtem Respekt: Egal wie kompliziert ein Thema ist, den Leserinnen darf man es nicht vorenthalten, wenn es wichtig ist. Es komme eben darauf an, dass eine Redaktion in der Lage sei, es für jede verständlich aufzubereiten, die sich darauf einlässt.

So ist "Frau und Mutter" unter Barbara Leckels Ägide zu einem Bildungsinstrument der kfd geworden, das gesellschaftliche und kirchenpolitische, ethische und philosophische Fragen aufgreift und darstellt, immer mit dem Ziel, dass die Arbeit der Redaktion mit dazu beiträgt, dass die Mitglieder der kfd an gesellschaftlichen Diskussionen teilhaben können.

2007 wurde Barbara Leckel Leiterin der neuen Stabsstelle Publikationen, seitdem gehörte das Werkheft "Die Mitarbeiterin" zu ihrem Zuständigkeitsbereich, außerdem initiierte sie die diözesanen Beilagen zur Mitgliederzeitschrift, "nah dran".