Facebook, Twitter, Studi-VZ: Was machen die Kinder im Internet?

Von Bettina Levecke

Das Internet entwickelt sich rasant. Seit einigen Jahren sind vor allem die "Sozialen Netzwerke" explodiert. Sie gelten mittlerweile als wesentlicher Teil der Jugendkultur. Eine Verständnishilfe. "Ich wollte dir noch erzählen, dass dein Nachbar mich bei Facebook geadded hat", sagt Tobias (16), während er sich bei seiner Großmutter Christa das dritte Stück Apfelkuchen auf den Teller schiebt. "Geädded?", fragt diese mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn. Tobias lacht: "Facebook ist eine Freundeseite im Internet, auf der man sich vernetzen kann." Damit ist für ihn alles geklärt. Doch seine Großmutter schaut ratlos: Was ist eine Freundeseite? Und was bedeutet vernetzen? Wie Christa geht es vielen Eltern und Großeltern. Während die Kinder ganz routiniert mit Begriffen aus dem Internet kommunizieren, verstehen sie nur Bahnhof. Da ist von "twittern" die Rede, von einer tollen Band auf "My Space", von "Chats" bei "Schüler-VZ" und coolen Videos auf YouTube.

Die wichtigsten Sozialen Netzwerke im Überblick:

Facebook
Die Erfindung des sozialen Netzwerkes "Facebook" (übersetzt: Gesichtsbuch) gilt als Meilenstein im Internet. Der Kopf hinter "FB" ist Mark Zuckerberg, ein ehemaliger Harvard-Student, der Facebook 2003 als studentische Seite einrichtete und inzwischen Milliardär ist. Facebook ist eine Plattform, auf der jeder registrierte Benutzer eine Profilseite (Pinnwand) mit persönlichen Informationen und Fotos erstellten kann, die ihn der Öffentlichkeit oder nur einem von ihm auserwählten Kreis (seinen Freunden) präsentiert. Diese können auf der Pinnwand Nachrichten hinterlassen. Zusätzlich kann man die Profile anderer Personen, Initiativen, Institutionen beobachten.
Vorteile: Facebook ist sehr einfach zu bedienen und attraktiv durch seinen Marktplatzcharakter. Weltweit sind bereits über 800 Millionen Menschen bei FB aktiv. In Deutschland sind es rund 21 Millionen Nutzer.
Risiken: Die virtuelle Offenheit von Facebook birgt viele Risiken, von denen man längst nicht alle abschätzen kann. Facebook gilt als Datenmoloch, speichert alle Details, die die Benutzer untereinander austauschen. Selbst nach dem Löschen behält Facebook die Informationen – das ergab eine aktuelle niederländische Überprüfung. Kinder und Jugendliche sollten deshalb nicht mit ihrem echten Namen dort registriert sein und keine persönlichen Informationen (z.B. Adresse, Telefonnummer, Geburtsdatum) hochladen.

Schüler-VZ
"Schüler-VZ" steht für "Schülerverzeichnis" und ist eine deutsche Internet-Gemeinschaft für Schüler ab zehn Jahren. Dort kann man – ähnlich wie bei Facebook – ein persönliches Profil aufbauen und seinen Mitschülern Nachrichten schicken. Nach aktuellen Angaben sind dort 70 Prozent aller deutschen Schüler der zugelassenen Altersstufe registriert. Die Profile sind schulbezogen, eine Registrierung ist nur über eine Einladung möglich.
Vorteile: Der Erfolg der Internetseite bestätigt das Bedürfnis Jugendlicher, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. Man ist dabei, kann Kontakte pflegen und auch neue Freunde finden. Im Gegensatz zu Facebook gibt es bei Schüler-VZ Kontrollfunktionen, Inhalte werden überprüft.
Nachteile: Auch wenn Schüler-VZ unter Experten als eine eher sichere Seite gilt, wird auch hier zur Vorsicht gemahnt. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Datenlecks.

YouTube
Das weltweit größte Videoportal im Internet wächst täglich mit einer unvorstellbar großen Geschwindigkeit. Man kann dort kostenfrei alle möglichen Videos anschauen oder selbst hochladen. Damit ist YouTube Fernseher, Videorekorder und persönliches Archiv in einem. Videos können an Freunde empfohlen und damit weiterverbreitet werden. Besonders außergewöhnliche Videos zu drehen, ist unter Jugendlichen mittlerweile zu einem neuen Trend geworden.
Vorteile: YouTube ist ein riesiges Archiv, dass alle Wünsche per Mausklick befriedigt. Man kann dort Folgen der aktuellen Lieblingsserie anschauen, sich dank angeleiteter Videos von Profis in Gitarrengriffen schulen lassen, sich sportliche Höhepunkte anschauen, anderen beim Kuchenbacken oder Stricken zugucken – kurz: Alles, was Menschen machen können, ist bei YouTube zu betrachten.
Nachteile: Neben Millionen harmlosen Videos sind auf YouTube natürlich auch Millionen Videos, die Kinder und Jugendliche nicht schauen sollten, wie Pornographie oder Gewaltvideos. Sicherheitsmaßnahmen sind zwar vorhanden, bieten für Kinder und Jugendliche aber keinen echten Schutz. Eltern sollten unbedingt auf einen altersentsprechenden und reglementierten Umgang mit YouTube achten.

Twitter
"Twittern" heißt übersetzt "zwitschern": Ähnlich der SMS auf dem Handy, zwitschern Twitterer Kurznachrichten (sogenannte Tweets) ins Internet, die man abonnieren kann. Weltweit bekannt wurde das Twittern durch das US-Promipaar Ashton Kutcher und Demi Moore. Um der Belagerung durch Paparazzi zu entgehen und den Marktwert privater Fotos zu untergraben, stellten die beiden persönliche Statements und Fotos bei Twitter allgemein zugänglich ins Netz. In Deutschland twittern rund zwei Millionen Menschen.
Vorteile: Twitter-Fans schwören auf die Schnelligkeit dieses Mediums. Nachrichten können via Handy blitzschnell weltweit verbreitet werden. Das hat auch den Nachrichtenmarkt beschleunigt, denn viele Journalisten nutzen Twitter für ihre Recherche. Mit einer Nachricht kann man gleichzeitig tausende Menschen erreichen.
Nachteile: Eine Nachricht ist auf 140 Zeichen begrenzt, das macht den Austausch
eher oberflächlich. Kritisiert wird auch, dass die Tweets für Werbung und Spam, sogenannten Datenmüll, missbraucht werden.

MySpace
"MySpace" (übersetzt "Mein Raum") ist sozusagen die Ur-Mutter der sozialen Netzwerke und gilt als Vorläufer von Facebook. Ursprünglich als Möglichkeit zur Datenspeicherung gedacht, wurde MySpace schnell als persönliche Darstellungsplattform genutzt. Der thematische Schwerpunkt liegt bei MySpace auf Musik, weshalb sich dort hauptsächlich junge Musiker mit Liedern, Tagebüchern und Fotos zeigen. Die registrierten Benutzer können sich untereinander als "Freunde" kennzeichnen und sich gegenseitig empfehlen. Diese Form der medialen Verbreitung ist für einige Künstler bereits zum Karrierebeschleuniger geworden, so hat z.B. die englische Sängerin Adele bei MySpace angefangen, mittlerweile ist sie renommierte Grammy-Preisträgerin und hat Millionen CDs verkauft.
Vorteile: MySpace bietet jungen Musikern eine Plattform, um auf sich aufmerksam zu machen. Man kann sich mit Gleichgesinnten austauschen und Kontakte knüpfen.
Nachteile: MySpace ist in den letzten Jahren aufgrund großer Sicherheitslücken in die Kritik geraten. Zugangsdaten wurden ausgespäht und missbraucht. Medienexperten empfehlen, keine persönlichen Daten in das Profil zu stellen.