Neue Arbeitszeitmodelle von Frauen und Männern

Die Positionen der kfd

Grundlage der je eigenständigen Existenzsicherung von Frauen und Männern sind auf Dauer angelegte und sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse, die Existenzsicherung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Für beide Geschlechter muss selbstverständlich möglich sein, im Laufe ihres Lebens zugunsten von Sorgearbeit, Weiterbildung oder Ehrenamt ihre Erwerbstätigkeit einzuschränken oder zu unterbrechen.

Das bedeutet konkret:

  • "Arbeitszeitvereinbarungen, die sich an der aktuellen Lebenssituation der einzelnen Beschäftigten orientieren und ihnen helfen, Beruf, Familie, Ehrenamt und Pflege zu vereinbaren."
  • "Unternehmen sollen für die Beschäftigten Angebote zur Unterstützung zu bestimmten Lebensphasen vorhalten (Kinderbetreuung, Pflege, Krankheit von Angehörigen)."
  • "Rückkehrrecht in Vollzeittätigkeit im Rahmen des Teilzeitgesetzes nach Pflege und Kindererziehungszeiten."
  • Für pflegende Angehörige müssen arbeitsrechtliche Möglichkeiten geschaffen werden, damit Pflege und Erwerbstätigkeit besser zu vereinbaren sind: durch Pflegezeit analog zur Elternzeit, durch Teilzeitregelungen und Flexibilität bei den Arbeitszeiten.
  • jährlich max. 10-tägige Freistellung vom Erwerb für pflegende Angehörige (umgesetzt!), die analog der Freistellung bei Krankheit von Kindern über das Krankengeld ausgeglichen werden.
  • Eine Verlängerung des Elterngeldbezugs von 12 auf 18 Monate, die sich die Eltern teilen. Jeder Elternteil kann höchstens zwölf Monate Elterngeld beanspruchen.

Quelle: kfd-Positionspapier Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf, 2013

 

Die Positionen der CDU

Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern

  • Unbefristete Arbeitsverhältnisse dürfen nicht durch befristete Arbeitsverhältnisse ersetzt werden.
  • In Betrieben ab einer bestimmten Größe soll ein Anspruch auf die Rückkehr aus einer Teilzeitbeschäftigung ermöglicht werden.
  • Entwicklung flexibler Arbeitszeitmodelle, die es Familien ermöglichen, mehr Zeit miteinander zu verbringen.
  • Möglicherweise mehr Spielraum für Familienzeit im Rahmen von Familien- und Lebensarbeitszeitkonen
  • Neben dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz soll in der kommenden Legislaturperiode ein Rechtsanspruch auf Betreuung im Grundschulalter eingeführt werden, um die Vereinbarung von Familie und Berufstätigkeit zu verbessern.
  • Unterstützung durch Digitalisierung

Quelle: CDU/CSU: Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben. Regierungsprogramm 2017 – 2021 (3. Juli 2017): S. 26, S.44, S.52

 

Die Positionen der SPD

Mehr Zeit für die Familie

  • Gefordert wird ein Rückkehrrecht auf Vollzeit – eine Befristung der Teilzeitarbeit
  • Langzeitarbeitskonten, die evtl. betriebsübergreifend organisiert werden, damit Arbeitnehmer flexibel auf schwankende Zeitbedürfnisse reagieren können
  • Die Einführung von Wahlarbeitszeitkorridoren (statt fixen Wochenstunden) dient der Erhöhung der Zeitsouveränität der Arbeitnehmer – Voraussetzung dafür ist ein wirksamer Schutz vor entgrenzter Arbeit (fehlende Trennung von Arbeits- und Berufsleben).
  • Einführung eines Wahlarbeitsgesetzes mit einem Rechtsanspruch für Beschäftigte und in dem finanzielle Unterstützung in bestimmten Lebenslagen und die Aushandlung konkreter Konzepte im Betrieb miteinander verzahnt sind
  • Es soll ein Recht auf mobile Arbeit und die Förderung von Home-Office/Telearbeit geben.
  • Bei der Einführung familiengerechter Arbeits- und Besprechungszeiten, Home-Office und Dienstreiseregelungen soll der öffentliche Dienst eine Vorreiterrolle einnehmen. Daneben soll der Ausbau der Ganztags- und Randzeitbetreuung vorangehen.
  • Die bessere Vereinbarung von Beruf, Familienzeit, Pflege und Selbstsorge soll durch Einführung von Familienarbeitszeit mit Familiengeld und Pflegebudget erreicht werden.
  • Familienarbeitszeit und Familiengeld: Reduzieren beide Partner ihre Arbeitszeit auf 75-90% der regulären Vollzeit, erhalten sie insgesamt über 24 Monate 150 Euro (jeweils 8 Monate/Partner und 8 Monate, die aufgeteilt werden können).

Quelle: Sozialdemokratische Partei Deutschland: Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit: Zukunft sichern, Europa stärken. Regierungsprogramm 2017 – 2021 (26. Juni 2017) S. 5f, S. 15ff, S. 34

 

Die Positionen von Bündnis 90/ Die Grünen

Beweglichkeit und ein Abschied von überholten Mustern ist gefragt, um die Anforderungen der Arbeitswelt mit den Bedürfnissen der Beschäftigten mehr in Einklang zu bringen

  • Flexible Vollzeit – Arbeitszeitkorridore (zwischen 30 und 40 Stunden/Woche):
    Reduzierung und Erhöhung der Wochenarbeitszeit um bis zu 10 Stunden
  • Rückkehrrecht auf Vollzeit: Anrecht auf eine zeitliche Befristung der Stundenreduzierung
  • Arbeitnehmern soll ein Recht auf Home-Office als Ergänzung zum festen Arbeitsplatz eingeräumt werden.
  • Zur Verbesserung der Vereinbarung von Familie und Berufstätigkeit werden
    PflegeZeitPlus und KinderzeitPlus (bis Kinder 14 Jahre alt sind) eingeführt.
    • Pflegezeit Plus: dreimonatige Freistellung mit Lohnersatzleistung, um Pflegebedürftige zu unterstützen sowie jährlich zehn Tage für Notsituationen
    • Kinderzeit Plus: Lohnersatzleistungen als Ergänzung zum Kindergeld, Arbeitszeit kann auch nach dem ersten Geburtstag des Kindes phasenweise reduziert werden, bis zum 15. Lebensjahr des Kindes. Jedes Elternteil erhält acht Monate finanzielle Unterstützung. Hinzu kommen weitere acht Monate Unterstützung, die zwischen den Eltern aufgeteilt werden können.

Quelle: Bündnis 90 Die Grünen: Grünes Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2017: Zukunft wird aus Mut gemacht. (27.Juni 2017), Kapitel: Wir holen Kinder aus der Armut und fördern Familien S. 1f, Wir kämpfen für gute Arbeit und bessere Vereinbarkeit S. 3. https://www.gruene.de/ueber-uns/2017/gruenes-wahlprogramm-zur-bundestagswahl-2017-zukunft-wird-aus-mut-gemacht.html?pk_campaign=programmentwurf-bh-start

 

Die Positionen der FDP

Selbstbestimmt Leben bedeutet selbstbestimmt arbeiten

  • Einsatz für flexible Arbeitszeitmodelle und Digitalisierung, um zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten und Vereinbarung von Familie und Beruf zu ermöglichen
  • Förderung von vom Arbeitgeber unabhängigen Langzeitarbeitskonten für mehr Souveränität in der beruflichen Lebensgestaltung – Ansprüche können einfacher unternehmensübergreifend übertragen werden und im Rahmen von Familienzeit o.ä. durch Stundenreduzierung oder komplette Auszeit ausgeglichen werden
  • Vertrauensarbeitszeit statt Stechuhr: Förderung projektorientierten Arbeitens – Arbeitszeitgesetz flexibilisieren und tägliche Höchstarbeitszeit aufheben – stattdessen Höchstarbeitszeit von 48 Wochenstunden analog europäischer Arbeitsrichtlinien
  • Arbeitsschutz für Home-Office-Arbeitsplätze entbürokratisieren
  • Sofern keine dringenden Gründe dagegen sprechen, sollen Arbeitgeber Mitarbeitern Home-Office ermöglichen.
  • Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle in der Pflege

Quelle: Freie Demokratische Partei: Beschluss des 68. Ord. Bundesparteitages der FDP, Berlin, 28. – 30. April 2017 (01. Mai 2017): S. 34f, 41f, 45

 

Die Positionen von Die Linke

Mehr Zeitsouveränität für Mitarbeiter

  • Förderung von Modellen, die Erwerbs-, Familien- und Privatleben besser vereinbaren
  • Reduzierung der maximalen Wochenstundenarbeitszeit von 48 auf max. 40 Stunden – Nebenregelungen (bspw. im Einzelhandel) sollen abgeschafft und die Einhaltung der Vorgaben stärker kontrolliert werden. Gleichzeitig sollen Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf eine Mindeststundenzahl von 22 Std/Woche erhalten.
  • Arbeitszeitkonten fördern
  • Kürzere Vollzeitbeschäftigung – Einführung des Sechs-Stunden-Tages
  • Bereits der zweite Arbeitsvertrag beim Arbeitgeber MUSS unbefristet sein.
  • Rückkehrrecht aus Teilzeit
  • Erziehungs- und Pflegearbeit müssen stärker bei der Arbeitszeitgestaltung berücksichtigt werden – Rechtsanspruch auf familienfreundliche Arbeitszeiten
  • Pflegearbeitszeit von bis zu sechs Wochen – diese vom Arbeitgeber bezahlte Auszeit
    dient der Pflege eines Angehörigen, bis die neue Situation organisiert ist
  • Tarifliche Regulierung der Telearbeit, um einer "Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit" und deren Belastungen vorzubeugen
  • Sabbatjahre: zwei Mal während des Erwerbslebens können Arbeitnehmer eine
    kleinere Auszeit von 3-6 Monaten nehmen.

Quelle: Die Zukunft, für die wir kämpfen: SOZIAL.GERECHT.FÜR ALLE. Linkes Programm zur Bundestagswahl 2017 (Juni 2017): S. 11ff, S. 17, S. 72

 

Die Positionen der AfD

Eingrenzung prekärer Arbeitsverhältnisse

  • Obergrenze von 15% bei Werk- und Leiharbeitern im Unternehmen
  • Leiharbeiter sind nach einer sechsmonatigen Beschäftigung einzustellen – eine Verlängerung soll nicht zulässig sein

Quelle: Alternative für Deutschland, Programm für die Wahl zum Deutschen Bundestag am 24. September 2017 (18. Mai 2017). S. 51