Gleichstellung von Frauen und Männern

Die Positionen der kfd

Neue Verteilung von Arbeit

Erwerbsarbeit, Sorgearbeit und ehrenamtliche Arbeit sind gesellschaftlich gleichermaßen notwendig und wertvoll. Ohne die Sorge der Menschen füreinander kann Gesellschaft nicht bestehen.

Eine neue Verteilung von Erwerbsarbeit, Sorgearbeit und ehrenamtlicher Arbeit zwischen beiden Geschlechtern setzt eine gesellschaftliche Aufwertung der bisher typischerweise von Frauen erbrachten Arbeit in Familien voraus.

In einer Gesellschaft, in der Frauen und Männer nicht nur per Gesetz gleichgestellt sind, muss es die Möglichkeit geben, immer wieder Schwerpunkte neu zu setzen und miteinander zu vereinbaren, wie Sorge- und Erwerbsarbeit zu teilen sind.

Für beide Geschlechter muss es selbstverständlich möglich sein, im Laufe ihres Lebens zugunsten von Sorgearbeit, Weiterbildung oder Ehrenamt ihre Erwerbstätigkeit einzuschränken oder zu unterbrechen.
Das muss in den sozialen Sicherungssystemen, insbesondere in der Alterssicherung, Berücksichtigung finden.

Konkret heißt das:

  • eine deutliche Aufwertung der Rentenanwartschaften für die Pflege von Angehörigen. Das bedeute, einen Rentenpunkt pro Jahr Pflege unabhängig von der Pflegestufe. Diese Rentenanwartschaften sind auch nach Eintritt ins Rentenalter anzurechnen
  • ein Rentenmodell, das durch eine existenzsichernde Sockelrente Zeiten des Unterbrechens und Reduzierens von Erwerbstätigkeit ausgleicht. Dieses Rentenmodell vertreten weitere katholische Verbände
  • das Aufrechterhalten der Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung, damit ein Lebenspartner die Chance hat, Sorgearbeit für Angehörige zu leisten
  • eine Verlängerung des Elterngeldbezugs von 12 auf 18 Monate, die sich die Eltern teilen. Jedes Elternteil kann höchstens zwölf Monate Elterngeld beanspruchen
  • jährlich maximal 10tägige Freistellung vom Erwerb für pflegende Angehörige, die analog der Freistellung bei Krankheit von Kindern über das Krankengeld ausgeglichen werden
  • eine Erhöhung des Kindergeldes oder des Steuerfreibetrags für Kinder in Richtung des Existenzminimums für Kinder, um Familien, insbesondere Alleinerziehende, besser vor Armut zu schützen

Quelle: kfd-Positionspapier "Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf", 2013

 

Die Positionen der CDU 

In allen Lebensbereichen prägen Frauen heutzutage unser Land mit. Ihre völlige Gleichbehandlung ist trotzdem noch nicht überall erreicht.

  • Gleichberechtigung von Mann und Frau gilt für alle hier lebenden Menschen, ganz gleich woher sie kommen.
  • Es soll mehr Frauen ermöglicht werden, sozialversicherungspflichtig tätig zu sein.
  • Frauen und Männer sollen das gleiche Geld für gleiche Arbeit erhalten: Die Wirkung des eingeführten Entgelttransparenzgesetzes soll überprüft und gegebenenfalls in Kooperation mit den Sozialpartnern angepasst werden.
  • Forderung von mehr Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft und Verwaltung: Im öffentlichen Dienst soll bis spätestens 2025 eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen verwirklicht werden.
  • Familien leisten einen wertvollen Beitrag zur gesellschaftlichen Zukunft. Ehe und Familie zu fördern bleibt darum eine der wichtigsten Aufgaben des Staates:
    – Familien sollen Zeit mit- und füreinander haben
    – Ausweitung des Kinderfreibetrages auf das Niveau des Erwachsenenfreibetrages und eine Erhöhung des Kindergeldes: 300 Euro mehr pro Kind pro Jahr
    – Junge Familien sollen einfacher Wohneigentum erwerben können: Baukindergeld in Höhe von 1.200 Euro pro Kind und Jahr über einen Zeitraum von 10 Jahre

Quelle: CDU/CSU: Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben. Regierungsprogramm 2017 – 2021 (3. Juli 2017): S. 12, S. 14f, S. 25ff, S. 34, S. 43, S. 44, S. 72

 

Die Positionen der SPD

Gleichstellung ist Voraussetzung für eine zukunftsfähige, moderne und gerechte Gesellschaft

  • Anerkennung vielfältiger Lebensrealitäten
  • Frauenquote in Vorständen und Führungsebenen (jeweils zur Hälfte) sowie in der Wissenschaft (40%)
  • Entgeltgleichheit – gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Lohngerechtigkeit fördern, Lohndiskriminierung beenden
  • Elternschaft darf kein Karrierehindernis darstellen: Familie und Beruf müssen besser miteinander vereinbart und berufliche und familiäre Aufgaben besser aufgeteilt werden können:
    o Verbesserung der Teilhabe des Mannes am Familienleben
    o Einführung eines Familienbudgets statt Ehegattensplitting zur Förderung von Familien mit Kindern (mit Bestandsschutz für bereits bestehende Partnerschaften) sowie einer Kindergrundsicherung. Gestärkt werden damit vor allem Alleinerziehende und Familien mit vielen Kindern
    o Familienarbeitszeit mit Familiengeld / Pflegearbeitszeit mit Pflegegeld: 150 Euro/Monat über 24 Monate bei Reduzierung der Arbeitszeit um 75 – 90 %
  • Individueller Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe für Opfer von Gewalt und deren Kinder. Weiterhin soll es einen bundesweiten Förderplan zum Ausbau des Hilfesystems mit Beratungsstellen und Frauenhäusern geben.
  • Kostenloser Zugang zu Verhütungsmitteln für Frauen mit einem geringen Einkommen

Quelle: Sozialdemokratische Partei Deutschland: Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit: Zukunft sichern, Europa stärken. Regierungsprogramm 2017 – 2021 (26. Juni 2017) S. 5ff, S.15, S. 17f, S. 32, S. 37, S.59ff, S. 62

 

Die Positionen von Bündnis 90/ Die Grünen

Wir stehen ein für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung

  • Förderung von Frauen, dass sie gleichberechtigt erwerbstätig und wirtschaftlich unabhängig sind
    o Beschäftigungsbedingungen insbesondere für Frauen verbessern
    o Einführung eines Entgeltgleichheitsgesetzes, welches auch für kleine Betriebe gilt
    o Ausweitung der anonymisierten Bewerbungsverfahren
    o SAHGE-Berufe (Soziale Arbeit, Haushaltsbezogene Dienste, Gesundheit), die noch immer vornehmlich von Frauen bekleidet werden, aufwerten und besser bezahlen
    o Statt Ehegattensplitting werden Familien mit Kindern steuerlich besser gefördert mit Bestandsschutz für bereits bestehende Ehen – Einführung eines Familienbudgets
    o 50% Frauen-Quote in Führungsebenen
  • Partnerschaftliche Teilung von Erwerbs- und Hausarbeit und Verbesserung der Vereinbarung mit Berufstätigkeit
  • Frauen sollen gewaltfrei leben können – sexuelle Bedrohungen, Übergriffe und
    Gewalt gegen Frauen müssen konsequent verfolgt und geahndet werden.
  • Sicherstellung der Existenz von Frauenhäusern und speziellen Beratungsstellen
  • Selbstbestimmungsrecht von Frauen über ihren Körper
  • Einführung Familien-Budget: Stärkung von Alleinerziehenden durch eine Existenz-sicherung für Kinder mit einer einkommensunabhängigen Kindergrundsicherung

Quelle: Bündnis 90 Die Grünen: Grünes Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2017: Zukunft wird aus Mut gemacht. (27. Juni 2017), Kapitel: Wir machen den Sozialstaat sicher und zukunftsfest S. 1f, Wir holen Kinder aus der Armut und fördern Familien, Wir streiten für Akzeptanz und Respekt, für Vielfalt und Selbstbestimmung. https://www.gruene.de/ueber-uns/2017/gruenes-wahlprogramm-zur-bundestagswahl-2017-zukunft-wird-aus-mut-gemacht.html?pk_campaign=programmentwurf-bh-start

 

Die Positionen der FDP

Gleiche Chancen für alle unabhängig vom Geschlecht

  • Jeder Mensch soll seinen Lebensentwurf verwirklichen können – es darf beim Voran-kommen keinen Unterschied machen, ob man sich für Familie entscheidet oder nicht.
  • Forderung von mehr Frauen in Führungsverantwortungen – gemischte Teams arbeiten erfolgreicher und produktiver, Frauen sind in Leitungspositionen sehr erfolgreich.
  • Ablehnung einer gesetzlichen Regelung der Frauenquote, stattdessen Selbstverant-wortung der Unternehmen stärken (Berichtspflichten, transparente Selbstverpflichtungen)
  • Ganzheitliches Diversity Management in der Arbeitswelt fördern
  • Frauen sollen ermutigt werden, klassische Männerberufe anzunehmen, um die
    Lohnlücke zwischen den Geschlechtern zu verkleinern.
  • Gleichzeitig müssen Hemmnisse abgebaut werden, wenn Männer vermeintliche Frauenberufe annehmen. 

Quelle: Freie Demokratische Partei: Beschluss des 68. Ord. Bundesparteitages der FDP, Berlin, 28. – 30. April 2017 (1. Mai 2017): S. 34f

 

Die Positionen von Die Linke

Ungleichheit ist unsozial, wir steuern um – für einen linken Feminismus – gegen neoliberale Spaltung und antifeministische Stimmungsmache

  •  Alle Tätigkeiten zwischen Männern und Frauen sollen gerecht verteilt werden –
    das bedeutet eine radikale Umverteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit.
  • Gefordert wird ein Entgeltgleichheitsgesetz mit einem Verbandsklagerecht, um gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu erreichen.
  • Verbindliche Frauenquote von 50% für alle Aufsichtsräte und Vorstände aller Unternehmen
  • Gerechte Verteilung von Erwerbsarbeit, unbezahlter Hausarbeit, Kindererziehung und Betreuung sowie von Pflege innerhalb der Gesellschaft und zwischen den Geschlechtern. Das heißt auch eine Umverteilung der gutbezahlten Erwerbsarbeit hin zu Frauen und im Gegenzug mehr von der "wunderbaren, liebevollen" Familienarbeit in Männerhand.
  • Schutz und Förderung nicht nur von Ehepaaren, sondern denjenigen, die mit Kindern
    oder Pflegebedürftigen zusammenleben.
  • Ende des Alleinverdiener- und Zuverdiener-Modells hin zu einem familienfreundlichen Steuermodell
  • Ehe- und Adoptionsrecht für alle
  • Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und auf Schutz vor Gewalt:
    o Recht auf den Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen und zu Verhütung
    o Schutz von Prostituierten
    o besserer Zugang zu qualifizierten Hilfsangeboten bei Gewalterfahrungen

Quelle: Die Zukunft, für die wir kämpfen: SOZIAL.GERECHT.FÜR ALLE. Linkes Programm zur Bundestagswahl 2017. (Juni 2017): S. 13, S. 72ff

 

Die Positionen der AfD

Gender-Ideologie ist verfassungsfeindlich

  • Gender-Ideologie marginalisiert naturgegebene Unterschiede zwischen den
    Geschlechtern und stellt geschlechtliche Identität in Frage.
  • Gender-Ideologie widerspricht mit dem Lebensmodell und Rollenbild dem Grundgesetz.
  • Bestrebungen, die Gender-Ideologie durch Instrumente wie Gender-Studies, Quotenregelungen, "Propagandaaktionen wie den Equal Pay Day oder die geschlechterneutrale Sprache" umzusetzen, werden abgelehnt.
  • Gleichstellungsbeauftragte sind abzuschaffen.
  • "Ehe und Familie sind als staatstragendes Institut zu schützen, weil nur dieses das Staatsvolk als Träger der Souveränität hervorbringen kann."
  • Besteuerung von Familien ist zu hoch: 
    o Existenzminima von Kindern und Eltern wirksam steuerfrei machen
    o Ergänzung des Ehegattensplittings um ein Familiensplitting, bei dem das Haushaltseinkommen auf alle Familienmitglieder verteilt wird
  • Hilfe für Alleinerziehende, ein eigenverantwortliches Leben zu führen, jedoch keine Unterstützung für Organisationen, die Einelternfamilien als normalen, fortschrittlichen oder gar erstrebenswerten Lebensentwurf propagieren.

Quelle: Alternative für Deutschland: Programm für die Wahl zum Deutschen Bundestag am 24. September 2017 (18. Mai 2017). S. 38ff, S. 50, S. 55