12. September 2011:
Im September 1981 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz das Wort "Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft". Dass das Bischofswort nach wie vor hochaktuell ist, zeigte ein Symposion der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), das jetzt in Mainz stattfand. Unter dem Titel "Kirche – Modell für ein gleichwertiges Miteinander von Männern und Frauen?!" bezogen Verantwortliche aus Kirche und Theologie Position.
Einig war sich das Podium darüber, dass Kirche ohne die Fähigkeiten und Begabungen der Frauen nicht denkbar ist. Dies betonte auch der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode. Er verwies darauf, dass heute viele Dinge selbstverständlich seien, die vor 30 Jahren noch undenkbar waren. Demgegenüber stellte die stellvertretende Bundesvorsitzende der kfd, Irmentraud Kobusch, heraus: "Bildlich gesprochen atmet die Kirche nur auf einem Lungenflügel, wenn sie ausschließlich Männer zum sakramentalen Diakonat zulässt. Das diakonische Gesicht der Kirche muss insgesamt deutlicher sichtbar werden." Prof. Dr. Judith Könemann von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster unterstrich, dass die Kirche als Anwältin der Frauen ihre Strukturen so ändern müsse, dass diese die gleichen Rechte und Möglichkeiten hätten wie Männer.
Auch Prof. Dr. Saskia Wendel vom Institut für Katholische Theologie an der Universität Köln wandte sich eindeutig gegen jede Form der Diskriminierung, die der Gottesebenbildlichkeit jeder Person widerspreche. Sie forderte, dass Kirche prüfen müsse, wo sie diskriminierend handle. Prof. Dr. Hildegund Keul, Leiterin der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, betonte, dass Kirche sich durch das gleichwertige Miteinander von Männern und Frauen die Chance eröffne, das Evangelium auch gesellschaftlich zu verorten. Insgesamt bemängelten die Frauen in der Runde die große Langsamkeit, mit der die Vision des Bischofwortes bisher umgesetzt wurde. Hoffnungen wurden laut, dass der gerade gestartete Dialogprozess die Diskussion um die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche wieder neu belebt.
Die kfd hat ihre Erwartungen an den Prozess in dem Positionspapier "Frauen geben Kirche Zukunft" klar formuliert. So soll es Frauen möglich sein, in der Kirche auch leitende Ämter, Dienste und Aufgaben zu übernehmen. Auch zum Diakonat sollen sie zugelassen werden. Darüber hinaus fordert die kfd die Zulassung von Geschieden-Wiederverheirateten zu den Sakramenten, eine lebensnahe Sexualethik sowie die nachdrückliche Fortsetzung des ökumenischen Dialogs.
Hintergrund:
Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) ist mit rund 600.000 Mitgliedern der größte katholische Verband in der Bundesrepublik. Sie setzt sich für die Interessen von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft ein. Weitere Informationen und der Download des Positionspapiers "Frauen geben Kirche Zukunft" unter www.kfd.de