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"Alle Getauften sind Priester, Bischof, Papst - Frauen also auch"

Frauengerechte Kirche: Zum Ende des Projektes "Reformation ist überall - Frauenperspektiven" wurden vor der Thesentür in Wittenberg acht Thesen für eine frauengerechte Kirche in Wittenberg vorgestellt: Schirmfrau Margot Käßmann (2. v.r.) mit dem Vorstand des Christinnenrates (v.l.) Bärbel Haug, Mona Kuntze und Brigitte Vielhaus (Leiterin Abteilung Theologie und Kirche in der kfd-Bundesgeschäftsstelle).

Christinnenrat stellt gemeinsam mit Schirmfrau Margot Käßmann Online-Projekt "Reformation ist überall - Frauenperspektiven" in Wittenberg vor

14. August 2017:

Ein halbes Jahrtausend nach Beginn der Reformation wehe noch immer patriarchaler Geist durch die christlichen Kirchen, würden die Religionen von Männern beherrscht: Zu diesem Ergebnis kommt Reformationsbotschafterin Margot Käßmann, die als Schirmfrau das Projekt "Reformation ist überall - Frauenperspektiven" in Wittenberg vor der Schlosskirche Samstag, 12. August 2017, vorstellte.

"Noch immer dominieren Männern in gewaltigen Gewändern das Bild von Kirche", urteilt Käßmann. "Das ist ein Jammer."

Männliche und weibliche Qualitäten würden in Kirche gebraucht und sie würden von Frauen und Männern eingebracht. "Erst wenn Männer den Kuchen backen für die Gemeindeversammlung und Frauen bei ihnen die Kinder für den Nachmittag abgeben, hat sich etwas geändert."

Schirmfrau Käßmann erinnerte an die Reaktionen, als vor 25 Jahren Maria Jepsen zur ersten lutherischen Bischöfin weltweit wurde. "Dabei war das doch nur die Fortführung von Luthers theologischer Erkenntnis, dass alle Getauften Priester, Bischof, Papst sind." Es sei somit heute ein Zeichen von Reformation, dass Frauen auf allen kirchlichen Leitungsebenen vertreten sind.

Doch nicht in allen christlichen Kirchen sind Frauen zu allen kirchlichen Ämtern zugelassen, auch in Deutschland nicht. Dies jedoch gehört zu den meistgenannten Wünschen der Teilnehmenden des Projektes "Reformation ist überall". "Das ist mehr als verständlich", sagt Brigitte Vielhaus, Theologin im Vorstand des Christinnenrates und Abteilungsleiterin Theologie und Kirche in der kfd-Bundesgeschäftsstelle. "Für viele ist und bleibt genau das die entscheidende Frage nach Geschlechtergerechtigkeit und somit auch nach der gleichen Würde von Frauen und Männern."

Das Projekt "Reformation ist überall" - Frauenperspektiven startete im vergangenen Herbst. Um heutige Frauen-Perspektiven sichtbar zu machen, vervollständigten Teilnehmende auf einem Plakat den Halbsatz "Eine frauengerechte Kirche ist für mich, wenn.". In Anlehnung an den Thesenanschlag Luthers machten die Teilnehmenden mit diesem Plakat ein Selfie vor einer Kirchentür und stellten es auf der Projekt-Website online.

Mit dem in Wittenberg vorgestellten Projekt "Reformation ist überall - Frauenperspektiven" macht der Christinnenrat, zu dem auch die kfd als Gründungsmitglied gehört, im Reformations-Jubiläumsjahr darauf aufmerksam, dass jede Kirche sich immer wieder reformieren muss.

Acht Thesen, was unsere Kirchen heute brauchen, hat der Christinnenrat dazu aufgestellt:

Unsere Kirchen brauchen...

  • die Gaben, Fähigkeiten und Berufungen von Frauen
  • eine inklusive Sprache
  • die Vielfalt von Gottesbildern und von Gottesdienstformen
  • Frauen auf allen Leitungsebenen
  • Frauen in allen kirchlichen Ämtern
  • die Erkenntnisse feministischer Theologien
  • eine geschlechtergerechte Verteilung finanzieller Ressourcen
  • den Einsatz für gerechte Lebensbedingungen weltweit

Hintergrund

Der Christinnenrat als eine ökumenische Arbeitsgemeinschaft von Frauenverbänden, Gruppen und Organisationen auf Bundesebene stärkt die ökumenische Gemeinschaft und dient der Einheit der Kirchen. Der Christinnenrat arbeitet  für die Erneuerung der Kirchen im Geiste von Geschlechtergerechtigkeit und ökumenischer Offenheit. Die kfd ist Gründungsmitglied des Christinnenrates.

Quelle: Pressemitteilung des Christinnenrates

Weitere Informationen

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